#90 Weihnachtsfernsehen

Dank Netflix und Co ist man ja nicht mehr unbedingt auf das eigentliche Fernsehprogramm angewiesen, aber rund um die Feiertage den einen oder anderen Film anzusehen, das hat schon etwas sehr gemütliches. Und auch Kino passt immer gut zu den Feiertagen. Was mich nicht so begeistert, ist die Filmauswahl manchmal. Mitmensch wünscht sich, dass ich mir mit ihm den „Grinch“ im Kino ansehe und ich gehe notgedrungen mit („Kann ich mir das zu Weihnachten wünschen, dass du mitgehst?“). Er will eine Nachmittagsvorstellung ansehen, und so gehen wir in Lugner-City. Ich war dort erst einmal, als ich einem Freund bei der Auswahl einer am Türrahmen montierbaren Klimmzugstange geholfen habe und das ist Jahre her. Soweit ich das überblicken kann, hat sich aber nicht viel geändert. Der Kinobereich ist angenehm leer und außer uns sehen sich ein paar Eltern mit ihren Sprösslingen die Vorstellung an. „Der Grinch“ entpuppt sich als erstaunlich netter Film, Otto Waalkes spricht den Grinch, und sehr nett ist auch das Kind zwei Reihen vor uns, das seinem Vater während des Films den Plot erklärt.

Nach dem Film gehen wir noch eine Runde durch die Lugner-City, bis ich Platzangst bekomme. Vorher aber sehen wir, dass es einen kleinen Indoor-Eislaufplatz gibt und der Weihnachtsmann – ganz amerikanisch – auf einem goldenen Thron sitzt und eine lange Schlange, bestehend aus Eltern mit Kleinkindern, sich anstellt, um die Kinder auf dem Schoss von besagtem rotgewandeten Mann fotografieren zu lassen. Zwei Kinder fangen zu weinen an – komisch. Nachdem wir wieder hinausgefunden haben (gar nicht so einfach, und die Gänge sind wirklich eng), erst mal durchatmen.

Am nächsten Tag zappt sich Mitmensch durch Netflix und bleibt bei einer anderen Weihnachtsgeschichte hängen: „The Christmas Chronicles“. Kurt Russell als Santa Claus… Naja. In „The Thing“ hat er mir besser gefallen.

Jaha, aber dann! Dann! Endlich kommen die richtigen Weihnachtsfilme: Die Hard (1988). Die Hard 2 (1990). Die Hard with a Venegance (1995). Live Free or Die Hard (2007). Wobei die Filme ab Nr. 3 natürlich nicht mehr zu Weihnachtszeit spielen, aber wir wollen ja keine I-Tüpfelreiter sein. Nr. 5 (A Good Day to Die Hard von 2013) ist übrigens mit voller Absicht nicht in der Liste und wird auch nicht angesehen – den zähle ich auch nicht zur Reihe. Den ignoriere ich. Das ist ja wohl… Wie da das Motorrad und der Laster und die Explosionen…

Also nein. Wirklich nicht. Es gibt Grenzen.

Auch zu Weihnachten.

 

#89 Vorweihnachtszeit

Der beste Moment im Advent ist der, an dem man alle Geschenke besorgt hat, finde ich. Wenn die Bücher und Kleinigkeiten über den Boden verteilt liegen und darauf warten, eingepackt zu werden und man nicht mehr hinaus muss, um die Innenstadt oder die Einkaufsstraßen zu besuchen. In manche Geschäfte, den Thalia zum Beispiel, traue ich mich gar nicht mehr. Da ist mir einfach zu viel los und es gibt immer ein paar panische Menschen, so verzweifelt beim Suchen sind, dass man sie am liebsten auf die Schulter klopfen möchte und sagen: „Alles wird gut.“ Das würde sie glaube ich aber nachhaltig irritieren, also lass ich das lieber und gehe woanders hin. Die kleineren Buchhandlungen sind nicht so überlaufen und nehmen sich mehr Zeit für die Kunden – auch die panischen, die sind dort in ganz guten Händen. Natürlich, man könnte auch übers Internet bestellen, aber da bin ich mir nie sicher, ob die Pakete auch wirklich noch ankommen. Und so früh bin ich meistens nicht dran, dass ich beruhigt davon ausgehen könnte.

So liegt denn nun alles da und wartet auf das Geschenkspapier und Schere und Tixo. Beim Geschenkspapier muss man immer aufpassen – es gibt so dünnes, dass es schneller reißt als das man es schneiden kann, aber man erkennt es leider nicht immer gleich von außen. Also ist es auch immer eine vorweihnachtliche Überraschung, das Geschenkspapier zum ersten Mal auszupacken 🙂

So. Alles eingepackt.

Ich hoffe, ihr seid nicht mehr (und vor allem nicht panisch) auf der Suche. Und falls doch: Alles wird gut 🙂

Ich wünsche euch allen frohe Feiertage!

#88 Grafenegg

Zwar gibt es innerhalb Wiens ja genug Weihnachtsmärkte, die man besuchen könnte, aber der Mitmensch und ich fahren auf einen nach Niederösterreich, und zwar nach Grafenegg. Den haben wir uns irgendwie angewöhnt. Zum einen ist er wirklich nett, die Hütten stehen zum Teil im Park und zum Teil sind sie in den Räumlichkeiten des Schlosses untergebracht, zum anderen gibt es wirklich hübsches Kunsthandwerk, frische Bauernkrapfen und deftiges Essen. Und: hier wird Murmeltiersalbe verkauft. Dazu aber später.

Der Weihnachtsmarkt in Grafenegg geht immer über vier Tage, Donnerstag bis Sonntag, meist um den zweiten Advent herum. Man merke: Möchte man ihn besuchen, komme man möglichst früh, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens ist bei diesem Markt Eintritt zu bezahlen (und mit 8 Euro pro erwachsenem Kopf nicht zu knapp), und da kann man schon mal länger in der Schlange vor den Kassen warten, bis die älteren Herrschaften vor einem fertig im Kleingeldfach herumgekramt haben, um irgendwann einzusehen, dass es sich wirklich nicht ausgeht und dann doch mit Karte zahlen wollen. Zweitens ist der Weihnachtsmarkt wirklich gut besucht. Draußen, im Park, ist das ja noch ok, da weicht man gegebenenfalls auf den Rasen aus und geht Alpakas und Lamas streicheln. Im Schloss ist das schon schwieriger. Die dort untergebrachten Stände und Verkaufsflächen sind in einem Einbahnsystem angelegt, das einen über Treppen, schmale Durchgänge und kleine Zimmer führt (die z.T. wahnsinnig aufwändig gearbeiteten Kassettendecken haben), in denen es sich bald gegen Mittag zu stauen beginnt. Manchmal wird man mehr durchgeschoben, als dass man gehen würde. Kommt man aber zeitig, hat man die Chance, nicht nur hin und wieder die eigenen Füße zu sehen, sondern auch Töpfereien, Mineralien aus Niederösterreich, Bienenwachskerzen und Wollsocken eingehender betrachten zu können.

Dieses Mal gibt es an den Weihnachtsschmuckständen auffallend viele vergoldete Nüsse und eine findige Wachauerin bietet vergoldete Marillenkerne an, die man sich als Einzelschmuckstücke um den Hals hängen kann. Es gibt ja einige, die Upcyceln zum Sport erhoben haben, aber ob diese Idee fliegen wird? Ich würde mir keinen abgelutschten Kern um den Hals hängen – auch nicht vergoldet.

Apropos Gold: Ein Kind findet im Antiquariatsteil eines Buchhändlers ein Buch mit vergoldetem Schnitt und ist begeistert. Die Eltern ziehen die Augenbrauen hoch und sagen hastig: „Nein, nein, die alten Bücher, die sind nur zum Ansehen da, die kann man nicht kaufen.“ Das Kind ist nicht ganz überzeugt und muss mir auf die Zunge beißen, um es nicht aufzuklären: „Doch, doch! Die kann man kaufen!“ Aber ich will ja in der Adventszeit keine Verwünschungen auf mich ziehen. Ich kaufe ein Buch aus dem Antiquariat, um ein paar Euro werden mit die „Charlatanerien“ von einem gewissen August Friedrich Cranz überlassen. Ich frage nicht nach dem Preis des Goldschnitt-Buchs, bin mir aber ziemlich sicher, dass es keinen besonders hohen Preis hat – zu einer so gedrängten Veranstaltung nimmt man keine Schätze mit, die man mitten im Raum in Richtung Ausgang einfach so stehen lässt.

Ein Einkaufs-Muss ist außerdem jedes Mal die oben bereits erwähnte Murmeltiersalbe: Sie hilft besonders bei Verspannungen, und von diesen wird der Mitmensch regelmäßig heimtückig heimgesucht. Die Murmeltiersalbe heißt übrigens nicht nur so, sie wird tatsächlich aus dem Fett von Murmeltieren hergestellt, dessen Bestandteile eben gegen Muskel- und Gelenksbeschwerden (und auch Rheuma ^^) helfen.

Nach der zweistöckigen Runde im Schloss haben wir Hunger bekommen und wollen uns die Essensstände im Park näher ansehen. Gerade als wir dorthin abbiegen, wird ein Schild aufgestellt, dass es bei der Indoor-Runde im Schloss zu längeren Wartezeiten kommen kann. Ein High Five für die Frühaufsteher!

Ein Rieslingsragout und ein Chili Con Carne später trinken wir noch etwas Heißes (Glühmost für mich, Kinderpunsch für den Autofahrer). Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir die Familie mit dem Kind wieder, denen wir vorhin beim Antiquariat begegnet sind. Sie stehen vor den Lamas. Das Kind bettelt. Ich bin leider zu weit weg, ob die Eltern auch hier sagen: „Nein, nein, die sind leider nur zum Anschauen da.“

 

#42 Feiertage

Ich habe für Weihnachten dieses Jahr nichts zu Essen eingekauft. Musste ich auch nicht, denn meine Verwandtschaft koch und bäckt gut und viel (zu viel). Da bekommt man dann noch das eine oder andere Stück Kuchen und noch eine Dose Kekse mit nach Hause und ist gut versorgt, auch ohne sich am 23. Dezember mit Menschen, deren Schätzvermögen wieviel man in drei Tagen essen kann als mangelhaft einzustufen ist, um die letzte Tomatendose zu schlagen. Sobald zwei oder – Himmel hilf! – drei Feiertage aufeinandertreffen, bricht in den Lebensmittelläden die Panik aus. Die meisten kaufen ein, als wäre dies die letzte Möglichkeit, sich der Zivilisation zu versichern. Zugegeben, ich kenne ihre Familien und die Bräuche dort nicht, vielleicht endet alles mit Schwerverletzten, da ist es schon verständlich, sich so mit Wasser und Lebensmitteln einzudecken, als ob man die nächsten vier Wochen im Bunker verbringen müsste. Ich war auf jeden Fall froh, um diese Erfahrung dieses Jahr herumzukommen. Und nach dem ganzen Essen heim zu kommen und zu sehen, dass der Kühlschrank angenehm leer ist und man jetzt nicht auch noch was essen muss, aus purer Gewohnheit sozusagen, weil gerade Zeit zum Abendessen wäre.

So nett es auch ist, die vielen Menschen zu Weihnachten zu sehen, so sehr freue ich mich auf die Pause danach. Wir verziehen uns und wollen Silvester am Berg feiern. Es ist nicht wirklich ein Berg, mehr eine Granit- und Gneisanhäufung mit Lehm- und Lössanteilen, aber ich will die Sache ja nicht kompliziert machen. Am Berg also und alleine. Also zu zweit alleine.

Nach dem Abendessen befinde ich dann aber doch, dass Einöde zwar schön und gut ist, aber ein paar Menschen vielleicht doch ganz nett wären. Menschen mit gestreiften Pudelhauben und zu großen Handschuhen und lächeln könnten sie auch, aber kennen muss man sie nicht unbedingt und reden muss man auch nicht mit ihnen. Zweiter Mensch lässt sich eher unwillig breitschlagen und wir fahren von der Granit- und Gneisanhäufung mit Lehm- und Lössanteilen runter in die kleine Stadt. Die Erwartungshaltung meinerseits liegt ungefähr bei: Im Zentrum, in der Fußgängerzone, werden ein paar Punschstände offen haben, es wird zwei oder drei Stände geben, die Hufeisen und Stoffschweine und Raketen verkaufen (und vor allem Marzipan) und es sind genügend Menschen da, um das ganze nett zu machen, aber nicht zu viele, um lebensbedrohlich zu wirken, wie etwa am Wiener Silvesterpfad. Geknallt wird pünktlich und vorbildlich um Mitternacht. Das Wetter ist klar, die Chancen stehen gut.

Unten angekommen kommen uns aus Richtung Fußgängerzone tatsächlich ein paar Spaziergänger entgegen, wir sind guter Dinge. Da vorne wird wohl etwas los sein. Aber vorne angekommen war dort überhaupt nichts los. Wo sind alle? Denn normalerweise leben und wohnen hier schon Menschen, wir haben uns vorher erkundigt. Wir spähen in Lokale. Im hiesigen Irish-Pub sind ganze drei Stühle besetzt. In der neonrosa und neonblau ausgeleuchteten Szene-Bar zwei. Aber halt, da vorne stehen die Leute schon auf der Straße, da muss wohl der Bär steppen. Tja. Falsch gesehen – die stehen nur beim Fenster eines Straßenlokals und warten auf ihre Bestellung. Nach einer erfolglosen Runde, die uns Rätsel aufgibt, kehren wir auf die Granit- und Gneisanhäufung mit Lehm- und Lössanteilen zurück. Eine seltsame Nacht. Aber weniger Menschen heißt mehr Sekt für uns und wir sehen uns pünktlich um Mitternacht das Feuerwerk von oben an. Und die Aussicht ist auch besser. Wer braucht schon Marzipan.

Prosit Neujahr!

Jahreswechsel

Ich hoffe, euer Fest und die Verwandtschaftsbesuche waren schön und es gab (wie bei uns) reichliches und vor allem gutes Essen! Ich wünsche euch eine angenehme und ruhige Zeit, um die letzten Tage dieses Jahres auf der Couch mit den besten Büchern des Gabentisches und einer Tasse Tee verbingen zu können. Oder, weniger ruhig aber nicht weniger schön, auf der Piste, mit Schnee unter den Brettern und Wind im Gesicht!

Der Blog macht jetzt – bis auf das eine oder andere Bild, das sich eventuell nicht zurückhalten kann – zwei Wochen Auszeit, um 2018 dann wieder voll da zu sein 🙂 Danke euch fürs Lesen und Vorbeischauen und euch allen einen guten Rutsch!