#91 Drogen = Gefahr

DROGEN = GEFAHR

Dieses Plakat sehe ich im Moment überall auf Autobahnen und Schnellstraßen. Und es irritiert mich ziemlich. Es gibt auch noch eine kleine Abwandlung davon (siehe Bild unten), das eine sehr ähnliche Aussage durch Piktogramme darstellt: Eine gelb-blaue Kapsel + ein kleines rotes Auto = ein schwarzer Totenkopf mit zwei darunter gekreuzten Knochen. Ich habe mir beide Plakate sehr lang durch den Kopf gehen lassen, und beide regen mich ein bisschen auf. Sie sind Teil einer Kampagne des Verkehrsministeriums. Ich würde gerne wissen, wie lange man an dem ausgeklügelten Slogan gesessen ist und wieviel die Marketingleute dafür eingestrichen haben. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schreibt, dass „hochgerechnet rund 177.000 Österreicher bereits unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug gelenkt haben“ (und zwar hier). Hochgerechnet wurde diese Zahl von einer Befragung von 1000 „Lenkern“ (offensichtlich geht es hier außerdem nur um Männer), von denen 4% meinten, sie haben im vergangenen Jahr nach Drogenkonsumation ein Fahrzeug gelenkt. Wie aussagekräftig so eine Selbstaussage und deren Hochrechnung ist, sei dahingestellt – und hier jetzt genau unter „Drogen“ verstanden wird, auch.

Aber zu den Plakaten.

Drogen = Gefahr. Das Wort „Drogen“ wird – meiner Meinung nach – vom Durchschnittsösterreicher nur auf Rauschgifte (ohne die Genussgifte wie Alkohol) bezogen. Alkohol ist keine Droge, Alkohol ist Volkssport und Zigaretten sind sowieso etwas anderes und die Regierung ist da ja auch dafür. Fällt schon einmal ein guter Teil der tatsächlichen Drogeneinnehmenden auf Österreichs Straßen weg, die sich hier nicht angesprochen fühlen müssen. Was offensichtlich auch Ziel der Kampagne war. Aber was ist mit all jenen, die irgendwelche Medikamente, sei es Beruhigungstabletten oder Sonstiges nehmen, die man in der Apotheke kaufen kann – ob die sich wohl ertappt fühlen? Ich glaube nicht. Das sind ja Medikamente. Da gibt es ein Rezept dafür, das ist ja in Ordnung so. Bleibt der kleine Teil der Fahrer und Fahrerinnen, die tatsächlich Rauschgift in was für einer Form auch immer eingenommen haben. Die lesen dann während der Fahrt das Schild, denken sich: „Oh nein! Was tue ich hier eigentlich?!“ – und fahren rechts ran. Ja? Stellt man sich das so vor? Und diejenigen, die öfter mal etwas einwerfen, aber gerade zufällig mit klarem Kopf ihr Auto lenken, die lesen das Schild und denken sich: „Ja, die haben Recht. Ich werde das nie wieder machen.“ Ich stelle mir das ähnlich reflektiert vor wie jene Menschen, die mit mehreren Promille Auto fahren.

Zum Piktogramm: Hier geht man offensichtlich davon aus, dass die Drogensüchtigen auf den Straßen nicht einmal mehr fähig sind, zwei Worte (Drogen = Gefahr) zu lesen und hilft mit Bildern nach. Wie solche Personen noch fähig sein sollen, ein Auto zu lenken – hier bin ich überfragt. Die gelb-blaue Kapsel bezieht sich jetzt eindeutig auf Rauschgift, von Alkohol ist hier nicht einmal mehr ansatzweise die Rede. Und das Zusammenspiel zwischen Drogen und Auto endet nicht mehr nur mit Gefahr, sondern mit dem Tod.

Ich traue keinem der beiden Plakate zu, auch nur einen einzigen Unfall zu verhindern. Sie sind so plump, ziellos und allgemein, dass man auch schreiben hätte können: Autofahren ist gefährlicher als Flugzeugfliegen. Ja, das ist statistisch korrekt, ändert aber nichts daran, dass zwischen Wiener Neustadt und Puchberg am Schneeberg keine Linienmaschine fliegt und niemand deswegen aufs Flugzeug umsteigen wird. (Ich merke, ich rege mich schon wieder auf.)

Fährt man nun von Wien aus Richtung Süden und über den Wechsel hinunter in die Steiermark, dann wird einem dieses Schild in Niederösterreich sicher ein halbes Dutzend Mal begegnen. Am Stück der Autobahn, das durch das Burgenland führt, gibt es keine Drogen = Gefahr-Schilder. Im Burgenland gibt es offensichtlich keine Drogen. Oder man hat über das Schild den Kopf geschüttelt und sich gedacht, nein, das bringt wohl eher nichts. Erst in der Steiermark wird man wieder damit konfrontiert, hier gefühlt häufiger mit Piktogrammen (traut man hier der Durchsetzung des Alphabetismus nicht?). Aber ich merke, ich muss ruhiger werden während des Autofahrens. Vielleicht sollte ich anfangen Baldrian zu nehmen, bevor der Motor startet.