#86 Drei Ausstellungen

Ausstellung, die erste. Vor zwei Wochen war ich in der Monet-Ausstellung in der Albertina. Es war ziemlich voll, aber nicht überfüllt, und man konnte das Glück haben, auch einmal kurz alleine vor einem der Bilder zu stehen und in Ruhe schauen zu können. Ich kannte  vorher bereits Werke von Monet, hauptsächlich aber nur Abbildungen davon und muss sagen, die Ausstellung hat mich doch sehr beeindruckt: Keine Reproduktion kommt an die Leuchtkraft oder die unterschiedlichen Stimmungen seiner Bilder heran. Unter einer Landschaft in Schnee stand ein Kommentar, sinngemäß etwa: „keiner malt Schnee kälter als Monet“ – und es stimmt. Man erinnert sich an genau solche Momente: Leichter Schneefall und Matsch und das Licht im Winter, und man weiß wie es sich anfühlt. Und daneben spürt man bei einem Bild die Sommerluft und sieht das tanzende Licht, das durch die Blätter fällt. Wahnsinn. Vor den Seerosen habe ich ein Plätzen zum Sitzen gefunden und den Aquarellkasten herausgeholt, um die Farben nachzumischen – eine kleine Sehübung quasi: Treffe ich den Ton oder treffe ich ihn nicht. Ich bin aber nicht weit gekommen, ein Museumsmitarbeiter tritt an mich heran: „Bitte nicht malen“, sagt er. „Nicht malen?“ „Nein, bitte nicht.“ Aha. Ok. Gerade Museen haben eigentlich nichts dagegen, wenn in ihnen gezeichnet wird, aber bitte. So gehe ich nochmals langsam durch die Ausstellung, und dann hinaus in die frische Luft.

Ausstellung, die zweite. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Im KHM läuft eine Bruegel-Ausstellung, die man so wahrscheinlich nicht so schnell wieder sehen wird: Ein guter Teil seines Werkes, Gemälde und Zeichnungen, werden gemeinsam ausgestellt. Das Ganze führt zu solchem Andrang, dass das KHM dazu übergegangen ist, Zeitkarten auszugeben. D.h. man sucht sich ein noch offenes Zeitfenster aus, und darf dann genau zu diesem Zeitpunkt die Ausstellung betreten. Wir haben eine Gruppenführung um halb 8 am Abend und nachdem endlich jeder unseren Museumsführer durch den Knopf im Ohr hört, betreten wir die Ausstellungsräume. Es ist unglaublich voll.

Unser Guide lenkt uns zu ausgewählten Bildern und unseren Blick auf Details: Eine Gemse auf der Bergspitze, ein Hinrichtungsplatz im Landschaftsbild, eine Spinne im Netz auf einer Passionsdarstellung. Er erzählt von den Holztafeln, auf denen Bruegel gemalt hat und dass diese extra aus Polen herangeschafft wurden und von den interaktiven Möglichkeiten, die die KHM-Seite hier bietet. Interessant, aber eine Stunde ist zu wenig und das Gedränge groß.

Am Ende der Ausstellung gibt es einen Shop – extra für diese Ausstellung eingerichtet. Es gibt hier nur Dinge, mit Bruegel-Motiven. Und was es für Dinge gibt: Bleistifte und Kugelschreiber und Blöcke sind ja normal, aber Weihnachtskugeln, Spielmannsuhren und Magnete, Schals, Badetücher, Brillenetuis, T-Shirts, Seife, ein Espresso-Tassen-Set, Taschen, diese kleinen Plastikfernseher zum Durchklicken für Kinder mit Bruegel-Motiven, Flaschenöffner, i-Phone-Hüllen, Pillendosen, Servietten, Uhren und noch viel mehr – alles mit Bruegel-Gemälden bedruckt und verziert. Scheußlich.

Ich kaufe den Katalog und nehme mir vor, ihn mir zuerst anzusehen, bevor ich wiederkomme. Und dann: endlich draußen. Ich glaube, ohne Zeitkarten würde es sich besser und freier im Haus verteilen: So hat man das Gefühl, man muss hier bleiben, um alles zu sehen, denn einmal draußen kommt man nicht wieder zurück. Und was ich vom restlichen Haus so beim kurzen Durcheilen sehe, so ist es leer. Aber das ist nur meine Meinung.

Die dritte. Im Haus AWAT in der Gumpendorferstraße, gibt es eine Vernissage von Markus Dressler: „Klimts Katze in Gold und andere Meisterwerke“. Ich gehe ins Haus und dann, etwas zögernd die Treppen hinauf. Wird schon irgendwo angeschrieben sein, denke ich mir. Im sechsten Stock angekommen bin ich dann etwas ratlos. In allen Stockwerken wird gewohnt, aber eher nicht ausgestellt. Mit mir sind zwei andere Menschen ratlos, die ebenfalls die Vernissage suchen. Tja. Ich klopfe mal an der AWAT-Bürotüre, und siehe da – wir sind richtig! Und die ersten, die hergefunden haben. Markus ist glaube ich ein bisschen erleichtert – aber die Türe bleibt trotzdem schilderlos. „Die finden schon her“, meint er. An den Wänden: Katzen, mit Klimt und ohne, mit Stilleben und in der Katzenkiste. Nachdem sich die Sesselreihen gefüllt haben gibt es eine Lesung seiner Comics (Klimts Katze in Gold, Mancat, Spacecat und Astromausi). Danach werden Werke verkauft, getrunken und geredet. Mit Helmut, der Collagen macht, versuche ich die Ausrichtung der Terrasse herauszufinden, bevor es uns schließlich doch zu kalt wird und wir wieder hineingehen. Eine wahnsinnig nette und lustige Ausstellung. Und die zwei Mini-Comics von Spacecat und Astromausi kommen mit nach Hause – der Druck vom „Wachauer Miauer“, einem leider, leider verschollenem Filmschatz, wird nachgeliefert 😉

#74 Das KHM

Seit 2010 gibt es die Jahreskarte für die unterschiedlichen Sammlungen und Ausstellungsorte des Kunsthistorischen Museums. Damals hat sie noch 29 € gekostet – mittlerweile ist der Preis auf gesalzene 44 € gestiegen. Ich unterstütze die Museen gerne und ja klar, man kann sagen, für sieben Museen ist das noch günstig. Aber ein bisschen schockiert hat mich der Preis dann doch. Und wer kommt schon nach Schloss Ambras in Tirol? Ich nehme es mir zwar bei jeder Jahreskarte vor (und das ist mittlerweile meine 3.), aber ich bin sehr skeptisch, ob es dieses Jahr etwas wird.

Die Jahreskarte ist mir übrigens nicht aufgrund einer besonderen Ausstellung eingefallen. Das hatte eher mit den aktuellen Außentemperaturen zu tun. Die Kunstkammer im Kunsthistorischen ist angenehm gekühlt (siehe auch #65), und ich wollte sowieso ein wenig außer Haus zeichnen, das traf sich ganz gut. Der Mensch an der Kassa fragt mich, wie alt ich sei, denn bis unter 25 zahle man weniger. Ich meine, nein, mit über 30 würde ich diese Hürde wohl nicht mehr schaffen. Er gratuliert mir. Spannend. Und ich dachte schon, die Tage, an denen man an der Kassa nach dem Ausweis gefragt wird, weil man ja Alkohol kaufe, seien vorbei. Sie werden zwar seltener, aber sie kommen offensichtlich in neuen Formen wieder. Da habe ich nichts dagegen. Ich sollte mir öfter eine Jahreskarte kaufen. Jetzt aber hinein.

Vor mir schieben sich zwei etwas beleibtere junge Männer durch die Drehtüre zur Kunstkammer. Die Drehtüre dient dazu, das Klima innen möglichst stabil zu halten und ist offensichtlich gleichzeitig ein Intelligenztest, um die Besucher in „geeignet“ und „ungeeignet“ zu trennen. In welche Richtung dreht sie wohl? Eine junge Familie nach mir scheitert beinahe an dieser Frage, kommt dann aber doch noch hinter das Rätsel. Kaum ist man drinnen, schon fühlt man sich erfrischt. Ich schlendere durch die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schätze und suche mir ein geeignetes Zeichenobjekt. Vier Skizzen mache ich insgesamt und stolpere dabei immer wieder den beiden etwas beleibteren jungen Männern über den Weg, die alle Objekte eingehend studieren. Langsam wird es mir peinlich, mich neben sie hinzustellen und den Stift rauszukramen oder zu merken, dass sie sich neben mich stellen. Dann reicht mir das Mittelalter für heute ohnehin. Gerade als ich auf dem Weg nach draußen bin, kommt eine amerikanische Familie herein. Der Vater sagt: „Wow, look at that shit!“ Und ich frage mich schon, wie der wohl das Rätsel mit der Drehtüre gelöst hat. Ich drehe mich um, um zu inspizieren, was er meint. Da steht ein zierliches und detailreich gearbeitetes Schiff aus Silber. Ob er „ship“ gesagt hat? Neeeeeein, sicher nicht. Ich verhöre mich doch nicht.

Links und rechts neben den riesigen Statuen der Theseusgruppe und ihren Fotografen stehen zwei imposante Liliensträuße und schicken ihren schweren Duft treppauf und treppab. Es wird einem beinahe schwindelig, aber wegen ihnen werde ich auf ein Schild aufmerksam: „Stairway to Klimt“. Aha. Keine Ahnung, was das heißen soll, aber gehen wir dem mal nach.

Die Stairway entpuppt sich als 10 Meter über dem Stiegenhaus gespanntes Gerüst, das es den BesucherInnen ermöglicht, einen Teil des Bilderzyklus von Klimt, der sich unter der Decke und zwischen den Säulen befindet, genau ins Auge zu nehmen. Ich liebe es unter der Decke großer Gebäude herumzulaufen und finde solche Konstruktionen toll. Und ich bin nicht die Einzige, neben mir steht gut ein Dutzend Menschen, alle mit Fotoapparaten bewaffnet. Ich natürlich auch. Alle sind sehr höflich und jeder warten, bis jemand sein Foto geschossen hat, bevor er die Seiten wechselt und vom Gemälde „Antike“ zu „Ägypten“ geht. Auch wenn es, wie bei einem chinesischen Touristen, ein wenig länger dauert, bis die wohl riesige Kamera richtig eingestellt ist.

Danach laufe ich noch ein wenig durch das Gebäude und verlasse dann das KHM. Ich kann ja jetzt jederzeit wieder kommen. Gleichzeitig mit mir passieren auch zwei etwas beleibtere junge Männer den Ausgang. Wir sehen uns an und schauen dann schnell wieder weg. Ich glaube, sie glauben, ich verfolge sie. Und ich glaube, sie glauben, dass ich glaube, dass sie mich verfolgen. Und dann gehen wir sehr rasch durch die Sonne in getrennte Richtungen Richtung Schatten.