#83 Schnitzel-DRIVE IN

Wir sind ja schon öfter daran vorbeigefahren, aber dieses Mal war es Mittag und wir hatten Hunger und da wir jedes Mal, wenn wir daran vorbeikommen, sagen „irgendwann gehen wir da mal rein“, haben wir es dieses Mal tatsächlich getan: Wir sind zum „Schnitzel-DRIVE IN“ abgebogen. Wenn schon, denn schon, denken wir uns und benützen eben nicht den DRIVE IN-Schalter, sondern suchen uns am gut gefüllten Parkplatz eine Lücke. Der Schnitzel-DRIVE IN ist im März 2017 abgebrannt, wurde neu aufgebaut und im August 2017 wieder eröffnet. Das alles wissen wir aus den Niederösterrichischen Nachrichten, wo man das Gedeih und Geschick der Umgebung minutiös mitbekommt. Die Neuoeröffnung wurde sehnsüchtig erwartet, denn – so schreibt „MeinBezirk“: „Mit der Wiedereröffnung des ‚Schnitzel-Drive-In‘ ist die schnitzellose Zeit an der B 37 in Gneixendorf jetzt endlich wieder vorbei.“

Wir betreten das – ja, was eigentlich? Es ist ein Glaskubus, aber ‚Lokal‘ ist zu viel und ‚Imbissbude‘ deutlich zu wenig, um es zu beschreiben. Es riecht nach Fett, wie zu erwarten war, aber nicht übermäßig – die Lüftung funktioniert. Kaum stehe ich am Schalter, komme ich bereits dran, die beiden Herren vor mir schieben ihre Tablets schon weiter Richtung Essensausgabe. Ich merke, hier weiß man normalerweise, was man bestellt und überlegt nicht lange. Ich bestellte im Flug und lasse dabei die Augen über die über Kopf montierte Karte schweifen: „Ein kleines Schweinsschnitzel bitte, und… hmm… einen Kartoffelsalat… und Pommes bitte.“ (Erst während ich das sage, fällt mir ein, dass das ja dann Kartoffeln mit Kartoffeln sind, aber was soll’s.) „Und Ketchup.“ Getränke? „Wasser, bitte. Leitungswasser.“ Die Bedienung scheint nett, und alles geht sehr zackig. Mitmensch hinter mir bestellt ein großes Surschnitzel mit Preiselbeeren und Kartoffelsalat. Wir zahlen heiße 14,95 €, klauben Besteck aus den Behältern und schieben die Tablets weiter. Drei MitarbeiterInnen arbeiten an Schnitzelsemmeln für die Männer vor uns, an unseren Schnitzeln und der Salatausgabe. Zeit sich umzusehen und um die Karte genauer in Augenschein zu nehmen. Es gibt Schnitzel vom Schwei, von der Pute und vom Huhn sowie Surschnitzel, es gibt Cordon bleus von Schwein, Pute und ein „Bauern Cordon“ („reichlich gefüllt mit Speck, Käse“), sowie ein „Chilli Cordon bleu“ („v. Schweinderl, scharf“) – und man hat tatsächlich auch „Vegetarisches“ auf der Karte: Camembert, Langos, Pommes und – man halte sich fest: Geb. Fisch und geb. Dorsch. Wo der Unterschied zwischen geb. Fisch und geb. Dorsch ist, kann ich so jetzt nicht beantworten, aber ich nehme mal an, beim Dorsch weiß man, welches vegetarische Tier man auf dem Teller findet.
Nachdem wir unsere Schnitzel erhalten haben (groß = zwei Schnitzel in der Größe von je einem Desertteller, klein = ein Schnitzel in der Größe eines Deserttellers), suchen wir uns einen Platz im Nebenraum. Die Einrichtung ist im amerikanischen Diner-Stil gehalten, an den Wänden gibt es Fotos von Prominenten, die sich hier eine Schnitzelsemmel gegönnt haben: Von Christa Kummer über Peter Rapp, der alte Landespapi, Josef Pröll, die neue Landesmutti Johanna Mikl-Leitner samt Nachwuchs und Waterloo. Und viele mehr, die Wand ist groß (auch ein Foto einer ‚sexy Autowäsche‘ zum 10jährigen Jubiläum hängt da). Dazwischen prangt eine Tafel, auf der steht „Schnitzel Küsse schmecken besser.“ Ah ja. Passend dazu hatte man im Oktober vergangenen Jahres eine Aktion: „Jeder Gast, der uns bis 10:30h besucht bekommt ein Busserl!“ Es war nicht genauer spezifiziert, von wem das Busserl verschenkt wurde oder ob man sich das aussuchen konnte.

Der Schnitzel-DRIVE IN scheint in der Umgebung weit bekannt zu sein, die Nummernschilder und die Besucher sind durchaus gemischt: Ältere Herrschaften, Familien, Einzelpersonen, Menschen auf Durchfahrt, zwei Hunde. Und immer gut besucht. Es wird wenig geredet, schade. Ich hätte gerne das eine oder andere Gespräch aufgeschnappt. Aber da sind wir schon fertig mit den Schnitzeln, die Pommes sind alle und den Kartoffelsalat haben wir beide je nur zur Hälfte gegessen. Er kam so kalt aus dem Kühlschrank, dass es zumindest mir die Zähne dabei zusammengezogen hat. Aber das Schnitzel war nicht schlecht.

Das ist also Fast Food auf österreichisch. Wir stellen die Tablets in den Wagen und gehen. „Schnitzel Küsse schmecken besser“, kommt mir noch einmal in den Sinn. Ich entscheide mich dagegen und nehme mir einen Kaugummi.