#98 Cocktailbars

Mitmensch und ich sind „BeiMir“. Also nicht bei uns, sondern wo anders. Genauer: in einer Cocktailbar im 16. Wiener Gemeindebezirk. In einer Ecke, in der es sonst nichts gibt, außer vorbeifahrende Straßenbahnen und Wohnhäuser. Der Tip dazu kam von einer Freundin, die eigentlich ganz am anderen Ende der Stadt wohnt, Wien aber extra für die kleine Bar durchquert und diese tatsächlich auch als sehr fein befunden hat. Das sehen wir uns an, denke ich mir, und jetzt sind wir hier. Holztische, weiß gestrichene Wände, eine nette Theke, durch deren Holzleisten warmes Licht scheint. Fast jeder Tisch ist besetzt und in einem zweiten Raum stehen ein paar sehr gemütlich aussehende Couchs. Das Licht ist warm und gedämpft, und die Karte angenehm übersichtlich. Mitmensch bestellt einen Cosmopolitan mit Himbeere und ich einen Green Gin & Tonic. Wir sehen dem Barkeeper bei seiner Arbeit zu – an unseren und anderen Cocktails und beim Flambieren von zwei Marshmallows. Hallo? Wo genau gehören die dazu? Was haben wir übersehen? Was muss man bestellen, damit einem Marshmallows vor die Nase gestellt werden? Aber da kommt er schon mit unseren Gläsern und serviert – der Barkeeper macht hier alles selbst und ist alleine – und die sind auch ohne Marshmallows sehr hübsch: Dem Cosmopolitan wurde eine kleine braun-weiß gemusterten Feder an den Glasrand geklemmt und mein G&T ist mit Zitronenthymianzweigen bestückt. Zu den Cocktails gibt es außerdem Wasser und eine kleine Schüssel frisch gemachtes Popcorn, ein nettes Lächeln und gute Musik. Der Cosmopolitan schmeckt durch die Himbeeren ein wenig nach Kindheit (jeder kennt den Himbeersirup, den ich meine, oder?) aber gut, und mein G&T kann sich ebenfalls sehen (besser: schmecken) lassen. In den Regalen hinter der Bar stehen Flasche an Flasche, alte Bonbongläser, gefüllt mit Süßigkeiten und ein kleines Kreidetafelschild, auf dem steht „God knows if you don’t tip“. Wir verbringen eine gute Stunde in der wirklich angenehmen Atmosphäre, „BeiMir“ soll Wohnzimmerfeeling machen, und das tut es tatsächlich – nur ein kleines wenig schicker als zu Hause. Alles unaufregend, und trotzdem (oder gerade deswegen) ein sehr netter Ausflug. Nach unseren Drinks (und natürlich einem „Tip“, wir wollen IHN ja nicht verärgern) geht es hinaus in die Kälte, wo uns auch gleich die Straßenbahn davon fährt. Macht nichts, „BeiMir“ ist nicht soo weit weg von „BeiUns“. Wir laufen nach Hause und kommen sicher wieder.