#99 Im Universitätsklinikum

Das ist doch ein netter Aufhänger, da wird es gleich spannend, wie ich dorthin gekommen bin.

Also. Am Wochenende waren Mitmensch und ich im Garten. Und dann hat mich ein Insekt am Unterarm gestochen. Und am Sonntag in der Früh war der Stich relativ heiß und geschwollen und ein leichter roter Strich ging vom Unterarm zu meiner Achsel. Na gut, dachten Mitmensch und ich, vielleicht fahren wir mal zur Apotheke und ich hole mir ein Insektengel. Die Apothekerin sieht sich Stich und Strich an und meint dann, also sie würde das noch heute von einem Arzt ansehen lassen. Mit so einem Blick bei dem man sich denk: Ok. Na dann mache ich das lieber mal. Habe ich schon gesagt, dass es Sonntag ist? Und wir am Land sind? Aber kein Problem, wir finden einen, der nur 3 Kilometer weiter wohnt. Der ist aber dann doch nicht da – trotz Hinweis auf der Homepage, dass er genau an diesem Sonntag Dienst in seiner Ordination hätte. Beim nächsten Arzt rufe ich vorher an – der wohnt wieder ein paar Kilometer weiter und auf seiner Mailbox erfährt man, dass man ihn zuvor am Handy kontaktieren müsse. Aha. Ich habe nichts zum Schreiben mit und die runtergeratschte Handynummer merke ich mir nicht. Wir disponieren um, das Universitätsklinikum Krems liegt näher und man muss sich keine Nummern merken.

Das Krankenhaus Krems ist angenehm leer, die Ambulanz angenehm klein. Nach der Anmeldung und etwa einer Stunde Wartezeit komme ich zu einer Erstbegutachtung dran – die mich meiner Meinung nach wohl wieder nach Hause schicken wird. Aber die Sanitäterin meint, also DAS werden wir die Ärztin ansehen lassen. Im Moment sei etwas mehr los, bei der Ärzte-am-Sonntag-Regelung sei im Bezirk etwas geändert worden und das funktioniere gerade nicht wirklich (ahja) und deswegen müsse ich bis zu zwei Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Ich bekomme ein Markerl ums Handgelenk, bin ab jetzt offensichtlich Eigentum des Universitätsklinikums und informiere den Mitmenschen. Der bringt mir netterweise ein Buch, damit ich ein bisschen etwas arbeiten kann und erbittet sich dann, draußen warten zu dürfen, Krankenhäuser machen ihn immer so unrund. Die kleine Ambulanz ist gut voll, ich setze mich in einen Rollstuhl, kann tatsächlich etwas arbeiten und höre nebenbei den anderen Anwesenden zu. Die Hälfte scheint sich gegenseitig zu kennen und man grüßt die immer wieder hereinschneienden Sanitäter wie  lange verlorene Verwandte. Nicht ganz zwei Stunden später komme ich schließlich dran. Die Ärztin untersucht meinen Arm freundlich, aber mit ernser Miene und meint dann, dass sie den Arm ruhigstellen werde, ich ihn kühl halten soll und ich Antibiotika verschrieben bekomme. Aha. Unter „ruhig stellen“ kann ich mir nicht wirklich etwas vorstellen, aber dann fragt sie die Arzthelferin, ob sie eine sehr kleine Korkschiene hätten. „XS?“, fragt diese mit einem Seitenblick auf mich. „Wir sehen selten so schmale Oberarme hier“, sagt die Ärztin zu mir. Ich nehme den anderen Arm hoch, spanne die Muskeln an und die Arzthelferin lacht. Die Ärztin nimmt mich durch einen Geheimgang (das hat sie gesagt, nicht ich!) zur Verbandsstation mit und nachdem der Chef der Station meinen Arm in einen Strumpf gesteckt und mit Watte eingepackt hat, bekomme ich eine meinen ganzen (!) Arm bedeckende Schiene, die dann mit Mull umwunden wird. Ich sehe aus als hätte ich gerade einen Mehrfachbruch überlebt. Wie ich diesen für den Winter eingepackten Arm kühlen soll ist mir ein Rätsel.

Fertig und gute Besserung. Ich darf gehen.

Ich laufe durch die Gänge des Krankenhauses zum Ausgang und suche den Mitmenschen. Als er mich sieht, klappt seine Kinnlade nach unten. Er sagt: „Also. Du hast gesagt dich hat ein Insekt gestochen. … Was ist dann passiert?“

Wir sind uns einig, dass es (wenngleich sehr lustig) zuviel Aufregung für die Verwandtschaft wäre ein Bild mit dem eingemotteten Arm herumzuschicken. Wenn dieser Blogbeitrag online geht, ist der Arm schon lange wieder frei und die Antibiotika sind auch bereits  aufgebraucht.

Cheers 🙂