#91 Drogen = Gefahr

DROGEN = GEFAHR

Dieses Plakat sehe ich im Moment überall auf Autobahnen und Schnellstraßen. Und es irritiert mich ziemlich. Es gibt auch noch eine kleine Abwandlung davon (siehe Bild unten), das eine sehr ähnliche Aussage durch Piktogramme darstellt: Eine gelb-blaue Kapsel + ein kleines rotes Auto = ein schwarzer Totenkopf mit zwei darunter gekreuzten Knochen. Ich habe mir beide Plakate sehr lang durch den Kopf gehen lassen, und beide regen mich ein bisschen auf. Sie sind Teil einer Kampagne des Verkehrsministeriums. Ich würde gerne wissen, wie lange man an dem ausgeklügelten Slogan gesessen ist und wieviel die Marketingleute dafür eingestrichen haben. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schreibt, dass „hochgerechnet rund 177.000 Österreicher bereits unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug gelenkt haben“ (und zwar hier). Hochgerechnet wurde diese Zahl von einer Befragung von 1000 „Lenkern“ (offensichtlich geht es hier außerdem nur um Männer), von denen 4% meinten, sie haben im vergangenen Jahr nach Drogenkonsumation ein Fahrzeug gelenkt. Wie aussagekräftig so eine Selbstaussage und deren Hochrechnung ist, sei dahingestellt – und hier jetzt genau unter „Drogen“ verstanden wird, auch.

Aber zu den Plakaten.

Drogen = Gefahr. Das Wort „Drogen“ wird – meiner Meinung nach – vom Durchschnittsösterreicher nur auf Rauschgifte (ohne die Genussgifte wie Alkohol) bezogen. Alkohol ist keine Droge, Alkohol ist Volkssport und Zigaretten sind sowieso etwas anderes und die Regierung ist da ja auch dafür. Fällt schon einmal ein guter Teil der tatsächlichen Drogeneinnehmenden auf Österreichs Straßen weg, die sich hier nicht angesprochen fühlen müssen. Was offensichtlich auch Ziel der Kampagne war. Aber was ist mit all jenen, die irgendwelche Medikamente, sei es Beruhigungstabletten oder Sonstiges nehmen, die man in der Apotheke kaufen kann – ob die sich wohl ertappt fühlen? Ich glaube nicht. Das sind ja Medikamente. Da gibt es ein Rezept dafür, das ist ja in Ordnung so. Bleibt der kleine Teil der Fahrer und Fahrerinnen, die tatsächlich Rauschgift in was für einer Form auch immer eingenommen haben. Die lesen dann während der Fahrt das Schild, denken sich: „Oh nein! Was tue ich hier eigentlich?!“ – und fahren rechts ran. Ja? Stellt man sich das so vor? Und diejenigen, die öfter mal etwas einwerfen, aber gerade zufällig mit klarem Kopf ihr Auto lenken, die lesen das Schild und denken sich: „Ja, die haben Recht. Ich werde das nie wieder machen.“ Ich stelle mir das ähnlich reflektiert vor wie jene Menschen, die mit mehreren Promille Auto fahren.

Zum Piktogramm: Hier geht man offensichtlich davon aus, dass die Drogensüchtigen auf den Straßen nicht einmal mehr fähig sind, zwei Worte (Drogen = Gefahr) zu lesen und hilft mit Bildern nach. Wie solche Personen noch fähig sein sollen, ein Auto zu lenken – hier bin ich überfragt. Die gelb-blaue Kapsel bezieht sich jetzt eindeutig auf Rauschgift, von Alkohol ist hier nicht einmal mehr ansatzweise die Rede. Und das Zusammenspiel zwischen Drogen und Auto endet nicht mehr nur mit Gefahr, sondern mit dem Tod.

Ich traue keinem der beiden Plakate zu, auch nur einen einzigen Unfall zu verhindern. Sie sind so plump, ziellos und allgemein, dass man auch schreiben hätte können: Autofahren ist gefährlicher als Flugzeugfliegen. Ja, das ist statistisch korrekt, ändert aber nichts daran, dass zwischen Wiener Neustadt und Puchberg am Schneeberg keine Linienmaschine fliegt und niemand deswegen aufs Flugzeug umsteigen wird. (Ich merke, ich rege mich schon wieder auf.)

Fährt man nun von Wien aus Richtung Süden und über den Wechsel hinunter in die Steiermark, dann wird einem dieses Schild in Niederösterreich sicher ein halbes Dutzend Mal begegnen. Am Stück der Autobahn, das durch das Burgenland führt, gibt es keine Drogen = Gefahr-Schilder. Im Burgenland gibt es offensichtlich keine Drogen. Oder man hat über das Schild den Kopf geschüttelt und sich gedacht, nein, das bringt wohl eher nichts. Erst in der Steiermark wird man wieder damit konfrontiert, hier gefühlt häufiger mit Piktogrammen (traut man hier der Durchsetzung des Alphabetismus nicht?). Aber ich merke, ich muss ruhiger werden während des Autofahrens. Vielleicht sollte ich anfangen Baldrian zu nehmen, bevor der Motor startet.

 

#90 Weihnachtsfernsehen

Dank Netflix und Co ist man ja nicht mehr unbedingt auf das eigentliche Fernsehprogramm angewiesen, aber rund um die Feiertage den einen oder anderen Film anzusehen, das hat schon etwas sehr gemütliches. Und auch Kino passt immer gut zu den Feiertagen. Was mich nicht so begeistert, ist die Filmauswahl manchmal. Mitmensch wünscht sich, dass ich mir mit ihm den „Grinch“ im Kino ansehe und ich gehe notgedrungen mit („Kann ich mir das zu Weihnachten wünschen, dass du mitgehst?“). Er will eine Nachmittagsvorstellung ansehen, und so gehen wir in Lugner-City. Ich war dort erst einmal, als ich einem Freund bei der Auswahl einer am Türrahmen montierbaren Klimmzugstange geholfen habe und das ist Jahre her. Soweit ich das überblicken kann, hat sich aber nicht viel geändert. Der Kinobereich ist angenehm leer und außer uns sehen sich ein paar Eltern mit ihren Sprösslingen die Vorstellung an. „Der Grinch“ entpuppt sich als erstaunlich netter Film, Otto Waalkes spricht den Grinch, und sehr nett ist auch das Kind zwei Reihen vor uns, das seinem Vater während des Films den Plot erklärt.

Nach dem Film gehen wir noch eine Runde durch die Lugner-City, bis ich Platzangst bekomme. Vorher aber sehen wir, dass es einen kleinen Indoor-Eislaufplatz gibt und der Weihnachtsmann – ganz amerikanisch – auf einem goldenen Thron sitzt und eine lange Schlange, bestehend aus Eltern mit Kleinkindern, sich anstellt, um die Kinder auf dem Schoss von besagtem rotgewandeten Mann fotografieren zu lassen. Zwei Kinder fangen zu weinen an – komisch. Nachdem wir wieder hinausgefunden haben (gar nicht so einfach, und die Gänge sind wirklich eng), erst mal durchatmen.

Am nächsten Tag zappt sich Mitmensch durch Netflix und bleibt bei einer anderen Weihnachtsgeschichte hängen: „The Christmas Chronicles“. Kurt Russell als Santa Claus… Naja. In „The Thing“ hat er mir besser gefallen.

Jaha, aber dann! Dann! Endlich kommen die richtigen Weihnachtsfilme: Die Hard (1988). Die Hard 2 (1990). Die Hard with a Venegance (1995). Live Free or Die Hard (2007). Wobei die Filme ab Nr. 3 natürlich nicht mehr zu Weihnachtszeit spielen, aber wir wollen ja keine I-Tüpfelreiter sein. Nr. 5 (A Good Day to Die Hard von 2013) ist übrigens mit voller Absicht nicht in der Liste und wird auch nicht angesehen – den zähle ich auch nicht zur Reihe. Den ignoriere ich. Das ist ja wohl… Wie da das Motorrad und der Laster und die Explosionen…

Also nein. Wirklich nicht. Es gibt Grenzen.

Auch zu Weihnachten.

 

#89 Vorweihnachtszeit

Der beste Moment im Advent ist der, an dem man alle Geschenke besorgt hat, finde ich. Wenn die Bücher und Kleinigkeiten über den Boden verteilt liegen und darauf warten, eingepackt zu werden und man nicht mehr hinaus muss, um die Innenstadt oder die Einkaufsstraßen zu besuchen. In manche Geschäfte, den Thalia zum Beispiel, traue ich mich gar nicht mehr. Da ist mir einfach zu viel los und es gibt immer ein paar panische Menschen, so verzweifelt beim Suchen sind, dass man sie am liebsten auf die Schulter klopfen möchte und sagen: „Alles wird gut.“ Das würde sie glaube ich aber nachhaltig irritieren, also lass ich das lieber und gehe woanders hin. Die kleineren Buchhandlungen sind nicht so überlaufen und nehmen sich mehr Zeit für die Kunden – auch die panischen, die sind dort in ganz guten Händen. Natürlich, man könnte auch übers Internet bestellen, aber da bin ich mir nie sicher, ob die Pakete auch wirklich noch ankommen. Und so früh bin ich meistens nicht dran, dass ich beruhigt davon ausgehen könnte.

So liegt denn nun alles da und wartet auf das Geschenkspapier und Schere und Tixo. Beim Geschenkspapier muss man immer aufpassen – es gibt so dünnes, dass es schneller reißt als das man es schneiden kann, aber man erkennt es leider nicht immer gleich von außen. Also ist es auch immer eine vorweihnachtliche Überraschung, das Geschenkspapier zum ersten Mal auszupacken 🙂

So. Alles eingepackt.

Ich hoffe, ihr seid nicht mehr (und vor allem nicht panisch) auf der Suche. Und falls doch: Alles wird gut 🙂

Ich wünsche euch allen frohe Feiertage!

#88 Grafenegg

Zwar gibt es innerhalb Wiens ja genug Weihnachtsmärkte, die man besuchen könnte, aber der Mitmensch und ich fahren auf einen nach Niederösterreich, und zwar nach Grafenegg. Den haben wir uns irgendwie angewöhnt. Zum einen ist er wirklich nett, die Hütten stehen zum Teil im Park und zum Teil sind sie in den Räumlichkeiten des Schlosses untergebracht, zum anderen gibt es wirklich hübsches Kunsthandwerk, frische Bauernkrapfen und deftiges Essen. Und: hier wird Murmeltiersalbe verkauft. Dazu aber später.

Der Weihnachtsmarkt in Grafenegg geht immer über vier Tage, Donnerstag bis Sonntag, meist um den zweiten Advent herum. Man merke: Möchte man ihn besuchen, komme man möglichst früh, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens ist bei diesem Markt Eintritt zu bezahlen (und mit 8 Euro pro erwachsenem Kopf nicht zu knapp), und da kann man schon mal länger in der Schlange vor den Kassen warten, bis die älteren Herrschaften vor einem fertig im Kleingeldfach herumgekramt haben, um irgendwann einzusehen, dass es sich wirklich nicht ausgeht und dann doch mit Karte zahlen wollen. Zweitens ist der Weihnachtsmarkt wirklich gut besucht. Draußen, im Park, ist das ja noch ok, da weicht man gegebenenfalls auf den Rasen aus und geht Alpakas und Lamas streicheln. Im Schloss ist das schon schwieriger. Die dort untergebrachten Stände und Verkaufsflächen sind in einem Einbahnsystem angelegt, das einen über Treppen, schmale Durchgänge und kleine Zimmer führt (die z.T. wahnsinnig aufwändig gearbeiteten Kassettendecken haben), in denen es sich bald gegen Mittag zu stauen beginnt. Manchmal wird man mehr durchgeschoben, als dass man gehen würde. Kommt man aber zeitig, hat man die Chance, nicht nur hin und wieder die eigenen Füße zu sehen, sondern auch Töpfereien, Mineralien aus Niederösterreich, Bienenwachskerzen und Wollsocken eingehender betrachten zu können.

Dieses Mal gibt es an den Weihnachtsschmuckständen auffallend viele vergoldete Nüsse und eine findige Wachauerin bietet vergoldete Marillenkerne an, die man sich als Einzelschmuckstücke um den Hals hängen kann. Es gibt ja einige, die Upcyceln zum Sport erhoben haben, aber ob diese Idee fliegen wird? Ich würde mir keinen abgelutschten Kern um den Hals hängen – auch nicht vergoldet.

Apropos Gold: Ein Kind findet im Antiquariatsteil eines Buchhändlers ein Buch mit vergoldetem Schnitt und ist begeistert. Die Eltern ziehen die Augenbrauen hoch und sagen hastig: „Nein, nein, die alten Bücher, die sind nur zum Ansehen da, die kann man nicht kaufen.“ Das Kind ist nicht ganz überzeugt und muss mir auf die Zunge beißen, um es nicht aufzuklären: „Doch, doch! Die kann man kaufen!“ Aber ich will ja in der Adventszeit keine Verwünschungen auf mich ziehen. Ich kaufe ein Buch aus dem Antiquariat, um ein paar Euro werden mit die „Charlatanerien“ von einem gewissen August Friedrich Cranz überlassen. Ich frage nicht nach dem Preis des Goldschnitt-Buchs, bin mir aber ziemlich sicher, dass es keinen besonders hohen Preis hat – zu einer so gedrängten Veranstaltung nimmt man keine Schätze mit, die man mitten im Raum in Richtung Ausgang einfach so stehen lässt.

Ein Einkaufs-Muss ist außerdem jedes Mal die oben bereits erwähnte Murmeltiersalbe: Sie hilft besonders bei Verspannungen, und von diesen wird der Mitmensch regelmäßig heimtückig heimgesucht. Die Murmeltiersalbe heißt übrigens nicht nur so, sie wird tatsächlich aus dem Fett von Murmeltieren hergestellt, dessen Bestandteile eben gegen Muskel- und Gelenksbeschwerden (und auch Rheuma ^^) helfen.

Nach der zweistöckigen Runde im Schloss haben wir Hunger bekommen und wollen uns die Essensstände im Park näher ansehen. Gerade als wir dorthin abbiegen, wird ein Schild aufgestellt, dass es bei der Indoor-Runde im Schloss zu längeren Wartezeiten kommen kann. Ein High Five für die Frühaufsteher!

Ein Rieslingsragout und ein Chili Con Carne später trinken wir noch etwas Heißes (Glühmost für mich, Kinderpunsch für den Autofahrer). Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir die Familie mit dem Kind wieder, denen wir vorhin beim Antiquariat begegnet sind. Sie stehen vor den Lamas. Das Kind bettelt. Ich bin leider zu weit weg, ob die Eltern auch hier sagen: „Nein, nein, die sind leider nur zum Anschauen da.“

 

#87 Kekse!

Der Dezember ist Keks-, Kipferl-, Makronen- und Busserlmonat. Das merkt man unter anderem daran, dass regelmäßig Ende November sowohl Butter als auch Nüsse zur Mangelware werden: Ich musste in drei Geschäfte um gemahlene Mandeln zu finden – habe dann aber natürlich (wie alle anderen auch) sofort vier Packungen davon gekauft, damit ich nicht nochmal auf Odyssee gehen muss. Dieses Verhalten des Hortens erklärt den Mangel an Nüssen in der Backabteilung ziemlich gut, denke ich. Bis jetzt habe ich eine Packung davon zu ca. zwei Dritteln für Linzer Augen verwendet. Der Rest wartet noch. Während andere verzweifelte Keksbäcker und Keksbäckerinnen von einem Laden zum anderen laufen, um geriebene Mandeln zu finden. Ja, das sind so die Gemeinheiten des Alltags.

Übrigens: Im österreichweit berühmten kleinen gelben Rezeptbuch der Kronen-Zeitung (das einzig brauchbare was dieser Konzern zustande gebracht hat) sucht man Linzer Augen vergebens, wenn man nicht zu den Eingeweihten gehört. Wir sollen unter „Ischgler Plätzchen“ nachsehen, das sei der entsprechende Teig, meint die Mutter des Mitmenschen, und siehe da, die Ischgler Plätzchen werden ganz schnell zu Linzer Augen. Nur übersehen darf man sie im Ofen nicht, das letzte der drei Bleche ist etwas dunkel geworden. Aber ein wenig Ribiselmarmelade und Staubzucker später sieht man davon fast gar nichts mehr. Denke ich mir halt. Bevor der Mitmensch nach Hause kommt, einen Blick darauf wirft und fragt: „Sind die verbrannt?“

*Räusper*

Also, was gehört noch zu meiner persönlichen klassischen Weihnachtsbäckerei?

Dominosteine. Dominosteine sind zwar aufwändig, aber sie sind es wert! Wer kann auch schon etwas gegen die Kombination von Lebkuchen, Marillenmarmelade, Marzipan und Schokolade sagen?

Vanillekipferl. Natürlich Vanillekipferl. Die dürfen einfach nicht fehlen. Ein Tipp für zu krümelig gewordenen Teig: Ein Eiweiß hineinkneten und er kann wiederbelebt werden.

Aniskekse: Hier gibt es geteilte Meinungen. Auf jeden Fall! Sage ich. Auf keinen Fall! Sagt der Mitmensch. Zu Aniskeksen gehört traditionell ein kleiner Fuß, auf dem sie stehen, habe ich jetzt gehört. Bei mir haben sie keinen Fuß. Den bekommen sie auch nur, wenn man sie abtrocknen lässt, das heißt, wenn man die aufs Blech gegebene Keksmasse ein paar Stunden lang antrocknen lässt. Dann bildet sich (bei trockener Witterung) eine Haut, die den Aniskeks oben zusammenhält und die Hitze drückt den Teig so in die Höhe. Es war mir bis jetzt immer zu aufwändig, auf diese Füßchen zu achten, aber vielleicht probiere ich es doch nochmal aus. Aber sie schmecken so oder so wunderbar, finde ich.

Kokosbusserl. Kokosbusserl müssen auch sein, sehen aber jedes Jahr trotz gleichbleibendem Rezept immer anders aus. Liegt es am Luftdruck, am Mond, an den Hühnern, die die verwendeten Eier legen? Ich weiß es nicht. Aber für die habe ich jetzt im Bayerischen Rundfunk einen Trick gelernt: Damit sie nicht so lange im Ofen sind und Gefahr laufen, trocken zu werden, soll man die Masse im Topf auf 55 bis 60 Grad erwärmen und so „abrösten“ (huh, ein neues Wort!). Danach die Masse aus dem Topf nehmen, auf 30 Grad abkühlen lassen und dann erst die Busserl aufs Bachblech setzen. Dadurch bleibt die Form stabiler und sie haben eine kürzere Backzeit, was sie nicht so trocken werden lässt. Das ist auf jeden Fall den Versuch wert.

In diesem Sinne: Fröhlicher Keksmonat! (Ah ja – Lebkuchen muss man nicht erwähnen. Die verstehen sich ohnehin von selbst.)

#86 Drei Ausstellungen

Ausstellung, die erste. Vor zwei Wochen war ich in der Monet-Ausstellung in der Albertina. Es war ziemlich voll, aber nicht überfüllt, und man konnte das Glück haben, auch einmal kurz alleine vor einem der Bilder zu stehen und in Ruhe schauen zu können. Ich kannte  vorher bereits Werke von Monet, hauptsächlich aber nur Abbildungen davon und muss sagen, die Ausstellung hat mich doch sehr beeindruckt: Keine Reproduktion kommt an die Leuchtkraft oder die unterschiedlichen Stimmungen seiner Bilder heran. Unter einer Landschaft in Schnee stand ein Kommentar, sinngemäß etwa: „keiner malt Schnee kälter als Monet“ – und es stimmt. Man erinnert sich an genau solche Momente: Leichter Schneefall und Matsch und das Licht im Winter, und man weiß wie es sich anfühlt. Und daneben spürt man bei einem Bild die Sommerluft und sieht das tanzende Licht, das durch die Blätter fällt. Wahnsinn. Vor den Seerosen habe ich ein Plätzen zum Sitzen gefunden und den Aquarellkasten herausgeholt, um die Farben nachzumischen – eine kleine Sehübung quasi: Treffe ich den Ton oder treffe ich ihn nicht. Ich bin aber nicht weit gekommen, ein Museumsmitarbeiter tritt an mich heran: „Bitte nicht malen“, sagt er. „Nicht malen?“ „Nein, bitte nicht.“ Aha. Ok. Gerade Museen haben eigentlich nichts dagegen, wenn in ihnen gezeichnet wird, aber bitte. So gehe ich nochmals langsam durch die Ausstellung, und dann hinaus in die frische Luft.

Ausstellung, die zweite. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Im KHM läuft eine Bruegel-Ausstellung, die man so wahrscheinlich nicht so schnell wieder sehen wird: Ein guter Teil seines Werkes, Gemälde und Zeichnungen, werden gemeinsam ausgestellt. Das Ganze führt zu solchem Andrang, dass das KHM dazu übergegangen ist, Zeitkarten auszugeben. D.h. man sucht sich ein noch offenes Zeitfenster aus, und darf dann genau zu diesem Zeitpunkt die Ausstellung betreten. Wir haben eine Gruppenführung um halb 8 am Abend und nachdem endlich jeder unseren Museumsführer durch den Knopf im Ohr hört, betreten wir die Ausstellungsräume. Es ist unglaublich voll.

Unser Guide lenkt uns zu ausgewählten Bildern und unseren Blick auf Details: Eine Gemse auf der Bergspitze, ein Hinrichtungsplatz im Landschaftsbild, eine Spinne im Netz auf einer Passionsdarstellung. Er erzählt von den Holztafeln, auf denen Bruegel gemalt hat und dass diese extra aus Polen herangeschafft wurden und von den interaktiven Möglichkeiten, die die KHM-Seite hier bietet. Interessant, aber eine Stunde ist zu wenig und das Gedränge groß.

Am Ende der Ausstellung gibt es einen Shop – extra für diese Ausstellung eingerichtet. Es gibt hier nur Dinge, mit Bruegel-Motiven. Und was es für Dinge gibt: Bleistifte und Kugelschreiber und Blöcke sind ja normal, aber Weihnachtskugeln, Spielmannsuhren und Magnete, Schals, Badetücher, Brillenetuis, T-Shirts, Seife, ein Espresso-Tassen-Set, Taschen, diese kleinen Plastikfernseher zum Durchklicken für Kinder mit Bruegel-Motiven, Flaschenöffner, i-Phone-Hüllen, Pillendosen, Servietten, Uhren und noch viel mehr – alles mit Bruegel-Gemälden bedruckt und verziert. Scheußlich.

Ich kaufe den Katalog und nehme mir vor, ihn mir zuerst anzusehen, bevor ich wiederkomme. Und dann: endlich draußen. Ich glaube, ohne Zeitkarten würde es sich besser und freier im Haus verteilen: So hat man das Gefühl, man muss hier bleiben, um alles zu sehen, denn einmal draußen kommt man nicht wieder zurück. Und was ich vom restlichen Haus so beim kurzen Durcheilen sehe, so ist es leer. Aber das ist nur meine Meinung.

Die dritte. Im Haus AWAT in der Gumpendorferstraße, gibt es eine Vernissage von Markus Dressler: „Klimts Katze in Gold und andere Meisterwerke“. Ich gehe ins Haus und dann, etwas zögernd die Treppen hinauf. Wird schon irgendwo angeschrieben sein, denke ich mir. Im sechsten Stock angekommen bin ich dann etwas ratlos. In allen Stockwerken wird gewohnt, aber eher nicht ausgestellt. Mit mir sind zwei andere Menschen ratlos, die ebenfalls die Vernissage suchen. Tja. Ich klopfe mal an der AWAT-Bürotüre, und siehe da – wir sind richtig! Und die ersten, die hergefunden haben. Markus ist glaube ich ein bisschen erleichtert – aber die Türe bleibt trotzdem schilderlos. „Die finden schon her“, meint er. An den Wänden: Katzen, mit Klimt und ohne, mit Stilleben und in der Katzenkiste. Nachdem sich die Sesselreihen gefüllt haben gibt es eine Lesung seiner Comics (Klimts Katze in Gold, Mancat, Spacecat und Astromausi). Danach werden Werke verkauft, getrunken und geredet. Mit Helmut, der Collagen macht, versuche ich die Ausrichtung der Terrasse herauszufinden, bevor es uns schließlich doch zu kalt wird und wir wieder hineingehen. Eine wahnsinnig nette und lustige Ausstellung. Und die zwei Mini-Comics von Spacecat und Astromausi kommen mit nach Hause – der Druck vom „Wachauer Miauer“, einem leider, leider verschollenem Filmschatz, wird nachgeliefert 😉

#85 ViennaComicCon 2018

Da der Weg zur Messe doch ein gutes Stück von mir zu Hause entfernt ist, spare ich mir das Aufbauen am Freitag und komme erst Samstag Vormittag mit Sack und Pack – das Aufbauen dauert ja nicht sehr lange. Ich hole zwei Aussteller-Ausweise und hänge dem Mitmenschen, der mir tragen und beim Aufbauen hilft, einen davon um. Er schaut ein wenig komisch und fragt: „Seit wann bist du ein Influencer?“ Jetzt schaue ich komisch – und tatsächlich: Auf den Ausweisen steht „Influencer“. Nochmal zurück, nachfragen. „Ja, die Exhibitor-Pässe sind leider ausgegangen.“ „Aha“, sage ich und denke mir sonstwas, immerhin wissen die doch seit Wochen wieviele Menschen hier Tische haben. Hah. Naja.
Influencer also. Das heißt wohl, ich muss jetzt ganz viele Fotos mit meinem nicht vorhandenen Smartphone machen 🙂

Der Tisch ist vorzeigbar gemacht und der Mitmensch verabschiedet sich. Los geht’s! Nett, dass es dieses Jahr einen Abstand zwischen den einzelnen Tischen in der Artist-Alley gibt – man kann dazwischen raus und als BesucherIn ist man nicht ganz so überfordert, wenn alles eng an eng steht und der Blick von Manga-Fanart übergangslos zu selbst gehäkelten Fantasytieren und Indie-Comics wandert. Noch ist alles ruhig. Da fängt ein Mensch im Eingangsbereich an, einen Countdown herunterzuzählen, die ComicCon wird offiziell eröffnet und eine Horde kreischender Mädchen läuft herein, einen Gang hinunter und dann wieder zurück, weil sie sich offensichtlich verlaufen haben. Dann findet sie ihren Weg – wahrscheinlich zu den Autogrammständen der Filmsternchen, die hier (gegen Bezahlung) Uterschrift und Foto anbieten. Verstörte Blicke folgen ihnen von den Tischen, diese werden aber rasch auf die eintreffenden Cosplayer gelenkt. Ich mag es, an einem Tisch zu sitzen, man sieht immer spannende Kostüme vorbeikommen. Und ganze Familien, die sich in Schale geworfen haben: Familie Incredibles, Familie Flash und eine ganze Sippe Game of Thrones.

Einige Impressionen von der Con:

Gegenüber von mir hat George aus Kanada einen großen Stand, er verkauft US-amerikanische Comichefte und hat weder Socken noch Schuhe an. Das Rätsel klärt sich am nächsten Tag, er erzählt, dass er seine Socken vergessen hat und es hasst, barfuß in Schuhen zu stehen – da steht er lieber barfuß am Boden. Ich borge ihm einen Sessel, damit er dazwischen mal die Beine hochlegen kann. Drei Shows macht er in Europa, meint er – am schwierigsten sind immer die neuen, weil man nicht weiß, wie sie laufen. Ein Geschäftsmann durch und durch, der nichts in seinen Kalkulationen vergisst. Am ersten Tag wird ihm ein Heft im Wert von 600 Euro gestohlen. Nicht gut, sagt er, aber er habe es vorher „cheap“ gekauft. „That’s what you have to do: Buy cheap, cheap, cheap, cheap!“

Zwei sehr schön gekleidete Damen kommen am Tisch vorbei, wir unterhalten uns ein wenig und sie erzählen, dass man in ihrem Dorf, gleich den Gang runter, LARP (Live Action Rolle Play) ausprobieren kann: Eine Stunde dauert ein Durchgang, immer um halb fangen sie an. Es würde mich interessieren, einmal mitzumachen, aber ich bin meistens alleine am Stand, da kann ich zum einen schlecht weg und zum anderen finde ich es total nett am Tisch zu sein und die Leute, die hängen bleiben, aus den Augenwinkeln zu beobachten, wenn sie durch das eine oder andere Heft blättern. Direkt darf man sie nicht anschauen, da fühlen sie sich beobachtet und verschwinden sehr schnell wieder. Kommt zumindest mir so vor. Meine Nachbarin dagegen geht völlig offensiv vor. Kaum gehen Leute vorbei, quatscht sie sie an: „Hey, willst du ein tolles Buch lesen? Das hier habe ich geschrieben!“ Das ist mir eindeutig zu direkt.

Am Samstag kommen zwei Mädchen vorbei und wühlen sich durch die Buttons. Sie kaufen zwei oder drei. Und eine Stunde später sind sie wieder da. Und dann wieder. Und dann wieder – total nett 😀

Ein paar Meter von meinem Tisch hat „Mjam“, ein Lieferdienstservice in Wien, eine Fotobox, grüne Sitzsäcke und einen Zuckerwattestand aufgebaut, der gut besucht ist. Ständig laufen Eltern mit Kindern und grüner Zuckerwatte vorbei – und die Eltern wachen mit Argusaugen über ihre Sprösslinge, damit nicht jeder Stand mit Zuckerwatte vollgekleistert und nach Entschädigungen verlangt wird. Jetzt frage ich mich gerade , wieviele Kilo Zucker die wohl das Wochenende über verbraucht haben.. Ich hätte fragen sollen!

Mein liebstes Kostüm auf der Con: Eine Tube Mautner-Senf. Leider bin ich nicht dazu gekommen sie zu fotografieren, aber ich fand sie super!

Bestes Kommentar am Tisch: Drei Mädels blättern durch die Comics, und als sie wieder gehen sagt die eine zu den anderen (offensichtlich über „Fux & Rabe“): „Das ist wie die Fabeln in der Schule – nur geiler.“

Ein Mann sieht sich alles haargenau und detailliert an, schaut mich an und sagt dann: „Sie sind ein wildes Mädchen.“ Ich lache etwas schief, verkneife mir die Antwort, dass ich über 30 und sicher kein Mädchen mehr bin, und sage: „Naja, man will ja nicht langweilig sein.“

Eine Frau nimmt einmal „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“ mit – mit den Worten: „Das kann ich als Inspiration für meine Schülerinnen brauchen.“ Offensichtlich eine Deutsch-Lehrerin 🙂

Am Abend, als Mitmensch wieder kommt, habe ich noch eine Stunde Zeit, die Tische von Freunden und Bekannten zu besuchen. Weit komme ich nicht: Ich rede mit Johannes und Xenia von Karrakula, finde Julians Stand, rede kurz mit Denise, sehe im Vorbeigehen Allessandro Giampaoletti, den ich letztes Jahr auf der Con kennengelernt habe und kaufe ein Heft von Stefan Gutternigh („The Common Good“, über Kickstarter finanziert), das ich noch am gleichen Abend lese.

Dann schnell wieder zurück – der Mitmensch winkt mir schon. Am Tisch steht Helmut Maria und er lädt mich für den nächsten Tag zum Comic-Jam am Comix-Stand ein: Auf acht Panels wird eine kleine Geschichte erzählt, jeder zeichnet ein Panel und man schaut, wohin die Geschichte führen wird. Sehr nette Idee, und ich komme am Sonntag tatsächlich dazu, mitzuzeichnen, Mitmensch hält in der Zwischenzeit solange am Tisch aus.

 

Wie nett, Markus Dressler ist auch da und lädt zu seiner Vernissage ein: „Klimts Katze in Gold – und andere Meisterwerke“, am 28. November um 19 Uhr ist im Haus AWAT in der Gumpendorferstraße 65 im 6. Bezirk die Eröffnung (mit Lesung des Autors!). Ich gehe auf jeden Fall hin 🙂

Am Sonntag in der Früh, noch vor dem Comic-Jam, haben Mitmensch und ich den Stand bereits wieder fertig aufgebaut, als George kommt (diesmal mit Socken), um seine Abdeckungen herunterzunehmen. Neal Adams, ein Marvel- und DC-Zeichner, trifft gerade mit seiner Frau ein. Seine Signierstunde startet um 10 Uhr und George stellt Mitmenschen und mich „his very good friends“ vor. Wir schütteln Hände, Neal Adams schaut etwas irritiert drein – schräg ist das schon ein wenig. Aber irgendwie auch ziemlich cool.

Was man als durchgehendes Statement für die VIECC2018 hernehmen könnte: Schräg ist das schon ein wenig. Aber irgendwie auch ziemlich cool.

 

#84 Das Kabarett Niedermair

Untertitel: Das nächste Kapitel im Bereich „Wiener Kabaretts“ 😉

„Bussi, bussi, haaalloo!“ Ich drehe mich um, obwohl ich weiß, dass ich sicher nicht gemeint bin. Einerseits, weil mich niemand so begrüßt (glücklicherweise) und andererseits, weil ich niemanden erwarte. Aber eine Begrüßung in so hohen Tönen, da muss man einfach schauen. Da das Gesehene überschwänglichen „Bussi, bussi“ sehr gerecht wird, grinse ich kurz und widme mich dann wieder meinen 1/8 Grünem Veltliner. Er schmeckt weniger sauer als befürchtet. Es ist 19 Uhr, die Tageskasse sollte gleich schließen. Das ist hier im Kabarett Niedermair nämlich so, habe ich stirnrunzelnd zu Hause bemerkt, bevor ich mich auf die Socken gemacht habe: Das Programm fängt um 19:30 an, aber die Kasse schließt schon eine halbe Stunde vorher. Hinterlegte Karten sollte man bis 19 Uhr holen. Wie perfide. Man wird quasi zum Trinken gezwungen, denn was macht man sonst schon in einer halben Stunde im Eingangsbereich eines Theaters? Da ich das erste Mal hier bin, war ich brav um 18:45 da, damit ich auch wirklich hinein darf.

Da bin ich nun. Mit meiner Karte. Alleine (bitte kein Mitleid, das war reine Absicht), mit 45 Minuten Zeit an der Hand, um auf den Beginn des eigentlichen Programms zu warten. Ergo der Veltliner. Mit dem sitze ich nun auf einem festgeschraubten Stuhl im Bereich der Bar bzw. des Eingangsbereichs. So genau lässt sich das hier nicht trennen. Von hier aus beobachte ich, was die Kassenfrau macht, denn die sollte wohl jetzt um 19 Uhr ihren Computer hinunterfahren und nach Hause gehen. Tut sie aber nicht. Zumindest aber steht sie auf, macht zwei Seitwärtsschritte vom Computer weg und ist ab jetzt offensichtlich Garderobenfrau. Aha! Wie das mit der Garderobe funktioniert war mir bis jetzt auch nicht klar, da sie zwar angeschrieben ist, aber irgendwie im toten Bereich zwischen Kassa und Bar liegt. Sofort gebe ich freudig meine Jacke ab.

Das Kabarett Niedermair liegt gleich um die Ecke der 2er Haltestelle beim Rathaus in einer gepflasterten Seitengasse. 100 Leute sollen in den Saal passen, die Kapazität des Vorraums ist nicht angegeben. Im Moment stehen und sitzen da ca. 30 Personen und ich sage mal, er „wirkt“ schon relativ voll. Bevor die Tuchfühlung zu eng wird, geht um 19:20 die Doppeltür zum Saal auf. Zumindest denke ich zuerst „die Türe“. Singular. Aber es ist nur die erste Türe von sage und schreibe fünf. Es stellt sich heraus, dass der Saal so schmal ist, dass man bei der passenden Türe hineingehen muss, um zu seinem Platz zu gelangen. Gang gibt es keinen, das geht sich bei allem guten Willen nicht aus, sonst würde es nur Stehplätze geben. Doch dann würde „bussi bussi“ sicher nicht zu den Vorstellungen kommen. Sieben Sitzplätze gibt es pro Reihe – und die sind unverrückbar: Erinnert alles ein wenig an Kirchenbänke, nur tut man so, als ob man sie gepolstert hätte. Dazwischen gibt es Armlehnen und hinter der Stange für die Füße, die an der nächsten Kirchenbank montiert ist, bleibt genug Platz, um sein Glas abzustellen. Blöd. Ich hätte den Veltliner doch nicht noch schnell draußen austrinken müssen. Hätte ich mir aber auch denken können. Denn egal ob Kabarett oder Kirche, ein Schluck Wein findet immer irgendwo Platz.

Pigor und Eichhorn, zwei Berliner, kommen auf die Bühne. Sie geben die allgemeinen Geschäftsbedingungen bekannt, teilen Cookies aus und singen „Baut den Palast der Republik wieder auf“. Die beiden schönsten Lieder des Abends sind, finde ich „Bärte zählen in Mitte“:

„Wenn’s mir langweilig wird im ollen Berlin
Wenn ich’s leid bin allein um die Häuser zu ziehn
Wenn ich keine Lust mehr hab auf Premieren zu gehn
Weil dort immer dieselben Nasen rumstehn

 

Dann schreib ich: Tim, ist’s nicht wieder mal an der Zeit?
Dann antworte ich: Pigor, immer bereit!
Wann geht’s los? – Was meinst du? – Von mir aus sofort!
Und dann treffen wir uns zu unserm Lieblingssport

 

Zwischen Hackeschem Markt und Kastanienallee
Setzen wir uns in ein veganes Café
Und bei Sojalatte und Rhabarbersaft
Frönen wir unserer Leidenschaft

Bärte zählen in Mitte
Im Mekka der Hipster am Nabel der Welt
Bärte zählen in Mitte
Wo man den Vollbart für smart und voll angesagt hält

 

Zwischen Laptops und Jute und Retro-Ästhetik
Betreiben wir fein unsere Bart-Arithmetik
Der erste, der zweite, der dritte
Bärte zählen in Mitte“

 

(zitiert nach hier – der Homepage von Pigor und Eichhorn, wo man sich den Rest des Liedes auch den Clip dazu anschauen kann)

Das zweite ist „Maulende Rentner“:

„Wenn du im hintersten Dschungel von Malaysia
Zehntausend Meilen entfernt von Zuhaus
Wenn dich am Ende der Welt
Diese Sehnsucht befällt
Du hältst das Fremdsein in der Fremde nicht mehr aus

 

Wenn du durch die Schluchten von Yokohama irrst
Verängstigt, verstört und verklemmt
So einsam bist du nie gewesen
Unter all diesen Chinesen
Verlassen, verloren und fremd

 

Da hilft kein Sauerkraut kein Bier, auch kein Dreier-BMW
Junge, dann hast du wirklich Heimweh

 

Doch plötzlich steht da im hintersten Winkel der Welt
Ein Ehepaar gekleidet Ton in Ton
Er mit Mütze und sie in einem Poloshirt von Benetton
Der liebe Gott hat sie für dich dorthin gestellt

 

Maulende Rentner
Du erkennst sie schon am Gang
Maulende Rentner
Du hörst von ferne den vertrauten Klang
Maulende Rentner
Holn dich aus dem Heimweh wieder raus
Maulende Rentner
Sind ein Gruß von Zuhaus“

 

(zitiert wieder nach hier, wo man auch die weiteren Strophen und ebenfalls einen Clip dazu findet)

 

Ein sehr netter Abend. Auch wenn ich mich in der Pause nicht mehr traue, ein zweites Glas Wein zu holen, das ich mir zu Füßen hinstellen könnte, weil sich alle Bussi Bussis gleichzeitig an die Bar werfen.

 

Ich weiß, da fehlt schon wieder die Zeichnung – ich hoffe, ab nächster Woche geht es etwas ruhiger weiter.