Intermezzo

Hach, ich weiß, ich werde schleißig mit den Beiträgen – und das so kurz vorm Ziel! Aber jetzt habe ich eine Woche Urlaub – dafür gibt es dann nächste Woche Neuigkeiten aus der großen weiten Welt.

Heute dafür eine kleine Anekdote. Zum Beitrag „Krähen“ (#36 – lang ist’s her!) hat jemand einen Kommentar geschrieben. Man erinnere sich kurz, mir ging es um die Intelligenz der Krähen und etwas lapidar und ironisch habe ich gemeint, Tauben wolle ich ja nicht füttern, die wären mir zu dumm. Und dazu wollte jetzt letzte Woche jemand ein Kommentar posten: „Ach was Sie nicht sagen, Tauben sind zu dumm, um sie zu füttern. Eine wahrhaft menschliche und sympathische Ansicht. Wenn man doch auch dumme Menschen aushungern würde!“

Ja. Was soll ich dazu sagen.

Ich habe überlegt, den Kommentar freizugeben, aber eine Diskussion um Humor zu führen – den um die Tauben ginge es mir hier ja nicht – wäre mir gerade viel zu anstrengend 😉

So long!

#94 Die Druckstube

Letztes Semester habe ich einen Kurs zu Farben bei Ana Paola Castro Villegas gemacht. Was für ein Name! Ana kommt aus Kolumbien und lebt und arbeitet seit ein paar Jahren in Wien. In der letzten Kurseinheit haben wir in ihrem Atelier, der „Druckstube“, gearbeitet und ein Bild mit Komplementärfarben fertig gemalt (meine Farben waren gelb/orange und lila – aber ob Acrylfarben und ich noch große Freunde werden? Not sure). Die Druckstube ist nett, in einem ehemaligen Café mit großen Fensterscheiben untergebracht und etwas kühl. Ana stellt einen kleinen Heizstrahler neben uns, bringt uns Mannerschnitten und Tee an die Holztische. Sie teilt sich die Räumlichkeiten mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern, die ebenfalls da sind – und lautstark in einer Mischung aus Spanisch, Italienisch und manchmal Deutsch miteinander reden. Dazu gibt es Musik (u.a. Feliz Navidad und Frank Sinatra).

Es liegt eine gewisse Spannung in der Luft – die Druckstube wartet auf eine Lieferung. Um etwa halb Fünf kommt ein Mann , sieht sich von außen den Eingangsbereich an und schaut dann zur Türe herein. Ob hier denn die Druckerpresse herkommen würde? Ein Bayer. Im Raum wird genickt und der Bayer wiegt bedächtig den Kopf. Ob es noch einen anderen Weg herein gäbe? Nicht wirklich. Seine Miene wird skeptisch. „Najo. Da müssn ma mal schaun.“

Draußen hieven er und drei Kollegen die Druckerpresse vom LKW. Das Ding ist größer als von den KünstlerInnen gedacht, hat über 300 Kilogramm und sollte – das Abmessen bestätigt es – gerade eben mal so durch die Eingangstüre passen. Das viel größere Problem ist aber die Stufe zur Türe. Und ab jetzt sind im Schnitt sechs Personen daran beteiligt (plus vier Umstehende), eine riesige, alte, schwarz lackierte Druckerpresse eine wahrscheinlich 15 Zentimeter hohe Stufe überwinden zu lassen. Der kleine Hubwagen schafft es nicht hoch genug, man kippt und versucht zu heben, holt Gurte und Holzstücke zum Aufbocken und nach einer halben Stunde steht die die Presse tatsächlich 15 Zentimeter höher und im Raum. „Das ham ma gschafft, Bruno“, sagt der Chef zu einem seiner Mitarbeiter und Bruno geht und holt mit einem Kollegen noch das zur Presse zugehörige Rad. „Wollens as so stehnlassen?“, fragt der Chef die Atelierbewohner. Die nicken etwas zögerlich. „Weil jetzt san ma nu da. Jetzt kennan mas nu umstelln. Nachher kriegens des nie wieder wo anders hin.“ Da hat er wohl recht und die Presse wird doch nochmal etwas anders im Raum ausgerichtet. Bruno und das Rad kommen, das sicher so groß wie Ana ist (die zwar nicht sehr groß ist – aber trotzdem!), und es wird montiert. Der Besitzer der Presse ist mittlerweile auch eingetroffen – ein alter Druckmeister, der der Druckstube die Presse leiht, da er sie nicht mehr verwendet. Aber wenn sie nicht in Gebrauch ist, geht sie kaputt, sagt er. Und das wäre schade. Finde ich auch und bin beeindruckt von dem riesigen Gerät. Alle stehen um die Presse herum – etwas andächtig und es fühlt sich ein bisschen wie Weihnachten an.

Mein Bild ist fertig und ich verabschiede mich – habe mir aber fest vorgenommen, Ana und die Druckpresse wieder einmal zu besuchen 🙂

 

Zur Druckstube geht es übrigens hier.

#93 Schuhe

Ich mag Einkaufstage nicht. Ich habe immer sehr konkrete Vorstellungen von dem, was ich gerne möchte, so dass mich in den Geschäften meistens nur Enttäuschungen erwarten. Und nein, danke, übers Internet kaufe ich keine Schuhe, denn das würde die Beziehung zwischen mir und der österreichischen Post nur unnötig strapazieren (Beziehungsstatus: Waffenstillstand). Ja. Genau. Ich brauche nämlich Schuhe. Ich will eine ganz bestimmte Art Stiefel und nachdem ich letzte Woche die beiden großen Läden auf der Mariahilfer und ein paar kleine Shops am Weg abgeklappert habe, ringe ich mich nun dazu durch, zum ersten Mal die Ringstraßengalerien zu besuchen (man gönnt sich ja sonst nichts). Ich war da noch nie. Und ich werde wohl auch nicht wieder hingehen. Abgesehen davon, dass es in Bezug auf Schuhe mal grundsätzlich sehr mager aussah (ein winziges Geschäft mit zwei Verkäuferinnen, die sich über die verkorkste Beziehung einer dritten unterhalten), wirkt es etwas trostlos. Es ist Mittag und sehr (sehr) wenig los. Zwei Geschäfte werden umgebaut bzw. sind nicht bezogen. Die Verkäufer und Verkäuferinnen stehen etwas verloren in den Geschäften oder tun beschäftigt. Allein ein Chocolatier hat ein paar besetzte Tische. Schnell weg hier wieder, raus und auf die Kärtnerstraße Richtung Stephansdom. Fünf oder sechs Schuhgeschäfte später bin ich am Stephansdom und nicht klüger – und ich war sogar im „Steffl“. Das kannte ich auch noch nicht. Wenn ich es gekannt hätte, ich wäre Lift gefahren, denn die Schuhabteilung liegt im 6. Stock und ich bin in dem leicht überheizten Gebäude alle Rolltreppen hinaufgegangen und einigermaßen verschwitzt (Jacke und so) oben angekommen. Ich erkläre der Verkäuferin was ich suche – sie schüttelt den Kopf. Nein. Das gibt es nicht. Ich gebe auf, gehe zum Stephansplatz und fahre mit der U3 zur Mariahilferstraße. Nochmal in den Humanic dort. Wenn ich die Stiefel nicht finde, dann suche ich halt schöne Lederschuhe. Ich finde auch welche. Aber nicht in meiner Größe. Ob sie sie denn in einer anderen Filia noch hätten? Die Verkäuferin sieht nach. Ja, tatsächlich. Am Stephansplatz haben sie noch ein Paar in meiner Größe.

Schuhgeschäfte können mich gern haben.