#89 Vorweihnachtszeit

Der beste Moment im Advent ist der, an dem man alle Geschenke besorgt hat, finde ich. Wenn die Bücher und Kleinigkeiten über den Boden verteilt liegen und darauf warten, eingepackt zu werden und man nicht mehr hinaus muss, um die Innenstadt oder die Einkaufsstraßen zu besuchen. In manche Geschäfte, den Thalia zum Beispiel, traue ich mich gar nicht mehr. Da ist mir einfach zu viel los und es gibt immer ein paar panische Menschen, so verzweifelt beim Suchen sind, dass man sie am liebsten auf die Schulter klopfen möchte und sagen: „Alles wird gut.“ Das würde sie glaube ich aber nachhaltig irritieren, also lass ich das lieber und gehe woanders hin. Die kleineren Buchhandlungen sind nicht so überlaufen und nehmen sich mehr Zeit für die Kunden – auch die panischen, die sind dort in ganz guten Händen. Natürlich, man könnte auch übers Internet bestellen, aber da bin ich mir nie sicher, ob die Pakete auch wirklich noch ankommen. Und so früh bin ich meistens nicht dran, dass ich beruhigt davon ausgehen könnte.

So liegt denn nun alles da und wartet auf das Geschenkspapier und Schere und Tixo. Beim Geschenkspapier muss man immer aufpassen – es gibt so dünnes, dass es schneller reißt als das man es schneiden kann, aber man erkennt es leider nicht immer gleich von außen. Also ist es auch immer eine vorweihnachtliche Überraschung, das Geschenkspapier zum ersten Mal auszupacken 🙂

So. Alles eingepackt.

Ich hoffe, ihr seid nicht mehr (und vor allem nicht panisch) auf der Suche. Und falls doch: Alles wird gut 🙂

Ich wünsche euch allen frohe Feiertage!

#88 Grafenegg

Zwar gibt es innerhalb Wiens ja genug Weihnachtsmärkte, die man besuchen könnte, aber der Mitmensch und ich fahren auf einen nach Niederösterreich, und zwar nach Grafenegg. Den haben wir uns irgendwie angewöhnt. Zum einen ist er wirklich nett, die Hütten stehen zum Teil im Park und zum Teil sind sie in den Räumlichkeiten des Schlosses untergebracht, zum anderen gibt es wirklich hübsches Kunsthandwerk, frische Bauernkrapfen und deftiges Essen. Und: hier wird Murmeltiersalbe verkauft. Dazu aber später.

Der Weihnachtsmarkt in Grafenegg geht immer über vier Tage, Donnerstag bis Sonntag, meist um den zweiten Advent herum. Man merke: Möchte man ihn besuchen, komme man möglichst früh, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens ist bei diesem Markt Eintritt zu bezahlen (und mit 8 Euro pro erwachsenem Kopf nicht zu knapp), und da kann man schon mal länger in der Schlange vor den Kassen warten, bis die älteren Herrschaften vor einem fertig im Kleingeldfach herumgekramt haben, um irgendwann einzusehen, dass es sich wirklich nicht ausgeht und dann doch mit Karte zahlen wollen. Zweitens ist der Weihnachtsmarkt wirklich gut besucht. Draußen, im Park, ist das ja noch ok, da weicht man gegebenenfalls auf den Rasen aus und geht Alpakas und Lamas streicheln. Im Schloss ist das schon schwieriger. Die dort untergebrachten Stände und Verkaufsflächen sind in einem Einbahnsystem angelegt, das einen über Treppen, schmale Durchgänge und kleine Zimmer führt (die z.T. wahnsinnig aufwändig gearbeiteten Kassettendecken haben), in denen es sich bald gegen Mittag zu stauen beginnt. Manchmal wird man mehr durchgeschoben, als dass man gehen würde. Kommt man aber zeitig, hat man die Chance, nicht nur hin und wieder die eigenen Füße zu sehen, sondern auch Töpfereien, Mineralien aus Niederösterreich, Bienenwachskerzen und Wollsocken eingehender betrachten zu können.

Dieses Mal gibt es an den Weihnachtsschmuckständen auffallend viele vergoldete Nüsse und eine findige Wachauerin bietet vergoldete Marillenkerne an, die man sich als Einzelschmuckstücke um den Hals hängen kann. Es gibt ja einige, die Upcyceln zum Sport erhoben haben, aber ob diese Idee fliegen wird? Ich würde mir keinen abgelutschten Kern um den Hals hängen – auch nicht vergoldet.

Apropos Gold: Ein Kind findet im Antiquariatsteil eines Buchhändlers ein Buch mit vergoldetem Schnitt und ist begeistert. Die Eltern ziehen die Augenbrauen hoch und sagen hastig: „Nein, nein, die alten Bücher, die sind nur zum Ansehen da, die kann man nicht kaufen.“ Das Kind ist nicht ganz überzeugt und muss mir auf die Zunge beißen, um es nicht aufzuklären: „Doch, doch! Die kann man kaufen!“ Aber ich will ja in der Adventszeit keine Verwünschungen auf mich ziehen. Ich kaufe ein Buch aus dem Antiquariat, um ein paar Euro werden mit die „Charlatanerien“ von einem gewissen August Friedrich Cranz überlassen. Ich frage nicht nach dem Preis des Goldschnitt-Buchs, bin mir aber ziemlich sicher, dass es keinen besonders hohen Preis hat – zu einer so gedrängten Veranstaltung nimmt man keine Schätze mit, die man mitten im Raum in Richtung Ausgang einfach so stehen lässt.

Ein Einkaufs-Muss ist außerdem jedes Mal die oben bereits erwähnte Murmeltiersalbe: Sie hilft besonders bei Verspannungen, und von diesen wird der Mitmensch regelmäßig heimtückig heimgesucht. Die Murmeltiersalbe heißt übrigens nicht nur so, sie wird tatsächlich aus dem Fett von Murmeltieren hergestellt, dessen Bestandteile eben gegen Muskel- und Gelenksbeschwerden (und auch Rheuma ^^) helfen.

Nach der zweistöckigen Runde im Schloss haben wir Hunger bekommen und wollen uns die Essensstände im Park näher ansehen. Gerade als wir dorthin abbiegen, wird ein Schild aufgestellt, dass es bei der Indoor-Runde im Schloss zu längeren Wartezeiten kommen kann. Ein High Five für die Frühaufsteher!

Ein Rieslingsragout und ein Chili Con Carne später trinken wir noch etwas Heißes (Glühmost für mich, Kinderpunsch für den Autofahrer). Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir die Familie mit dem Kind wieder, denen wir vorhin beim Antiquariat begegnet sind. Sie stehen vor den Lamas. Das Kind bettelt. Ich bin leider zu weit weg, ob die Eltern auch hier sagen: „Nein, nein, die sind leider nur zum Anschauen da.“

 

#87 Kekse!

Der Dezember ist Keks-, Kipferl-, Makronen- und Busserlmonat. Das merkt man unter anderem daran, dass regelmäßig Ende November sowohl Butter als auch Nüsse zur Mangelware werden: Ich musste in drei Geschäfte um gemahlene Mandeln zu finden – habe dann aber natürlich (wie alle anderen auch) sofort vier Packungen davon gekauft, damit ich nicht nochmal auf Odyssee gehen muss. Dieses Verhalten des Hortens erklärt den Mangel an Nüssen in der Backabteilung ziemlich gut, denke ich. Bis jetzt habe ich eine Packung davon zu ca. zwei Dritteln für Linzer Augen verwendet. Der Rest wartet noch. Während andere verzweifelte Keksbäcker und Keksbäckerinnen von einem Laden zum anderen laufen, um geriebene Mandeln zu finden. Ja, das sind so die Gemeinheiten des Alltags.

Übrigens: Im österreichweit berühmten kleinen gelben Rezeptbuch der Kronen-Zeitung (das einzig brauchbare was dieser Konzern zustande gebracht hat) sucht man Linzer Augen vergebens, wenn man nicht zu den Eingeweihten gehört. Wir sollen unter „Ischgler Plätzchen“ nachsehen, das sei der entsprechende Teig, meint die Mutter des Mitmenschen, und siehe da, die Ischgler Plätzchen werden ganz schnell zu Linzer Augen. Nur übersehen darf man sie im Ofen nicht, das letzte der drei Bleche ist etwas dunkel geworden. Aber ein wenig Ribiselmarmelade und Staubzucker später sieht man davon fast gar nichts mehr. Denke ich mir halt. Bevor der Mitmensch nach Hause kommt, einen Blick darauf wirft und fragt: „Sind die verbrannt?“

*Räusper*

Also, was gehört noch zu meiner persönlichen klassischen Weihnachtsbäckerei?

Dominosteine. Dominosteine sind zwar aufwändig, aber sie sind es wert! Wer kann auch schon etwas gegen die Kombination von Lebkuchen, Marillenmarmelade, Marzipan und Schokolade sagen?

Vanillekipferl. Natürlich Vanillekipferl. Die dürfen einfach nicht fehlen. Ein Tipp für zu krümelig gewordenen Teig: Ein Eiweiß hineinkneten und er kann wiederbelebt werden.

Aniskekse: Hier gibt es geteilte Meinungen. Auf jeden Fall! Sage ich. Auf keinen Fall! Sagt der Mitmensch. Zu Aniskeksen gehört traditionell ein kleiner Fuß, auf dem sie stehen, habe ich jetzt gehört. Bei mir haben sie keinen Fuß. Den bekommen sie auch nur, wenn man sie abtrocknen lässt, das heißt, wenn man die aufs Blech gegebene Keksmasse ein paar Stunden lang antrocknen lässt. Dann bildet sich (bei trockener Witterung) eine Haut, die den Aniskeks oben zusammenhält und die Hitze drückt den Teig so in die Höhe. Es war mir bis jetzt immer zu aufwändig, auf diese Füßchen zu achten, aber vielleicht probiere ich es doch nochmal aus. Aber sie schmecken so oder so wunderbar, finde ich.

Kokosbusserl. Kokosbusserl müssen auch sein, sehen aber jedes Jahr trotz gleichbleibendem Rezept immer anders aus. Liegt es am Luftdruck, am Mond, an den Hühnern, die die verwendeten Eier legen? Ich weiß es nicht. Aber für die habe ich jetzt im Bayerischen Rundfunk einen Trick gelernt: Damit sie nicht so lange im Ofen sind und Gefahr laufen, trocken zu werden, soll man die Masse im Topf auf 55 bis 60 Grad erwärmen und so „abrösten“ (huh, ein neues Wort!). Danach die Masse aus dem Topf nehmen, auf 30 Grad abkühlen lassen und dann erst die Busserl aufs Bachblech setzen. Dadurch bleibt die Form stabiler und sie haben eine kürzere Backzeit, was sie nicht so trocken werden lässt. Das ist auf jeden Fall den Versuch wert.

In diesem Sinne: Fröhlicher Keksmonat! (Ah ja – Lebkuchen muss man nicht erwähnen. Die verstehen sich ohnehin von selbst.)