#62 Fitness

Glaubt man den Studien der Statistik Austria, so üben ziemlich genau 50% der zwischen 18 und 60-Jährigen ÖsterreicherInnen mindestens 150 Minuten mäßigen Sport pro Woche aus. Etwa 32% macht an mindestens zwei Tagen der Woche Muskelaufbau, und ca. 24% machen beides. Letzteres entspricht der Empfehlung der WHO. Eine Studie der UNIQUA gibt an, dass fast 18% der ÖsterreicherInnen überhaupt keinen Sport treiben und dass der Osten wesentlich träger ist (Sport an durchschnittlich 2 Tagen der Woche) als der Westen (Sport an 3-4 Tagen pro Woche). Tja. Das sind halt die fehlenden Berge hier in der Gegend. Oder die fehlenden Rolltreppen in den Bergen, weil Stiegen gäbe es ja auch auch im Osten genug.

Aber was genau sind denn die Richtlinien der WHO? Die WHO legt 18 bis 64-Jährigen (wieso rechnet man in Österreich nur mit bis zu 60-Jährigen? Will man die Pension möglichst kurz halten?) mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche ans Herz, die auf einer Skala von 0 (tot) bis 10 (Marathon) bei ca. 5 oder 6 einzuordnen sind (das muss nicht Sport sein, das kann auch schnelles Gehen oder anstrengendere Haushaltstätigkeiten sein). Will man Zeit sparen, kann man stattdessen das ganze auch in mindestens 75 Minuten pro Woche machen, das gilt aber nur bei höherer Belastung (auf der Skala wäre das eine 7 oder 8). Eine Bewegungseinheit sollte außerdem mindestens 10 Minuten dauern und zusätzlich sollte man an mindesten zwei Tagen der Woche Muskelaufbau betreiben.

Soweit so gesund.

Da ich diesen Winter über von einer Erkältung zur nächsten gestolpert bin, war mit Sport nicht viel los. Seit dem Frühling versuche ich die verlorene Ausdauer und Kraft wieder aufzubauen. Was dazu geführt hat, dass ich mich beim Fitnesscenter in der Nähe angemeldet habe, im FitInn. Das FitInn ist eine Kette, die mittlerweile in fast jedem österreichischen Bundesland vertreten ist (lustigerweise nicht in Vorarlberg und Tirol – aber die haben ja wie gesagt ihre Berge) und auf deren Bildschirmen, die im ganzen Sportbereich verteilt sind, RedBull-TV läuft. D.h. Leute fallen auf irrwitzigen Strecken von ihren Bikes / Surfbrettern / Skiern / Skateboards. Manchmal bleiben sie auch drauf, dann geben sie sich nachher ein High Five und lächeln mit makellos weißen Zähnen in die Kamera. Ich war schon einmal zwei oder drei Jahre lang beim FitInn Mitglied und habe den strahlend weißen Lächeln von RedBull-TV zugeschaut. Dann dachte ich wozu für etwas zahlen, wenn ich genauso gut zu Hause und draußen Sport machen kann.

Eineinhalb Jahre später bin ich jetzt wieder Mitglied, es hat sich herausgestellt, dass die Motivation zu Hause etwas zu tun nicht umwerfend groß ist. Vielleicht fehlt auch einfach das strahlend weiße Lächeln. Neben anderen Sport zu machen spornt auch etwas mehr an als zu Hause alleine im stillen Kämmerlein. Man kann ihre Muskeln aufpumpende Männer beobachten und über ihre Ernährungsgewohnheiten sinnieren (Eiweißpulver mit Proteinshake? Oder doch Eiweißpulver mit Eiweißpulver?), man fühlt mit anderen mit, wenn sie – wie man selbst – schnaufend auf dem Rad strampeln oder man denkt über die neuestens Trends der Trainingskleidung und Schuhmode nach, während man auf dem Stepper schnauft. Vorletzte Woche bin ich mit gutem Beispiel voran gegangen und habe den anderen etwas zum Spekulieren gegeben: Ich war beim Zusammenpacken etwas in Eile und habe meine Sporthose vergessen. Im Umkleideraum war ich genervt. Nach Hause gehen und holen ging sich nicht mehr aus, Sport hatte ich zwischen zwei Termine eingeschoben. Also in Unterhose trainieren? Sicher nicht. Da blieb mir nichts anderes übrig, ich bin in Jeans aufs Rad gestiegen und habe nach links und rechts gelächelt (nicht ganz so makellos weiß). Nach 25 Minuten war ich ziemlich verschwitzt, die Jeans klebten an mir und ich bin mir sehr sicher: Ich werde nie wieder die Trainingshose zu Hause vergessen.

Den Link zur WHO-Empfehlung gibt es hier.

Aus passendem Anlass, weil gerade heute gesehen und skizziert, eine Statue, deren Vorbild sicher mehr als zweimal am Tag dem Muskelaufbau gefrönt hat (links der erste Versuch, rechts der zweite):

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