#59 Feiertage

Es sind viel zu viele Autos auf der Straße, die eine Hälfte fährt Spazieren (d.h. man könnte sie spazierend überholen) und die andere Hälfte kriegt ob ersterer die Krise und fährt 150, um nur ja alle Spazierfahrer auf einmal zu überholen. Latente und weniger latente Aggressionen liegen in der Luft, aber da kommt schon die Ausfahrt. Durchatmen.

Da sich die Feiertage im Mai wie die Quellwolken am blauen Himmel häufen, wird man wieder nachhaltig an gewisse Massenphänomene erinnert, die man kennt, aber offensichtlich über den Winter erfolgreich verdrängt hat: Ich behaupte, dass ein guter Teil der ÖsterreicherInnen diese Feiertage entweder auf besagten Straßen (Ausflug), im Garten (Grillen) oder vor dem Fernseher verbringt. Oder bei der Erstkommunion, wie das Patenkind unserer Nachbarin. Die Doppelstocktorte, die sie für den hohen Anlass im Auto transportiert hat, hat die letzte Kurve leider nicht überlebt. Das Erstkommunionkind weiß aber noch nichts davon.

Ich stelle mir den Hund der Nachbarin vor, wenn er den Schlagobers entdeckt, als ich merke, dass ich sehr gut ins Massenphänomen passe und leider keine Ausnahme meiner Feiertagsregel bin: Zuerst waren wir auf der Straße, und jetzt sind wir im Garten. Grillen würden wir gerne, aber mangels Grill begnügen wir uns mit Pasta. So weit ist es also gekommen mit uns. Wir machen, was alle machen. Es schüttelt mich ein bisschen. Aber, nochmal Glück gehabt: Es gibt hier keinen Fernseher! Wir können den Tag noch mit Unkrautjäten und Wolkenzählen retten!

Da regt sich plötzlich der Mitmensch und meldet sich aus den Tiefen eines Liegestuhls, in dem er die letzte halbe Stunde dösend verbracht hat: Ob wir heute Abend nicht ins Kino gehen wollen, das wäre doch nett?

Ich frage: „Ja, wieso nicht. Was spielen sie denn?“

Hoppala, Block vergessen! Da muss dann das Skizzenbuch herhalten 🙂

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