#21 Naturhistorisches Museum

Spannend. Ich dachte, ich hätte das Museum für mich. Draußen ist schönstes Sommerwetter und im Gebäude gibt es keine Kühlung (und es fühlt sich etwas tropisch an), aber es ist trotzdem ziemlich viel los. In der Eingangshalle steht ein Schild mit dem Hinweis, dass das Planetarium klimatisiert sei. Dafür muss man aber extra zahlen. Ich gehe die Treppe hinauf bis in den Halbstock und dann gleich rechts, zu einem meiner Lieblingsausstellungsstücke: dem Irish Deer, dem Riesenhirsch. Sein Unterkiefer ist länger als mein Unterarm und ich setze mich, um ihn zu zeichnen (siehe unten).

Während ich dort herumscribble, kommt ein Kind und zeigt auf einen der Etagenpläne. Die dazugehörige Mutter, etwas beleibter, stapft hinzu und meint entsetzt: „Na. Da miassn ma ja Stiagn steign!“ Ich verrate ihr nicht, dass der Lift gleich um die Ecke vom Hirsch ist und sie gehen Richtung Treppe. Was man nicht alles für die Bildung der Kinder in Kauf nimmt.

Ich bin fertig mit dem Hirsch, endlich ab zu den Dinos! (Wozu geht man  sonst ins NHM?) Auch hier ist es schwül. Man versucht offensichtlich, dem Klima der Kreidezeit gerecht zu werden. Ein Vater läuft mit großen Sprüngen durch den Saal, um seinen Kindern zu zeigen, dass Raubsaurier nicht auf der ganzen Fußsohle gelaufen sind. Sehr engagiert. Jetzt wedelt er mit dem Arm herum, um den langen Schwanz des Brachiosaurus nachzuahmen, um zu zeigen wie er „Ohrfeigen“ austeilte, wenn ihm jemand nicht in den Kram passte. Ah. Doch kein Vater, sondern ein NHM-Mitarbeiter. Ich will hier einziehen. Ich war schon mal hier, übrigens. Über Nacht. Und habe mit zwanzig anderen Leuten im Dinosauriersaal geschlafen. Zuvor sind wir durch das ganze Gebäude gelaufen – haben mit Taschenlampen die Säle mit den ausgestopften Tieren erkundet, waren auf dem Dach und im Planetarium (ein Wahnsinn!) ist uns schwindlig geworden. Um ca. Mitternacht waren wir alle ziemlich fertig, woraufhin uns die Mitarbeiter gesagt haben, dass die letzte Seniorengruppe aber wesentlich frischer gewesen wäre als wir. Das konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen und haben uns auf den Weg zu den Magazinräumen im Keller gemacht, wo ganze Säle voll mit den Häuten toter Tiere und alte Präperate warten. Und das alles mit zwei sehr sympathischen Führern. In der Früh wurden wir sanft vom Brüllen des mechanischen Allosaurus geweckt.

Nochmal: Darf ich hier einziehen?

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