#7 Reisepass

Freitag letzte Woche musste ich aufs Amt. Ich hatte mir online einen Termin ausgemacht – mein Reisepass beendet seine Laufbahn dieses Jahr. Wie die Reisepässe von 1,1 Millionen anderen Österreichern und Österreicherinnen auch – zumindest ist das die Zahl, die das BMI nennt. Manche Zeitung (und so manches Gratis-Blatt) drohte bereits mit elendslangen Wartezeiten bei der Passausstellung. Das stimmt aber nicht ganz, die Pässe werden alle innerhalb von fünf bis sieben Werktagen aus- und zugestellt. Die Beantragung selber geht also recht flott, meiner kam gestern bereits an. Nur auf den Termin selbst muss man länger warten (bei mir waren es glaube ich drei Wochen).
Als der große Tag nun endlich herangerückt war, ging ich mit allen möglichen und unmöglichen Unterlagen am Freitag zum 13 Uhr-Termin aufs Amt. Tja. Ich war zu früh. Bereits um 12:45 war ich da und stand vor dem mit rot-weißem Absperrband drapierten Tisch. Jaja, das Absperrband. Man hatte anscheinend einen Tisch für den Empfang ausgesucht, der zwar eine Fläche zum Schreiben für die davor stehenden Personen hat, aber keine optische Trennung. D.h. man sieht, was die dahinter sitzenden Herren und Damen schreiben oder welche persönlichen Figürchen und Fotos auf dem Tisch drapiert sind. Andererseits sehen die hinter dem Tisch Sitzenden den vor dem Tisch stehenden Personen ziemlich gut auf den – ich sage mal – Bauchnabel. Ergo wurde der Allrounder unter den Sichtschutzen ausgepackt: das Absperrband. Zum einen rollt sich da jetzt also das Rot-Weiß-Rot der östereichischen Fahne um den Amtstisch, um indiskrete Blicke in beide Richtungen zu unterbinden, andererseits fördert es gerade dadurch den Drang, nicht vielleicht doch einen Blick dahinter werfen zu können. Ich, eine Viertelstunde zu früh da, versuchte mich bereits an den Gedanken zu gewöhnen, diese Zeit nun mit besagtem Absperrband zu verbringen. Der Herr beim Empfang allerdings unterbrach mich. Und noch dazu freundlich. Er tätigte einen Anruf und meinte, ich könne mir gleich ein Warteticket draußen holen. Ich war etwas enttäuscht und nachdem ich „rechts“ gefunden hatte (sofort nach zwei Anläufen), spuckte ein kleiner Automat „Warteticket PS033“ aus, woraufhin ich sofort aufgerufen wurde.
Ich war irritiert. Und enttäuscht. So geht es mir bei Amtsbesuchen in letzter Zeit immer öfter. Nichts da mit MA 2412 gemäßen Zuständen. Alle freundlich. Die meisten hören einem sogar zu. Und nagen dabei an meinen lange aufgebauten Vorurteilen über das Amt im Allgemeinen, das österreichische Amt im Besonderen und meinen Vorstellung vom Amtsschimmel.
Ich fasse zusammen: Noch nicht Zeit für meinen Termin und trotzdem schon dran! Kurz habe ich überlegt, ob ich einfach aus Protest gegen diese Zustände draußen sitzenbleibe. Habe mich aber natürlich nicht getraut und bin zu Tisch 4, wo ein Herr S. mich empfing, ein junger Mann mit noch nicht ganz dicht gewachsenem Bart und einer RIESIGEN schwarzen Armbanduhr. Nachdem alles erledigt war (Stempel, Zeigefinger scannen, anderen Zeigefinger scannen, Stempel, Unterschrift, noch eine Unterschrift), schickte er mich mit einer Rechnung zur Kasse.
Ich ging quer durchs Gebäude, geleitet von mehreren professionell mit Tixo aufgehängten „KASSE“ (+ Pfeil)-Zetteln in Klarsichtfolie.
Die „KASSE“ ist ein kleiner Schalterraum. Und hier, endlich, war ich im „Amt“ angekommen. Ich versuchte ein locker-flockiges: „Ich darf Ihnen Geld geben.“ Hinter der Glasscheibe saßen drei Damen, zwei davon älter und von bullig-dicklicher Statur, und dazu eine jüngere, auf dem Weg zu bullig-dicklich. Es roch eindringlich nach McDonald’s. Auf meinen Kommentar hin gab es keine Reaktion, die jüngere, an deren Schalter ich stand, streckte nur die Hand nach der Rechnung aus. Ohne mich eines Blickes zu würdigen warf sie mir ein „75,50 €“ hin.
Ich gab ihr das Geld, sie druckte zwei Belege aus und stempelt sie (endlich, mehr Stempel!), schob sie zum Schalterfenster (Es wäre übertrieben zu behaupten, dass sie sie mir hingeschoben hätte). Ich sagte „Danke“, sie sagte: „Können wir jetzt mal die Fenster aufmachen?“ Ich sagte „Auf Wiedersehen“ Sie: „Wiedersehen.“

Es war dann doch noch ein schöner Abschluss 🙂

(Dieses Mal ein Scan, kein Foto – alles so schön weiß!)

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