#92 Aufräumen

Onlinedienste wie Netflix sind immer auch ein bisschen Trendbarometer: Was beschäftigt die Menschen gerade so, was sehen sie sich gerne an und worüber wird gelacht. Es gibt jetzt zwei Aufräumserien: Eine US-amerikanische und eine mit Marie Kondo, eine Japanerin, die ein Buch über das gute Ausmisten geschrieben hat (wenn etwas keine Freunde bringt, soll man sich davon trennen), und ebenfalls in den USA gedreht wurde. Beide laufen in etwa gleich ab: Eine Familie, die sich vor lauter Zeug nicht mehr im Leben zurechtfindet, deren Beziehungen in die Brüche zu gehen drohen und die die eigenen Kinder nicht mehr findet, wendet sich hilfesuchend an einen Fernsehsender, damit dieser ihre Probleme löst. Der schickt dann eine Expertin und die hilft beim Ausmisten. Und am Ende ist alles gut und die Familie strahlt glücklich aus einem Wohnzimmer heraus, das in seiner aufgeräumten Nichtssagendheit auch aus einem Möbelkatalog stammen könnte.

Wie weit das Ausmisten Beziehungen kitten kann, da bin ich überfragt. Sich alle paar Jahre mal durch die eigenen Sachen zu wühlen und zu sehen, was da überhaupt in dieser hintersten Kiste herumsteht, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann, hat aber durchaus ein bisschen etwas mit Psychohygiene zu tun, wie ich finde. (Also wenn man nicht nur herumwühlt, sondern auch entsorgt.) Der freie Platz wirkt lockerer und offener und man bleibt gedanklich nicht mehr daran hängen (À la „eigentlich sollte ich hier mal aufräumen.“) Die Küchenschublade oder die Abstellkammer (oder – uiuiui – den Keller!) von unnötigem Kram zu befreien, das alles geht sehr in Ordnung. Aber diese Frau (also Marie Kondo) meint doch ganz ernsthaft, man käme mit weniger als 30 Büchern aus. Bis jetzt mochte ich sie und ihre Methode eigentlich ganz gerne. Aber 30 Bücher maximal? Diverseste Reaktionen sind auf dies „Idealzahl“ im Internet zu finden, u.a. der schöne Satz: „Sie meint pro Thema, oder?“

Spannend.

Natürlich, wir haben zu viel Zeug, sind eine Konsum- und Wegwerfgesellschaft, und die 10.000 Dinge, die ein westlicher Mensch im Durchschnitt so bei sich zu Hause herumstehen hat, sind ein riesiger Material-, Kosten und Zeitaufwand und der Großteil davon dient sicher nicht unserem Überleben, wenn wir ehrlich sind.

Aber.

Aber!

Hatte Frau Kondo denn noch nie ein anderes Hobby als das Aufräumen und Ausmisten? Oder eine andere Arbeit? Der Ordner mit meinen Rechnungen funkelt mich nicht wirklich verheißungsvoll an, wenn ich ihn sehe, aber deswegen kann ich ihn trotzdem nicht wegschmeißen. Alte Skizzenbücher sind nicht nur vollbeschriebenes Papier, sondern auch Wegmarkierungen und verstecken doch noch die eine oder andere Idee, auf die ich vielleicht (vielleicht aber auch nicht) wieder zurückkomme.

Und Bücher… Also ich habe vor dem Umzug einmal zwischen 300 und 400 Bücher aussortiert, weitergeschenkt und in Buchkästen zur freien Entnahme gestellt. Aber es blieb trotzdem noch eine gute Zahl übrig, die mit mir umgezogen sind. Ich mag diese Bücher und sie erinnern mich an Geschichten, an Momente, an Menschen. Man nimmt nicht jeden Tag jedes Buch in die Hand, wie man es vielleicht mit einem Topf oder (hoffentlich) mit der Zahnbürste tut. Aber ich brauche sie, um meine Arbeit gut zu machen – und sei es nur, um einen Blick auf sie zu werfen und zu wissen, dass ich das eine hier und etwas anderes dort nachschlagen könnte oder um mich zu erinnern.

30 Bücher? Nie im Leben.

Heute Abend bleibt der Fernseher sicher aus.

Ich gehe lesen.

#91 Drogen = Gefahr

DROGEN = GEFAHR

Dieses Plakat sehe ich im Moment überall auf Autobahnen und Schnellstraßen. Und es irritiert mich ziemlich. Es gibt auch noch eine kleine Abwandlung davon (siehe Bild unten), das eine sehr ähnliche Aussage durch Piktogramme darstellt: Eine gelb-blaue Kapsel + ein kleines rotes Auto = ein schwarzer Totenkopf mit zwei darunter gekreuzten Knochen. Ich habe mir beide Plakate sehr lang durch den Kopf gehen lassen, und beide regen mich ein bisschen auf. Sie sind Teil einer Kampagne des Verkehrsministeriums. Ich würde gerne wissen, wie lange man an dem ausgeklügelten Slogan gesessen ist und wieviel die Marketingleute dafür eingestrichen haben. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schreibt, dass „hochgerechnet rund 177.000 Österreicher bereits unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug gelenkt haben“ (und zwar hier). Hochgerechnet wurde diese Zahl von einer Befragung von 1000 „Lenkern“ (offensichtlich geht es hier außerdem nur um Männer), von denen 4% meinten, sie haben im vergangenen Jahr nach Drogenkonsumation ein Fahrzeug gelenkt. Wie aussagekräftig so eine Selbstaussage und deren Hochrechnung ist, sei dahingestellt – und hier jetzt genau unter „Drogen“ verstanden wird, auch.

Aber zu den Plakaten.

Drogen = Gefahr. Das Wort „Drogen“ wird – meiner Meinung nach – vom Durchschnittsösterreicher nur auf Rauschgifte (ohne die Genussgifte wie Alkohol) bezogen. Alkohol ist keine Droge, Alkohol ist Volkssport und Zigaretten sind sowieso etwas anderes und die Regierung ist da ja auch dafür. Fällt schon einmal ein guter Teil der tatsächlichen Drogeneinnehmenden auf Österreichs Straßen weg, die sich hier nicht angesprochen fühlen müssen. Was offensichtlich auch Ziel der Kampagne war. Aber was ist mit all jenen, die irgendwelche Medikamente, sei es Beruhigungstabletten oder Sonstiges nehmen, die man in der Apotheke kaufen kann – ob die sich wohl ertappt fühlen? Ich glaube nicht. Das sind ja Medikamente. Da gibt es ein Rezept dafür, das ist ja in Ordnung so. Bleibt der kleine Teil der Fahrer und Fahrerinnen, die tatsächlich Rauschgift in was für einer Form auch immer eingenommen haben. Die lesen dann während der Fahrt das Schild, denken sich: „Oh nein! Was tue ich hier eigentlich?!“ – und fahren rechts ran. Ja? Stellt man sich das so vor? Und diejenigen, die öfter mal etwas einwerfen, aber gerade zufällig mit klarem Kopf ihr Auto lenken, die lesen das Schild und denken sich: „Ja, die haben Recht. Ich werde das nie wieder machen.“ Ich stelle mir das ähnlich reflektiert vor wie jene Menschen, die mit mehreren Promille Auto fahren.

Zum Piktogramm: Hier geht man offensichtlich davon aus, dass die Drogensüchtigen auf den Straßen nicht einmal mehr fähig sind, zwei Worte (Drogen = Gefahr) zu lesen und hilft mit Bildern nach. Wie solche Personen noch fähig sein sollen, ein Auto zu lenken – hier bin ich überfragt. Die gelb-blaue Kapsel bezieht sich jetzt eindeutig auf Rauschgift, von Alkohol ist hier nicht einmal mehr ansatzweise die Rede. Und das Zusammenspiel zwischen Drogen und Auto endet nicht mehr nur mit Gefahr, sondern mit dem Tod.

Ich traue keinem der beiden Plakate zu, auch nur einen einzigen Unfall zu verhindern. Sie sind so plump, ziellos und allgemein, dass man auch schreiben hätte können: Autofahren ist gefährlicher als Flugzeugfliegen. Ja, das ist statistisch korrekt, ändert aber nichts daran, dass zwischen Wiener Neustadt und Puchberg am Schneeberg keine Linienmaschine fliegt und niemand deswegen aufs Flugzeug umsteigen wird. (Ich merke, ich rege mich schon wieder auf.)

Fährt man nun von Wien aus Richtung Süden und über den Wechsel hinunter in die Steiermark, dann wird einem dieses Schild in Niederösterreich sicher ein halbes Dutzend Mal begegnen. Am Stück der Autobahn, das durch das Burgenland führt, gibt es keine Drogen = Gefahr-Schilder. Im Burgenland gibt es offensichtlich keine Drogen. Oder man hat über das Schild den Kopf geschüttelt und sich gedacht, nein, das bringt wohl eher nichts. Erst in der Steiermark wird man wieder damit konfrontiert, hier gefühlt häufiger mit Piktogrammen (traut man hier der Durchsetzung des Alphabetismus nicht?). Aber ich merke, ich muss ruhiger werden während des Autofahrens. Vielleicht sollte ich anfangen Baldrian zu nehmen, bevor der Motor startet.

 

Fumetto

„Fumetto“ ist ein Comic-Festival in Luzern und ich hinke gerade mit dem Blog und den Illustrationen dafür etwas hinterher, weil ich zum von „Fumetto“ ausgeschriebenen Wettbewerb noch einen Beitrag gezeichnet habe – 4 Seiten A3 zum Thema „Velo“. Jetzt ist alles abgeschickt – trotz meiner Post-Filiale, in der man zwar DVDs kaufen kann, aber keine Umschläge, Rollen oder sonstige Formate, mit denen man A3-Blätter sicher versenden könnte.

Und jetzt? Jetzt habe ich zwei Tage frei!

Einen Blogpost gibt es dann nächste Woche wieder!

Ah ja: Und ein gutes Jahr 2019 euch allen 🙂

#90 Weihnachtsfernsehen

Dank Netflix und Co ist man ja nicht mehr unbedingt auf das eigentliche Fernsehprogramm angewiesen, aber rund um die Feiertage den einen oder anderen Film anzusehen, das hat schon etwas sehr gemütliches. Und auch Kino passt immer gut zu den Feiertagen. Was mich nicht so begeistert, ist die Filmauswahl manchmal. Mitmensch wünscht sich, dass ich mir mit ihm den „Grinch“ im Kino ansehe und ich gehe notgedrungen mit („Kann ich mir das zu Weihnachten wünschen, dass du mitgehst?“). Er will eine Nachmittagsvorstellung ansehen, und so gehen wir in Lugner-City. Ich war dort erst einmal, als ich einem Freund bei der Auswahl einer am Türrahmen montierbaren Klimmzugstange geholfen habe und das ist Jahre her. Soweit ich das überblicken kann, hat sich aber nicht viel geändert. Der Kinobereich ist angenehm leer und außer uns sehen sich ein paar Eltern mit ihren Sprösslingen die Vorstellung an. „Der Grinch“ entpuppt sich als erstaunlich netter Film, Otto Waalkes spricht den Grinch, und sehr nett ist auch das Kind zwei Reihen vor uns, das seinem Vater während des Films den Plot erklärt.

Nach dem Film gehen wir noch eine Runde durch die Lugner-City, bis ich Platzangst bekomme. Vorher aber sehen wir, dass es einen kleinen Indoor-Eislaufplatz gibt und der Weihnachtsmann – ganz amerikanisch – auf einem goldenen Thron sitzt und eine lange Schlange, bestehend aus Eltern mit Kleinkindern, sich anstellt, um die Kinder auf dem Schoss von besagtem rotgewandeten Mann fotografieren zu lassen. Zwei Kinder fangen zu weinen an – komisch. Nachdem wir wieder hinausgefunden haben (gar nicht so einfach, und die Gänge sind wirklich eng), erst mal durchatmen.

Am nächsten Tag zappt sich Mitmensch durch Netflix und bleibt bei einer anderen Weihnachtsgeschichte hängen: „The Christmas Chronicles“. Kurt Russell als Santa Claus… Naja. In „The Thing“ hat er mir besser gefallen.

Jaha, aber dann! Dann! Endlich kommen die richtigen Weihnachtsfilme: Die Hard (1988). Die Hard 2 (1990). Die Hard with a Venegance (1995). Live Free or Die Hard (2007). Wobei die Filme ab Nr. 3 natürlich nicht mehr zu Weihnachtszeit spielen, aber wir wollen ja keine I-Tüpfelreiter sein. Nr. 5 (A Good Day to Die Hard von 2013) ist übrigens mit voller Absicht nicht in der Liste und wird auch nicht angesehen – den zähle ich auch nicht zur Reihe. Den ignoriere ich. Das ist ja wohl… Wie da das Motorrad und der Laster und die Explosionen…

Also nein. Wirklich nicht. Es gibt Grenzen.

Auch zu Weihnachten.

 

#89 Vorweihnachtszeit

Der beste Moment im Advent ist der, an dem man alle Geschenke besorgt hat, finde ich. Wenn die Bücher und Kleinigkeiten über den Boden verteilt liegen und darauf warten, eingepackt zu werden und man nicht mehr hinaus muss, um die Innenstadt oder die Einkaufsstraßen zu besuchen. In manche Geschäfte, den Thalia zum Beispiel, traue ich mich gar nicht mehr. Da ist mir einfach zu viel los und es gibt immer ein paar panische Menschen, so verzweifelt beim Suchen sind, dass man sie am liebsten auf die Schulter klopfen möchte und sagen: „Alles wird gut.“ Das würde sie glaube ich aber nachhaltig irritieren, also lass ich das lieber und gehe woanders hin. Die kleineren Buchhandlungen sind nicht so überlaufen und nehmen sich mehr Zeit für die Kunden – auch die panischen, die sind dort in ganz guten Händen. Natürlich, man könnte auch übers Internet bestellen, aber da bin ich mir nie sicher, ob die Pakete auch wirklich noch ankommen. Und so früh bin ich meistens nicht dran, dass ich beruhigt davon ausgehen könnte.

So liegt denn nun alles da und wartet auf das Geschenkspapier und Schere und Tixo. Beim Geschenkspapier muss man immer aufpassen – es gibt so dünnes, dass es schneller reißt als das man es schneiden kann, aber man erkennt es leider nicht immer gleich von außen. Also ist es auch immer eine vorweihnachtliche Überraschung, das Geschenkspapier zum ersten Mal auszupacken 🙂

So. Alles eingepackt.

Ich hoffe, ihr seid nicht mehr (und vor allem nicht panisch) auf der Suche. Und falls doch: Alles wird gut 🙂

Ich wünsche euch allen frohe Feiertage!

#88 Grafenegg

Zwar gibt es innerhalb Wiens ja genug Weihnachtsmärkte, die man besuchen könnte, aber der Mitmensch und ich fahren auf einen nach Niederösterreich, und zwar nach Grafenegg. Den haben wir uns irgendwie angewöhnt. Zum einen ist er wirklich nett, die Hütten stehen zum Teil im Park und zum Teil sind sie in den Räumlichkeiten des Schlosses untergebracht, zum anderen gibt es wirklich hübsches Kunsthandwerk, frische Bauernkrapfen und deftiges Essen. Und: hier wird Murmeltiersalbe verkauft. Dazu aber später.

Der Weihnachtsmarkt in Grafenegg geht immer über vier Tage, Donnerstag bis Sonntag, meist um den zweiten Advent herum. Man merke: Möchte man ihn besuchen, komme man möglichst früh, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens ist bei diesem Markt Eintritt zu bezahlen (und mit 8 Euro pro erwachsenem Kopf nicht zu knapp), und da kann man schon mal länger in der Schlange vor den Kassen warten, bis die älteren Herrschaften vor einem fertig im Kleingeldfach herumgekramt haben, um irgendwann einzusehen, dass es sich wirklich nicht ausgeht und dann doch mit Karte zahlen wollen. Zweitens ist der Weihnachtsmarkt wirklich gut besucht. Draußen, im Park, ist das ja noch ok, da weicht man gegebenenfalls auf den Rasen aus und geht Alpakas und Lamas streicheln. Im Schloss ist das schon schwieriger. Die dort untergebrachten Stände und Verkaufsflächen sind in einem Einbahnsystem angelegt, das einen über Treppen, schmale Durchgänge und kleine Zimmer führt (die z.T. wahnsinnig aufwändig gearbeiteten Kassettendecken haben), in denen es sich bald gegen Mittag zu stauen beginnt. Manchmal wird man mehr durchgeschoben, als dass man gehen würde. Kommt man aber zeitig, hat man die Chance, nicht nur hin und wieder die eigenen Füße zu sehen, sondern auch Töpfereien, Mineralien aus Niederösterreich, Bienenwachskerzen und Wollsocken eingehender betrachten zu können.

Dieses Mal gibt es an den Weihnachtsschmuckständen auffallend viele vergoldete Nüsse und eine findige Wachauerin bietet vergoldete Marillenkerne an, die man sich als Einzelschmuckstücke um den Hals hängen kann. Es gibt ja einige, die Upcyceln zum Sport erhoben haben, aber ob diese Idee fliegen wird? Ich würde mir keinen abgelutschten Kern um den Hals hängen – auch nicht vergoldet.

Apropos Gold: Ein Kind findet im Antiquariatsteil eines Buchhändlers ein Buch mit vergoldetem Schnitt und ist begeistert. Die Eltern ziehen die Augenbrauen hoch und sagen hastig: „Nein, nein, die alten Bücher, die sind nur zum Ansehen da, die kann man nicht kaufen.“ Das Kind ist nicht ganz überzeugt und muss mir auf die Zunge beißen, um es nicht aufzuklären: „Doch, doch! Die kann man kaufen!“ Aber ich will ja in der Adventszeit keine Verwünschungen auf mich ziehen. Ich kaufe ein Buch aus dem Antiquariat, um ein paar Euro werden mit die „Charlatanerien“ von einem gewissen August Friedrich Cranz überlassen. Ich frage nicht nach dem Preis des Goldschnitt-Buchs, bin mir aber ziemlich sicher, dass es keinen besonders hohen Preis hat – zu einer so gedrängten Veranstaltung nimmt man keine Schätze mit, die man mitten im Raum in Richtung Ausgang einfach so stehen lässt.

Ein Einkaufs-Muss ist außerdem jedes Mal die oben bereits erwähnte Murmeltiersalbe: Sie hilft besonders bei Verspannungen, und von diesen wird der Mitmensch regelmäßig heimtückig heimgesucht. Die Murmeltiersalbe heißt übrigens nicht nur so, sie wird tatsächlich aus dem Fett von Murmeltieren hergestellt, dessen Bestandteile eben gegen Muskel- und Gelenksbeschwerden (und auch Rheuma ^^) helfen.

Nach der zweistöckigen Runde im Schloss haben wir Hunger bekommen und wollen uns die Essensstände im Park näher ansehen. Gerade als wir dorthin abbiegen, wird ein Schild aufgestellt, dass es bei der Indoor-Runde im Schloss zu längeren Wartezeiten kommen kann. Ein High Five für die Frühaufsteher!

Ein Rieslingsragout und ein Chili Con Carne später trinken wir noch etwas Heißes (Glühmost für mich, Kinderpunsch für den Autofahrer). Auf dem Rückweg zum Parkplatz sehen wir die Familie mit dem Kind wieder, denen wir vorhin beim Antiquariat begegnet sind. Sie stehen vor den Lamas. Das Kind bettelt. Ich bin leider zu weit weg, ob die Eltern auch hier sagen: „Nein, nein, die sind leider nur zum Anschauen da.“

 

#87 Kekse!

Der Dezember ist Keks-, Kipferl-, Makronen- und Busserlmonat. Das merkt man unter anderem daran, dass regelmäßig Ende November sowohl Butter als auch Nüsse zur Mangelware werden: Ich musste in drei Geschäfte um gemahlene Mandeln zu finden – habe dann aber natürlich (wie alle anderen auch) sofort vier Packungen davon gekauft, damit ich nicht nochmal auf Odyssee gehen muss. Dieses Verhalten des Hortens erklärt den Mangel an Nüssen in der Backabteilung ziemlich gut, denke ich. Bis jetzt habe ich eine Packung davon zu ca. zwei Dritteln für Linzer Augen verwendet. Der Rest wartet noch. Während andere verzweifelte Keksbäcker und Keksbäckerinnen von einem Laden zum anderen laufen, um geriebene Mandeln zu finden. Ja, das sind so die Gemeinheiten des Alltags.

Übrigens: Im österreichweit berühmten kleinen gelben Rezeptbuch der Kronen-Zeitung (das einzig brauchbare was dieser Konzern zustande gebracht hat) sucht man Linzer Augen vergebens, wenn man nicht zu den Eingeweihten gehört. Wir sollen unter „Ischgler Plätzchen“ nachsehen, das sei der entsprechende Teig, meint die Mutter des Mitmenschen, und siehe da, die Ischgler Plätzchen werden ganz schnell zu Linzer Augen. Nur übersehen darf man sie im Ofen nicht, das letzte der drei Bleche ist etwas dunkel geworden. Aber ein wenig Ribiselmarmelade und Staubzucker später sieht man davon fast gar nichts mehr. Denke ich mir halt. Bevor der Mitmensch nach Hause kommt, einen Blick darauf wirft und fragt: „Sind die verbrannt?“

*Räusper*

Also, was gehört noch zu meiner persönlichen klassischen Weihnachtsbäckerei?

Dominosteine. Dominosteine sind zwar aufwändig, aber sie sind es wert! Wer kann auch schon etwas gegen die Kombination von Lebkuchen, Marillenmarmelade, Marzipan und Schokolade sagen?

Vanillekipferl. Natürlich Vanillekipferl. Die dürfen einfach nicht fehlen. Ein Tipp für zu krümelig gewordenen Teig: Ein Eiweiß hineinkneten und er kann wiederbelebt werden.

Aniskekse: Hier gibt es geteilte Meinungen. Auf jeden Fall! Sage ich. Auf keinen Fall! Sagt der Mitmensch. Zu Aniskeksen gehört traditionell ein kleiner Fuß, auf dem sie stehen, habe ich jetzt gehört. Bei mir haben sie keinen Fuß. Den bekommen sie auch nur, wenn man sie abtrocknen lässt, das heißt, wenn man die aufs Blech gegebene Keksmasse ein paar Stunden lang antrocknen lässt. Dann bildet sich (bei trockener Witterung) eine Haut, die den Aniskeks oben zusammenhält und die Hitze drückt den Teig so in die Höhe. Es war mir bis jetzt immer zu aufwändig, auf diese Füßchen zu achten, aber vielleicht probiere ich es doch nochmal aus. Aber sie schmecken so oder so wunderbar, finde ich.

Kokosbusserl. Kokosbusserl müssen auch sein, sehen aber jedes Jahr trotz gleichbleibendem Rezept immer anders aus. Liegt es am Luftdruck, am Mond, an den Hühnern, die die verwendeten Eier legen? Ich weiß es nicht. Aber für die habe ich jetzt im Bayerischen Rundfunk einen Trick gelernt: Damit sie nicht so lange im Ofen sind und Gefahr laufen, trocken zu werden, soll man die Masse im Topf auf 55 bis 60 Grad erwärmen und so „abrösten“ (huh, ein neues Wort!). Danach die Masse aus dem Topf nehmen, auf 30 Grad abkühlen lassen und dann erst die Busserl aufs Bachblech setzen. Dadurch bleibt die Form stabiler und sie haben eine kürzere Backzeit, was sie nicht so trocken werden lässt. Das ist auf jeden Fall den Versuch wert.

In diesem Sinne: Fröhlicher Keksmonat! (Ah ja – Lebkuchen muss man nicht erwähnen. Die verstehen sich ohnehin von selbst.)

#86 Drei Ausstellungen

Ausstellung, die erste. Vor zwei Wochen war ich in der Monet-Ausstellung in der Albertina. Es war ziemlich voll, aber nicht überfüllt, und man konnte das Glück haben, auch einmal kurz alleine vor einem der Bilder zu stehen und in Ruhe schauen zu können. Ich kannte  vorher bereits Werke von Monet, hauptsächlich aber nur Abbildungen davon und muss sagen, die Ausstellung hat mich doch sehr beeindruckt: Keine Reproduktion kommt an die Leuchtkraft oder die unterschiedlichen Stimmungen seiner Bilder heran. Unter einer Landschaft in Schnee stand ein Kommentar, sinngemäß etwa: „keiner malt Schnee kälter als Monet“ – und es stimmt. Man erinnert sich an genau solche Momente: Leichter Schneefall und Matsch und das Licht im Winter, und man weiß wie es sich anfühlt. Und daneben spürt man bei einem Bild die Sommerluft und sieht das tanzende Licht, das durch die Blätter fällt. Wahnsinn. Vor den Seerosen habe ich ein Plätzen zum Sitzen gefunden und den Aquarellkasten herausgeholt, um die Farben nachzumischen – eine kleine Sehübung quasi: Treffe ich den Ton oder treffe ich ihn nicht. Ich bin aber nicht weit gekommen, ein Museumsmitarbeiter tritt an mich heran: „Bitte nicht malen“, sagt er. „Nicht malen?“ „Nein, bitte nicht.“ Aha. Ok. Gerade Museen haben eigentlich nichts dagegen, wenn in ihnen gezeichnet wird, aber bitte. So gehe ich nochmals langsam durch die Ausstellung, und dann hinaus in die frische Luft.

Ausstellung, die zweite. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Im KHM läuft eine Bruegel-Ausstellung, die man so wahrscheinlich nicht so schnell wieder sehen wird: Ein guter Teil seines Werkes, Gemälde und Zeichnungen, werden gemeinsam ausgestellt. Das Ganze führt zu solchem Andrang, dass das KHM dazu übergegangen ist, Zeitkarten auszugeben. D.h. man sucht sich ein noch offenes Zeitfenster aus, und darf dann genau zu diesem Zeitpunkt die Ausstellung betreten. Wir haben eine Gruppenführung um halb 8 am Abend und nachdem endlich jeder unseren Museumsführer durch den Knopf im Ohr hört, betreten wir die Ausstellungsräume. Es ist unglaublich voll.

Unser Guide lenkt uns zu ausgewählten Bildern und unseren Blick auf Details: Eine Gemse auf der Bergspitze, ein Hinrichtungsplatz im Landschaftsbild, eine Spinne im Netz auf einer Passionsdarstellung. Er erzählt von den Holztafeln, auf denen Bruegel gemalt hat und dass diese extra aus Polen herangeschafft wurden und von den interaktiven Möglichkeiten, die die KHM-Seite hier bietet. Interessant, aber eine Stunde ist zu wenig und das Gedränge groß.

Am Ende der Ausstellung gibt es einen Shop – extra für diese Ausstellung eingerichtet. Es gibt hier nur Dinge, mit Bruegel-Motiven. Und was es für Dinge gibt: Bleistifte und Kugelschreiber und Blöcke sind ja normal, aber Weihnachtskugeln, Spielmannsuhren und Magnete, Schals, Badetücher, Brillenetuis, T-Shirts, Seife, ein Espresso-Tassen-Set, Taschen, diese kleinen Plastikfernseher zum Durchklicken für Kinder mit Bruegel-Motiven, Flaschenöffner, i-Phone-Hüllen, Pillendosen, Servietten, Uhren und noch viel mehr – alles mit Bruegel-Gemälden bedruckt und verziert. Scheußlich.

Ich kaufe den Katalog und nehme mir vor, ihn mir zuerst anzusehen, bevor ich wiederkomme. Und dann: endlich draußen. Ich glaube, ohne Zeitkarten würde es sich besser und freier im Haus verteilen: So hat man das Gefühl, man muss hier bleiben, um alles zu sehen, denn einmal draußen kommt man nicht wieder zurück. Und was ich vom restlichen Haus so beim kurzen Durcheilen sehe, so ist es leer. Aber das ist nur meine Meinung.

Die dritte. Im Haus AWAT in der Gumpendorferstraße, gibt es eine Vernissage von Markus Dressler: „Klimts Katze in Gold und andere Meisterwerke“. Ich gehe ins Haus und dann, etwas zögernd die Treppen hinauf. Wird schon irgendwo angeschrieben sein, denke ich mir. Im sechsten Stock angekommen bin ich dann etwas ratlos. In allen Stockwerken wird gewohnt, aber eher nicht ausgestellt. Mit mir sind zwei andere Menschen ratlos, die ebenfalls die Vernissage suchen. Tja. Ich klopfe mal an der AWAT-Bürotüre, und siehe da – wir sind richtig! Und die ersten, die hergefunden haben. Markus ist glaube ich ein bisschen erleichtert – aber die Türe bleibt trotzdem schilderlos. „Die finden schon her“, meint er. An den Wänden: Katzen, mit Klimt und ohne, mit Stilleben und in der Katzenkiste. Nachdem sich die Sesselreihen gefüllt haben gibt es eine Lesung seiner Comics (Klimts Katze in Gold, Mancat, Spacecat und Astromausi). Danach werden Werke verkauft, getrunken und geredet. Mit Helmut, der Collagen macht, versuche ich die Ausrichtung der Terrasse herauszufinden, bevor es uns schließlich doch zu kalt wird und wir wieder hineingehen. Eine wahnsinnig nette und lustige Ausstellung. Und die zwei Mini-Comics von Spacecat und Astromausi kommen mit nach Hause – der Druck vom „Wachauer Miauer“, einem leider, leider verschollenem Filmschatz, wird nachgeliefert 😉