Der Gschupfte Ferdl Teil II

Der „Gschupfte Ferdl“ – nochmal, aber ganz anders: Gerhard Bronner war eine Zeit lang beim NDR tätig und in dieser Zeit entstand „Der blasse Gustav“ (1953). „Der blasse Gustav“ ist eine Übersetzung des „Gschupften Ferdl“ ins Hochdeutsche. Dort gibt es erneut Brillantine, doch keine grün und gellb gestreifte Socken mehr. Stattdessen einen hellblauen Pullover, geklaut im KaDeWe. Eintracht!

Hier der „blasse Gustav“ in Wort und Musik:

Georg Kreisler hat 1958 übrigens zur Melodie von Bronner auch eine englische Version verfasst, den „Dirty Ferdy“: „Dirty Ferdy was a cowboy most notorious / you could smell him in the distance of a mile / …“ Dazu ist mir dann aber kein Bild eingefallen, dass ich zeichnen wollte 😉

Der Gschupfte Ferdl

Der Entstehungsprozess eines Bildes verläuft ja nicht unbedingt geradlinig. Am Anfang springt einen eine Idee an (vorzugsweise vor allem dann, wenn man gerade nichts zu schreiben mithat) oder sie lässt sich aus einer noch vagen Vorstellung heraus entwickeln. Am Beginn stand hier ein Wienerlied, 1952 von Gerhard Bronner getextet und komponiert. Für Bronner wiederum stand ein gewisser Ferdinand Valek am Anfang, ein Wiener Original mit 52 Vorstrafen. Für meine Illustration zu „Der gschupfte Ferdl“ (hochdeutsch „Der psychisch nicht ganz zurechnungsfähige Ferdinand“) haben mich vor allem die „grün und gellb gestreift[en]“ Socken (ja, das heißt „gellb“, mit Doppel-L) angesprungen, weil natürlich elegant und die Farben oh là là. Die Bleistiftskizzen lasse ich aus, aber es brauchte dieses Mal insgesamt drei Anläufe, um zu einem für mich zufriedenstellenden Ergebnis zu gelangen. Beim ersten Versuch hat – bis auf die Socken – überhaupt nichts funktioniert, eine etwas schlampige Arbeit. Man merkt aber bei der Kolorierung der Schuhe, dass mir das zu diesem Zeitpunkt durchaus schon bewusst war. Das Kolorieren hatte auch nur mehr den Zweck um für die nächste Zeichnung zu sehen, ob sich die Farben denn miteinander vertragen würden.

Versuch Nr. Zwo lief dann trotz Änderung der Komposition ebenfalls schief, weil ich zwischen Bleistiftzeichnung und Inking leider die Beine nicht auf ihre Geradlinigkeit hin überprüft habe. Den Ferdl dann aber mit gebrochenem linken Bein (also von ihm aus gesehen) durch die Perfektion tanzen zu lassen, konnte ich nicht über mich bringen.

Ergo folgte Versuch Nr. Drei, der sich dann als finaler herausgestellt hat. Na also. Es geht doch. Dass hier nur die Socken bunt sind, ist übrigens eine echte Entscheidung, es liegt nicht daran, dass es mich nicht mehr gefreut hätte.

Und hier Gerhard Bronner und „Der Gschupfte Ferdl“:

 

„Brillantine“. Schade, dass dieses Wort heute nicht mehr benutzt wird. Fast so schade wie das Verschwinden der „Haarfrisur“. 😀

Zwegn dem „Gellb“ wärs gewesen: Das Meidlinger L hat übrigens einen eigenen Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Meidlinger_L