#81 Der Wagram

„Rettet den Wagram!“ So heißt es auf einem großen Plakat, wenn man mit dem Zug die Strecke zwischen Hadersdorf am Kampf und Fels am Wagram fährt. Und man denkt sich: Oh nein! Warum muss der Wagram gerettet werden? Und was genau meinen sie mit „Wagram“? Der Wagram ist laut Wikipedia „ein bis zu 40 Meter hoher, langgestreckter Höhenzug in Niederösterreich. Er begleitet die Donau zu beiden Seiten und stellt auf ihrer Nordseite eine steile, weithin sichtbare Geländestufe aus eiszeitlichem Löss dar.“ Ja, die Stufe sieht man. Gerettet werden soll die Geländestufe vor einem Projekt. Man baut dort nämlich einen Stupa, und was man so vom Zug aus sieht, ist der Stupa schon ziemlich weit fortgeschritten. Ich wusste vorher nicht, dass es ein Stupa war. Ich wusste auch nicht, was ein Stupa ist. Ein Stupa ist ein buddhistischer Tempel und der Stupa in Grafenwörth soll eine Friedensstupa und ein Ort des Glücks sein (laut der Homepage für den Stupa). Dort schreibt man:

„Der Stupa ist ein Zeichen des Friedens, der Freude, des Glücks und der Verständigung. Es wird ein Zeichen gegen Zwietracht und Egoismus in unserer globalen Lebenswirklichkeit gesetzt, um Menschen zusammenzuführen und Meinungsaustausch in Gang zu halten und um ein harmonisches Miteinander jenseits von Weltanschauungen und ideologischen Positionen zu ermöglichen. Der Friedensstupa schafft einen Raum der Konzentration. Er ist ein Bauwerk, das Anziehungskraft und Ausstrahlung besitzt, um zum Frieden zusammenzuführen und Frieden zu verbreiten. Er ist ein Ort der Stille und Besinnung.“ (siehe hier)

In Grafenwörth und Umgebung dürfte die Erklärung nicht so gut angekommen sein, von Frieden, harmonischem Miteinander und Freude keine Spur, ein Teil der Bevölkerung hat die Pläne eher als Kampfansage verstanden: Es wurde – wie zuvor in Gföhl, wo der Stupa abgelehnt wurde – eine Bürgerbefragung gefordert, während des Spatenstichs gab es eine lautstarke Demonstration und sogar eine Festnahme. Der Bürgermeister aber steht hinter seiner Entscheidung, das 1,3 Hektar Gebiet für das Projekt freizugeben – 1,3 Hektar, die von Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann zur Verfügung gestellt wurden. Es gibt also durchaus Fürsprecher und Unterstützer des Projekts in der Region. Und diese haben sich offensichtlich erfolgreich durchgesetzt, wie es aussieht, denn wie gesagt – der Bau der Stupa sieht ziemlich weit fortgeschritten aus. Das Schild „Rettet den Wagram“ steht immer noch – genauso wie der Wagram selbst.

Ist man übrigens mit dem Auto unterwegs, liest man nichts von der Rettung des Wagrams. Von der S5 aus sieht man nur ein schönes Plakat auf dem „In Wagram Veritas“ steht – und im Hintergrund bilden liegende Weinflaschen die Geländestufe ab.

Vielleicht könnte man sich mal auf ein Schlückchen zusammensetzen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/60/Stupa_am_Wagram_Rohbau_04.jpg/1200px-Stupa_am_Wagram_Rohbau_04.jpg

AHH! Keine Zeit für eine Zeichnung! Weil Inktober! Siehe nachfolgenden Post ^^