#46 Zimmerpflanzen

Der Balkon geht mir ab, die Pflanzen schlafen alle oder wollen auch einfach nur so in Ruhe gelassen werden und ich kann nichts tun. Langweilig. Ein Bildband über einen Garten im Biospährenpart Wienerwald hilft auch nicht viel weiter, ich werde noch ungeduldiger. Ich mag den Winter, aber die Gartenpause fällt doch unangenehm auf. Ich stöbere in der Bücherei, stolpere über ein Buch mit Zimmerpflanzen. Zimmerpflanzen. Hah. Dagegen muss das Mauerblümchendasein ja die reinste Achterbahnfahrt sein. Aber es hat schöne Fotos und ich nehme das Buch mit. Man kann sich ja auch mal weiterbilden. Zimmerpflanzen gehören zu dem Teil der Pflanzenwelt, den ich bis jetzt eher übersehen habe, da er meines (zugegeben in diesem Bereich nicht vorhandenen) Wissens nach maximal dreieinhalb Pflanzenarten beinhaltet. Wovon mir drei nicht gefallen.

Aber: Ich sehe, lese und staune.

Und erkenne auf einmal in jedem dritten Fenster Wien eine mir nun bekannte Pflanze. Bogenhanf gehört offensichtlich zu den beliebtesten Gewächsen hierzulande, die man sich so auf die Fensterbank stellt. Und auch Grünlilien sieht man ohne Ende. Nicht ganz so schick in Szene gesetzt wie in dem Buch, aber immerhin grün.

Es liegt sicher auch an den Fotos, dass manche mit zuvor sehr suspekte Pflanzen auf einmal interessant, wenn nicht sogar fast „cool“ aussehen. Die Efeutute (allein der Name! Wie kann man nur?) habe ich bis jetzt nicht wirklich als ansprechende Pflanze wahrgenommen, aber auf ein paar der Fotos sieht sie zumindest nicht nach ganz nach der magersüchtigen Girlande aus, für die ich sie im Allgemeinen halte. Ich würde mir trotzdem keine zulegen, bitte nicht falsch verstehen. Da gibt es viel interessanteres Grünzeug. Tillandsien etwa. Die leben nur von Luft und brauchen dafür nicht mal Liebe. Nur hin und wieder etwas Bestäubung mit Wasser, besonders in der trockenen Heizperiode. Weiter kommt man pflanzenmäßig aber ohne Erde nicht, also besorge ich mir ein 5-Liter-Säckchen Erde zum Umpflanzen und dazu gleich noch neue Mitbewohner.

Einen Farn zum Beispiel. Farne brauchen mich nicht zu überzeugen, ich bin von Farn seit jeher überzeugt. Das war bis jetzt auf den Wald beschränkt, jetzt gibt es Schwertfarn für das Arbeitszimmer. Da hat man nicht nur schönes Grün vor Augen, sondern auch jemanden, der die Luft zwischen dem Lüften ein wenig frischer hält. Und wenn man ihn brav mit Wasser und etwas Sprühnebel versorgt bröselt er auch gar nicht so arg rum, ist also ähnlich pflegeleicht wie die Tillandsien. Was man vom zu Silvester erstandenen Glücksmoos nicht sagen kann. Auf den ersten Griff verliebt – so weich, so sattes Grün, ein herrliches Moos. Dass Moos aber in Innenräumen zur Zicke transformiert, das hat mir niemand gesagt. Eine Internetseite gibt Tips zur Pflege: Gleichmäßig feucht soll man es halten, dann überlebe es zumindest ein paar Wochen. Ein paar Wochen? Auf Krankheiten brauche man nicht eingehen, weil das Moos sowieso vorher stürbe. Auf Düngung ebenfalls nicht, weil eben so bald hin. Mein Ehrzeig ist geweckt. Das will ich sehen, ob man das nicht besser machen kann. Ich pflanze das Moos terrarienmäßig in einen Glasbehälter um, so soll Moos besser gedeihen. Ich sprühe jeden Tag, es darf in der höheren Luftfeuchtigkeit ohne direkte Sonne im Bad stehen, und wenn nach dem Duschen gelüftet wird, bekommt es einen Deckel, damit es sich nicht verkühlt. Weil Zug mag es auch nicht.

Die ersten Tage sind super, es wächst sogar ein wenig. Dann sieht es ein wenig kränkelnd aus, ich sprühe ein bisschen, rede ihm gut zu und tätschle ihm den Krauskopf. Und dann, so schnell kann man gar nicht schauen, beginnt der Verfall. Die äußeren Blätter (sagt man das bei Moos so?) werden lätschig und schmierig – es war ihm wohl ein bisschen zu feucht. Ich versuche gegenzusteuern und stelle das Sprühen ein. Jetzt ist es auf der einen Seite immer noch lätschig und fängt einen Gammelprozess an, während es auf der anderen Seite austrocknet. Die Sprühflasche und ich sind uns nicht einig, also erst mal nichts tun, abwarten. Nützt aber alles nichts. Nach nicht einmal zwei Wochen ist es vorbei und ich kann nur noch den Tod feststellen. Naja. Das nächste Silvester kommt bestimmt.

 

Da mein Rücken immer noch ein wenig was gegen die Zeichenhaltung hat heißt es auch heute wieder: Bild kommt noch!

#33 Der Hausbaum

Ein Hausbaum gehört am Land eigentlich dazu. Also zum Haus. Früher fungierte er als natürlicher Blitzableiter und sorgte für Schutz vor sonstigen allzu argen Übergriffen der Elemente, wodurch ihm über die Zeit magische Eigenschaften zugeschrieben wurden. Einen Hausbaum fällt man auch nicht einfach so, das bringe Unglück, heißt es. Vom Fällen sind wir aber ohnehin weit entfernt, wir würden jetzt erst mal gerne einen pflanzen. Und das macht auch durchaus Sinn, denn Bäume machen meiner Meinung nach keinen „Dreck“, wie manche Leute das sehen, sondern kühlen und befeuchten ihre Umgebungsluft, geben den besten und vor allem schönsten Schatten (da kann jeder Sonnenschirm einpacken), sind Windfänger und wenn es mal ganz ganz schlecht läuft, dann kann man sie immer noch verheizen.
Aber wie gesagt, vom Fällen sind wir noch weit entfernt. Wir haben jetzt schon einige Übung im Bäumepflanzen und finden: es kann ruhig noch einer her. Vor allem da das nach Süden ausgerichtete Gartenhäuschen, an dem der Baum stehen soll, im Sommer ziemlich von der Sonne malträtiert wird. Ein echter Hausbaum (oder halt Häuschenbaum) also, aber ein nicht allzu großer, der trotzdem das Kleinklima rund um die Hütte etwas verbessern soll.

Beim Baumkauf gibt es ein paar Regeln zu beachten: Die Borke soll keine Risse oder sonstigen Schäden aufweisen, der Stamm schön gerade wachsen (wenn man nicht gerade eine Vorliebe für krumm gewachsene Zwergformen hegt) und so weiter. Die wichtigste Regel aber ist diese: Der Baum wächst noch. Ja. Ohne Scherz, manche Leute denken da wirklich nicht darüber nach, wie groß der am Ende wird. Wenn da steht: Kann bis zu 5 Meter hoch werden, dann ist das ernst gemeint. Aber Bäume sehen halt so klein aus am Anfang. Man glaubt ihnen ja nicht, dass sie größer werden. Aber sie tun es. Beispiel Nussbaum. Ein Nussbaum beim Haus wäre ja schon nett, weil Nüsse und so. Der ist am Anfang so groß wie du. Hübsch, schlank. Und ausgewachsen ist er erst so richtig schön. Aber es stellt sich heraus, dass es keine kleinen Walnussbäume gibt, man sollte pro Baum schon mit so an die 100 bis 150 Quadratmeter Fläche rechnen, die er im ausgewachsenen Zustand über und unter der Erde braucht. Das ist ein bisschen viel. (Außerdem braucht er gute zehn Jahre, bis er überhaupt das erste Mal Nüsse trägt!) An dieser Stelle könnte ich über meinen Opa schreiben: Als meine Schwester und ich klein waren, hat er einen Nussbaum im Garten gepflanzt, der ein paar Jahre später wieder gefällt werden musste, weil er – ahja – zu groß wurde. Aber mein Opa ist von der resistenten Sorte: Vorletztes Jahr hat er wieder einen gepflanzt. In einer Ecke. Spannend.

Na gut, wir nehmen keinen Nussbaum, aber auch bei nur ca. 16 Quadratmetern Fläche sind die Möglichkeit vielfältig. Ein Ausschlussverfahren hilft etwas weiter: Magnolien sind schön, aber sie geben nur sehr lichten Schatten, Weißdorn und Co sind zu niedrig, reine Zierbäume wie Zierkirschen will ich keine. Säulenzüchtungen sehen irgendwie nicht nach echten Bäumen aus. Wir entscheiden uns für einen in der Gegend beliebten Baum: Im Ort steht z.B. die Bank, bei der sich die älteren Anreiner treffen, um zu tratschen und das eine oder andere Gläschen zu trinken, unter einem Kugelahorn. Der wächst zwar langsam, aber entwickelt eine schöne Krone mit dichtem Blätterdach und uns geht es ja häuptsächlich um den Schatten. In einer nahen Baumschule werden wir fündig: Der Stamm ist schön gerade und die Äste sind dicht verzweigt und setzen hoch genug an, um darunter durchlaufen zu können ohne sich eine Auge dabei auszustechen. Die Leute sind sehr nett, sie stellen uns den Baum sogar zu. Vom Gartentor weg müssen wir ihn selber tragen. Man glaubt gar nicht, was so ein dünnes, aber doch schon zwei Meter langes Bäumchen samt etwa fußballgroßem Wurzelballen wiegen kann. Wir holen zum Transport die Scheibtruhe. Nachdem wir uns einig sind, wo es denn hin soll, ist das Loch überraschend schnell ausgehoben, da hatten wir schon ganz andere Grabeerfahrungen (manchmal hat man wirklich das Gefühl, über einem alten Steinbruch zu buddeln). Eine Stunde später sitzt der Kugelahorn fest an seinem neuen Platz. Hallo, Hausbaum.