#54 Osterbraten

Da das Osterwochenendwetter in der Gartengegend nicht so schlecht war wie angekündigt, haben Mitmensch und ich die meiste Zeit draußen und mit den Händen in der Erde (d.h. beim Jäten) verbracht. Für ein wenig Ansporn hat ein Gartencenterbesuch gesorgt, bei dem etwa eineinhalb Dutzend Pflanzen und Pflänzchen erstanden wurden, um neue Farbe einzubringen. Es sind, wohlgemerkt, gut ausgesuchte Pflanzen: Standort trocken, volle Sonne wünschenswert. Mal sehen wie sie sich schlagen, einige der bisherigen Versuche (von den Gärtner als „lieben volle Sonne“ bezeichnete Pflanzen) waren offensicht von unserer hiesigen vollen Sonne so schwer schockiert, dass sie im Jahr darauf nicht wieder gekommen sind. Aber zurück zum Thema: Da das Einsetzen wesentlich schöner ist als das Ausrupfen, sind die neuen Pflanzen ein guter Ansporn und so landen  Löwenzahn, Ruprechtskraut, Klee und Vogelmiere (die über Herbst und Winter etwa zwei Drittel aller Gemüsebeete eingedeckt hat) scheibtruhenweise im Grünschnitt.

Am Ostersonntag legen wir am Vormittag eine Pause ein und gehen spazieren. Vier echte Osterhasen laufen uns über den Weg, warten aber nicht auf uns, sondern fetzen über Felder und durch den Wald davon, als sie Wind von uns bekommen. Am Nachmittag wird weiter in den Beeten herumgegraben und wir freuen uns auf das Abendessen: Bereits am Freitag haben wir einen Platz in einem sehr guten Gasthof in der Nähe reserviert. Normalerweise hat er nur unter der Woche auf, aber an Ostern, Muttertag oder Weihnachten wird auch an Feiertagen serviert. Und was da serviert wird – das wird ein Fest nach all der Arbeit!

Endlich ist es halb sieben, wir schneckeln uns zusammen, versuchen die Erde unter den Fingernägeln wegzuschruben und fahren los. Wir sind ein wenig zu früh dran und spekulieren, was wohl alles auf der immer ausgezeichneten Karte stehen wird. Die Parkplatzsuche ist kein Problem – alles frei. Mitmensch ist erstaunt. Ich bin ebenfalls erstaunt – ob der dunklen Fenster nämlich. Ah. Und die Türe geht nicht auf. Öm. Tja. Das Gasthaus hat offensichtlich zu. Aber wir haben doch ganz sicher für heute Abend reserviert?

Auf einer Nebentüre steht ein Schild, die Familie B. möge sich bitte bei der Rezeption des zugehörigen Hotels melden. Wir heißen zwar nicht so, aber ich gehe trotzdem zur Rezeption um nachzufragen, was da los ist. Dort werde ich bereits erwartet, ich komme kaum dazu, zu erzählen, da startet die Rezeptionistin schon die Entschuldigung: Es sei etwas schief gegangen, am Sonntag hätten sie nur zu Mittag offen gehabt, aber niemand hatte unsere Nummer und es tue ihnen so leid und ob sie uns zwei Getränkegutscheine geben könne. Und dann schenkt sie uns noch eine Flasche Weißwein. Im Kopf gehe ich die Kühlschrankinhalte durch und frage, ob sie denn am Ostermontag zu Mittag offen hätten. Ja natürlich, ein Tisch für zwei? Ich gehe mit den Gutscheinen und der Flasche Wein hinaus und erzähle. Mitmensch hat inzwischen deduziert, dass mit Familie B. wohl wir gemeint waren, nur die Schreibweise ist sehr phantasievoll geraten.

Tja. Was nun? Flasche Wein als Abendessenersatz? Wieder zu Hause ist nach zehn Minuten eine Nudel-Gemüse-Pfanne fertig und wir grinsen über die Geschichte. Und am nächsten Tag, zu Mittag, schlagen wir zu: Fritattensuppe. Spanferkel mit Waldviertler Knödel und Krautsalat. Und Palatschinken als Nachspeise. Die Hausherrin entschuldigt sich nochmals und wir zahlen weder Getränke noch Nachspeise. Das ist sehr nett – wir lassen extra Trinkgeld zurück und ich freue mich auf das nächste Mal. Das Essen dort ist einfach zu gut!

 

#52 Winter, ade!

Ob ich zu Ostern Skifahren werde? Nein, danke. Auch wenn Ostern dieses Jahr auf einen frühen Termin fällt (der frühest möglichste ist der 22. März), so stellt es für mich doch eine gewisse imaginäre Grenze dar. Ostern ist Frühling und da hat Schnee nichts mehr zu suchen und ich habe keine Lust mehr, Schnee aufzusuchen. Denn auch wenn das Wetter schön ist, der Schnee wird in der Sonne nicht besser und alles wird gatschig und plötzlich fährt man durch Wasserlacken, das muss nicht sein.

Also: Winter, ade! Unsere Raben denken auch nicht mehr ans Skifahren, die denken an den Nestbau und zerpflücken dafür unverfroren die Kokosmatten, welche eigentlich die Blumentöpfe am Balkon vor den noch immer frostigen Nächten schützen sollen. Jetzt liegen überall Kokosfasern herum und faustgroße Löcher zeugen von frühmorgendlichen Sammelflügen. Ich würde ihnen ja gerne dabei zusehen, aber sie arbeiten nicht, wenn sie unter Beobachtug stehen, da sind sie streng. Verstehe ich. Ich lege ihnen einen harten Eidotter hinaus, Sekunden später ist Hinkebeinchen da (er hat einen kaputten Fuß) und es braucht nicht viel länger, da ist der Dotter auch schon wieder Vergangenheit. Schnell noch den Schnabel geputzt, und weg ist er. Der Frost bleibt.

Aber lange wird es nicht mehr dauern. Mit dem nahenden Winterende kommt auch wieder Schwung in die Gartenarbeit und auf einmal wird die To Do-Liste dreimal so lang: Tomaten und anderes Gemüse will vorgezogen werden, Kompost beschafft und über den Winter dürr gewordene Stauden zurückgeschnitten werden. Die viel zu trocken stehenden Himbeeren und Brombeeren werden einem neuen Komposthaufen weichen, der alte muss ohnehin noch umgesetzt werden. Ah ja, und der Pfirsich soll gegen die Kräuselkrankheit mit einer Kupferverdünnung behandelt werden, aber bitte bei trockenem, bedecktem Wetter und erst dann, wenn die Knospen geschwollen sind. Da die Wochenenden nicht immer ganz so akkurat fallen, geben wir uns auch mit frostfrei bei Sonne zufrieden. Ob die Knospen schon geschwollen sind? Sagen wir mal ja. Wir sind da nicht so kleinlich.

 

#33 Der Hausbaum

Ein Hausbaum gehört am Land eigentlich dazu. Also zum Haus. Früher fungierte er als natürlicher Blitzableiter und sorgte für Schutz vor sonstigen allzu argen Übergriffen der Elemente, wodurch ihm über die Zeit magische Eigenschaften zugeschrieben wurden. Einen Hausbaum fällt man auch nicht einfach so, das bringe Unglück, heißt es. Vom Fällen sind wir aber ohnehin weit entfernt, wir würden jetzt erst mal gerne einen pflanzen. Und das macht auch durchaus Sinn, denn Bäume machen meiner Meinung nach keinen „Dreck“, wie manche Leute das sehen, sondern kühlen und befeuchten ihre Umgebungsluft, geben den besten und vor allem schönsten Schatten (da kann jeder Sonnenschirm einpacken), sind Windfänger und wenn es mal ganz ganz schlecht läuft, dann kann man sie immer noch verheizen.
Aber wie gesagt, vom Fällen sind wir noch weit entfernt. Wir haben jetzt schon einige Übung im Bäumepflanzen und finden: es kann ruhig noch einer her. Vor allem da das nach Süden ausgerichtete Gartenhäuschen, an dem der Baum stehen soll, im Sommer ziemlich von der Sonne malträtiert wird. Ein echter Hausbaum (oder halt Häuschenbaum) also, aber ein nicht allzu großer, der trotzdem das Kleinklima rund um die Hütte etwas verbessern soll.

Beim Baumkauf gibt es ein paar Regeln zu beachten: Die Borke soll keine Risse oder sonstigen Schäden aufweisen, der Stamm schön gerade wachsen (wenn man nicht gerade eine Vorliebe für krumm gewachsene Zwergformen hegt) und so weiter. Die wichtigste Regel aber ist diese: Der Baum wächst noch. Ja. Ohne Scherz, manche Leute denken da wirklich nicht darüber nach, wie groß der am Ende wird. Wenn da steht: Kann bis zu 5 Meter hoch werden, dann ist das ernst gemeint. Aber Bäume sehen halt so klein aus am Anfang. Man glaubt ihnen ja nicht, dass sie größer werden. Aber sie tun es. Beispiel Nussbaum. Ein Nussbaum beim Haus wäre ja schon nett, weil Nüsse und so. Der ist am Anfang so groß wie du. Hübsch, schlank. Und ausgewachsen ist er erst so richtig schön. Aber es stellt sich heraus, dass es keine kleinen Walnussbäume gibt, man sollte pro Baum schon mit so an die 100 bis 150 Quadratmeter Fläche rechnen, die er im ausgewachsenen Zustand über und unter der Erde braucht. Das ist ein bisschen viel. (Außerdem braucht er gute zehn Jahre, bis er überhaupt das erste Mal Nüsse trägt!) An dieser Stelle könnte ich über meinen Opa schreiben: Als meine Schwester und ich klein waren, hat er einen Nussbaum im Garten gepflanzt, der ein paar Jahre später wieder gefällt werden musste, weil er – ahja – zu groß wurde. Aber mein Opa ist von der resistenten Sorte: Vorletztes Jahr hat er wieder einen gepflanzt. In einer Ecke. Spannend.

Na gut, wir nehmen keinen Nussbaum, aber auch bei nur ca. 16 Quadratmetern Fläche sind die Möglichkeit vielfältig. Ein Ausschlussverfahren hilft etwas weiter: Magnolien sind schön, aber sie geben nur sehr lichten Schatten, Weißdorn und Co sind zu niedrig, reine Zierbäume wie Zierkirschen will ich keine. Säulenzüchtungen sehen irgendwie nicht nach echten Bäumen aus. Wir entscheiden uns für einen in der Gegend beliebten Baum: Im Ort steht z.B. die Bank, bei der sich die älteren Anreiner treffen, um zu tratschen und das eine oder andere Gläschen zu trinken, unter einem Kugelahorn. Der wächst zwar langsam, aber entwickelt eine schöne Krone mit dichtem Blätterdach und uns geht es ja häuptsächlich um den Schatten. In einer nahen Baumschule werden wir fündig: Der Stamm ist schön gerade und die Äste sind dicht verzweigt und setzen hoch genug an, um darunter durchlaufen zu können ohne sich eine Auge dabei auszustechen. Die Leute sind sehr nett, sie stellen uns den Baum sogar zu. Vom Gartentor weg müssen wir ihn selber tragen. Man glaubt gar nicht, was so ein dünnes, aber doch schon zwei Meter langes Bäumchen samt etwa fußballgroßem Wurzelballen wiegen kann. Wir holen zum Transport die Scheibtruhe. Nachdem wir uns einig sind, wo es denn hin soll, ist das Loch überraschend schnell ausgehoben, da hatten wir schon ganz andere Grabeerfahrungen (manchmal hat man wirklich das Gefühl, über einem alten Steinbruch zu buddeln). Eine Stunde später sitzt der Kugelahorn fest an seinem neuen Platz. Hallo, Hausbaum.