Valerian et Laureline

Vor zwei Wochen habe ich den Film „Valerian“ gesehen. Regisseur ist Luc Besson, unter allem bekannt wegen seiner Film „Leon der Profi“ (1994) und „Das fünfte Element“ (1997, siehe auch Leeloo). Der Film basiert auf einem Comic: „Valérian et Laureline“ ist eine französische Comic-Serie, gezeichnet von Jean-Claude Mézières (Pseudonym Mézi), geschrieben von Pierre Christin (Pseudonym Linus). Fallen einem Ähnlichkeiten in den Designs der Filme „Das fünfte Element“ und „Valerian“ auf, so liegt das nicht nur am gleichen Regisseur: Jean-Claude Mézières hat für Besson „zwischen 1992 und 1997 Hintergrund- und Kostümentwürfe, Visuals für Einrichtungen und Fahrzeuge aller Art“ (*) für den Film „Das fünfte Element“ entworfen – so viele, dass in Frankreich ein eigener Bildband dazu herausgegeben wurde (Les Extras de Mézières N°2: Mon Cinquième Élément, 1998).

Die erste „Valerian et Laureline“-Geschichte erschien 1967 in der 420. Ausgabe von „Pilote“, einem Comic-Magazin, das zu dieser Zeit von René Goscinny geleitet wurde (genau – das ist der Schreiber von „Asterix“). Diese erste Geschichte schickt Valerian per Zeitreise ins Mittelalter: Dort trifft er auf Laureline, die ihm aus der Klemme hilft und mit ihm zurück in die Zukunft reist. Von nun an ist sie bei jedem Abenteuer dabei und kennt sich mittels der „automatischen Gedankenhaube“ in der Zukunft genauso gut aus wie zuvor im Europa des 11. Jahrhunderts.

Ich muss sagen, der Titel des Films „Valerian“ hat mich durchwegs irritiert und tut es immer noch, vor allem nach den Recherchen zum Comic: Das französische Original trägt den Namen „Valérian et Laureline“. Auf Deutsch heißt der Comic „Valerian und Veronique“ (frei erfundene Namen wurden in den 70ern hier scheinbar eher abgelehnt ^^). Auch auf Englisch lautete der Titel „Valerian and Laureline“ – bis der Film produziert wurde. Jetzt heißt es bei den Neuauflagen auch dort nur mehr „Valerian“. Wieso man auf einmal die zweite, ebenso wichtige Hauptfigur einfach auslässt – keine Ahnung. (Bzw. schon eine Ahnung, aber keine gute. Das wäre in etwa: Wozu brauchen wir die Frau im Titel? Es reicht doch der männliche Held.) War „Valerian and Laureline and the City of a Thousand Planets“ zu lang und umständlich? Wollte man der Dame keinen Platz lassen? Gerade weil der Film eine sehr ausgewogene Partnerschaft zwischen den beiden Hauptfiguren zeigt und der Titel der Comic-Serie (wie auch deren Inhalt) beiden Protagonisten gleiches Gewicht gibt, gibt es meiner Meinung nach kein valides Argument dafür, Laureline unter den Tisch fallen zu lassen.

Zum Film: Der Film ist zwar schnell geschnitten und die beiden Hauptfiguren arbeiten zackig und auf die Minute, doch ist der Streifen mit einigen langwierigen Kampfszenen und v.a. einer Rihanna-Tanzeinlage bestückt, die zwar schön zum Ansehen ist, aber bei der es auch die Hälfte getan hätte. Der Plot der Comicvorlage (Im Reich der tausend Planeten, 1969) ist kaum wiederzuerkennen, ich vermute, es wurden hier mehrere Geschichten eingearbeitet oder eine neue geschaffen. Da ich aber erst drei Comic-Geschichten kenne, kann ich an dieser Stelle nur raten. Glaubt man den Verkaufszahlen, so kommt „Valerian“ in den amerikanischen Kinos nicht so gut an wie in Europa (war das nicht bei „Das fünfte Element“ ähnlich?). Als Grund dafür wird u.a. die Tatsache gehandelt, dass der Comic in den USA weniger bekannt sei als hier (ich hatte vor dem Film aber auch noch nie etwas davon gehört – vielleicht ist das eine Generationensache?).

Der „Hollywood Reporter“ meint, dass mit dem Film der „Euro-trash“ zurück sei. Natürlich hätte man eine bessere Schauspielerin als Cara Delevingne als Laureline casten können, und wenn der „Rolling Stone“ Dane DeHaan (Valerian) „manchild“ nennt, ist das zwar ein bisschen unfair, aber leider auch ein bisschen wahr. Doch ist die Geschichte gesamt gesehen eine, die nicht positiv von unkontrollierten militärischen Machthabern redet und zumindest den stark humanistischen Kern der Comics am Ende einbringt: Auf Laurelines Drängen hin wird zwar nicht ein Fehler wieder gut gemacht, aber zumindest ein weiterer verhindert. Wenn das Euro-trash ist, dann möge man mir Euro-trash geben.

Ein Mini-Sketch dazu:

 

 

*: Jean-Claude Mézières, Pierre Christin: Valerian & Veronique. Gesamtausgabe – Band 1. Hamburg 2011, Seite 11.

Sie nannten ihn Spencer

Meine Meinung zu diesem Film ist streng gespalten. Zusammengefasst ergäbe das ein Cosi cosa, wie der Italiener sagen würde. S’geht so. Der Film besteht aus hauptsächlich drei Elementen: Zum einen in Form eines Roadtrips angelegten Suche von Marcus („dem Blonden“) und Jorgo („dem Blinden“) nach ihrem Idol, Bud Spencer. Zum zweiten aus Filmausschnitten (da kann man wenig falsch machen). Zum dritten aus Interviews. Dazwischen gibt es fetzige Animationen und im Hintergrund die Filmmusik aus dem bekannten Bud Spencer und Terrance Hill Filmuniversum. Etwa „Dune Buggy“ aus „Zwei wie Pech und Schwefel“:

Zurück zum Film. Die Suche von Marcus und Jorgo macht mir ehrlich gesagt Bauchweh. Sie haben sehr persönliche Geschichten, warum sie Bud Spencer treffen wollen und ihnen die Filme so viel gegeben haben – und das ist auch sympathisch. Schauspielerisch aber sind sie nicht wirklich gut, viele Szenen wirken gestellt. Und dann gibt es sehr unangenehme Szenen, etwa wenn unangekündigt beim Pressebüro von Bud Spencer in Rom geklingelt wird, man doch nur für „ein paar Minuten“ (?!?) Bud Spencer sehen möchte und die Dame auf Italienisch nachfragt, ob man denn einen Termin habe und dass der Chef nicht da sei und dann (mir sehr nachvollziehbar) ungehalten wird, nachdem die beiden kein Wort Italienisch verstehen und „auf ein paar Minuten“ beharren, bevor plötzlich der Kameramann um die Ecke biegt. Unglaublich unprofessionell und peinlich. Fremdschämen musste ich mich aber auch bei ein paar anderen Momenten, vor allem bei den ständigen Beschimpfungen, die beide einander zukommen lassen (vor allem aber der „Blonde“ dem „Blinden“): Das soll zwar auf die Filme verweisen (Terrence Hills Kommentare wie „Fettwanst“ in Richtung Bud Spencer), aber so richtig lustig war das irgendwie nicht. Den zwei-Wochen-Trip und die dabei entstandene total enge Freundschaft zwischen beiden will ich mit Blick auf die Produktionszeit von acht Jahren auch nicht so ganz glauben. (Ganz zu schweigen von der ein wenig seltsam anmutenden Stimmung zwischen beiden. Aber vielleicht ist das so in Männerfreundschaften, da habe ich zu wenig Einblick.) Zwischen diesen Szenen kann man aber glücklicherweise aufatmen, die Interviews mit Schwimm- und Schauspielerkollegen, Stuntmans, Filmkomponisten und Regisseuren machen den (meiner Meinung nach) interessantesten und lebendigsten Teil des Films aus: Was man da hört und über die Sets und die Arbeit und Carlo Pedersoli aka Bud Spencer mitbekommt, entschädigt für die mauen Szenen der Reise von Marcus und Jorgo.

Swimming Pool

In der österreichischen Ansicht #20 habe ich vom Freiluftkino geschrieben – hier eine schnelle Zeichnung zum gespielten Film, „Swimming Pool“ von Francois Ozon. Lustig, was man für Suchergebnisse kriegt, wenn man „Swimming Pool Ozon“ bei Google eingibt. Der Film wurde 2003 gedreht, die beiden Hauptrollen spielen Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier.

Lawrence of Arabia

„Lawrence of Arabia“ wurde unter der Regie von David Lean gedreht und kam 1962 in die Kinos, er war für 10 Orscars nominiert, 7 davon hat er tatsächlich gewonnen, u.a. für besten Film und besten Regisseur. Es ist ein bildgewaltiges Werk, das sich über fast vier Stunden erstreckt. Ich sage bewusst nicht, dass es sich über fast vier Stunden „zieht“, denn das tut es nicht. Es ist ein ruhiger Film, kein langweiliger Film. Was für Einstellungen, was für Landschaften! Der Film wurde zum großen Teil in Jordanien gedreht und es ist ein Film von Männern über Männer. Den sogenannten Bechdel-Test kann der Film aus gutem Grunde nicht bestehen: Es spielt überhaupt keine Frau mit. (Ich zähle die paar Frauen in Zelten nicht mit, die man mal für ein paar Sekunden von hinten sieht.) Für alle, die den Bechdel-Test nicht kennen: Ein Film besteht den Bechdel-Test dann, wenn sich darin mindestens zwei Frauen miteinander (!) unterhalten und das Gespräch sich dabei nicht um Männer dreht. Das ist jetzt auch keine Kritik, sondern mehr eine Feststellung, etwas, was mir nach ungefähr zwei Stunden plötzlich aufgefallen ist: Ah, keine Frauen da.

In „Lawrence of Arabia“ geht es um Krieg, Macht, Einfluss, um Loyalität und Gewissensfragen – und um die Liebe eines Mannes zu einem Land, das nicht das seine ist. Aber es geht auch und vor allem um sein Ego, das im Laufe der Zeit interessante Dimensionen annimmt. Ist zu Beginn an T.E. Lawrence (gespielt von Peter O’Toole) noch der Sympathieträger, so fängt man ab ca. der Hälfte des Films an, etwas unruhig am Platz herumzurutschen, wenn er erscheint. Der zu Beginn als brutal erscheinende Sherif Ali (gespielt von Omar Sharif) hingegen wird immer mehr zur Figur, an der man sich festhalten kann. Interessant dabei ist, dass Sherif Ali über den ganzen Film hinweg seine schwarze Kleidung nicht ablegt – und Lawrence trotz der Auslotung seiner psychischen Abgründe stets in beige bzw. weiß gekleidet ist.

Beim Zeichnen ist mir noch etwas aufgefallen: Der Film ist – wie viele Monumentalfilme seiner Zeit – im Seitenverhältnis 2.20:1 gedreht worden. Versucht man das Ganze dann auf einmal in ein 4:3-Format oder – Gott bewahre – in 1:1 zu übertragen, merkt man sehr schnell, wie sehr das Format die „epische Breite“ beeinflusst. Deshalb auch hier, noch etwas extremer als 2.20:1: