#56 Handwerker

Wenn Thermen einmal nicht funktionieren, heißt das nicht, dass sie gleich kaputt sind. Wie bei vielen Maschinen und elektronischen Geräten (z.B. Computern) lässt sich ein guter Teil der Störungen durch das AEG-Prinzip lösen: Ausschalten, einschalten, geht wieder. („Have you tried to turn it off and on again?“) Bei abblätterndem Lack oder morschem Holz ist das leider nicht ganz so einfach.

Nach dem Umzug haben wir uns nicht mehr ganz so schönen Holzfenstern gegenübergesehen, von dem eines bereits ein morsches Stück hatte, da wegen eines abgebrochenen Schraubens durch die Blechverkleidung Wasser einsickern konnte. Nach vielem Hin und Her und einer unglaublich lahmen Hausverwaltung (wir haben den groben Verdacht, dass irgendwo in ihren Statuten steht, dass Mitdenken nicht nur nicht erlaubt sondern strengstens untersagt ist und bei Zuwidernhandeln irgendetwas ganz ganz Schreckliches passiert) hat man allen drei Parteien bei uns im Stock Handwerker geschickt, um die Fenster auszubessern.

Natürlich wurde das günstigste Angebot hergenommen. Ob etwas „günstig“ oder „billig“ ist, stellt sich ja meistens immer erst später heraus. Für die Nachbarin, bei der die Handwerker zuerst waren, hat sich das ganze als etwas aufwändiger erwiesen: Nachdem die Holzfenster mit der Hand (heißt ja Handwerker) abgeschliffen worden waren, wurde – anstelle einer durchsichtigen Lasur – eine lulugelbe Grundierung aufgetragen. Ohne wirklich zu fragen („Das wird ein bisschen heller, ist das eh ok?“). Den Pinsel hat dabei die Chefin persönlich geführt. Es hat ausgesehen, als hätte sie das das erste Mal gemacht: Man hat jeden Strich einzeln gesehen – besonders dort, wo sie Striche vergessen hat oder dem Pinsel plötzlich eine Ecke entgegengesprungen ist. Auf diese also nicht ganz so sauber augetragene lulugelbe Grundierung wurde dann die durchsichtige Lasur gestrichen, damit man auch alles schön sieht. Nach zwei Tagen waren sie fertig, die Nachbarin auch. Die Handwerker durften dann nochmal zwei Tage bleiben, um alles (Lasur und Grundierung) nochmal (mit der Hand) abzuschleifen und dann – diesmal ohne Grundierung – erneut eine Lasur aufzubringen.

Zu uns sind sie dann als nächstes gekommen. Wir haben alle Gedanken an Grundierungen sofort im Keim erstickt: Bitte nur Lasur! Ja ja. Und bitte das morsche Stück Holz austauschen. Ja, der Tischler kommt dann noch, sagt die Chefin. Ah. Ich bin verwirrt. Ich dachte ja, die seien alle Tischler – offensichtlich nicht. Da es ja auch – siehe oben – keine Maler sein konnten, was um Himmels Willen ist das für ein Betrieb? Elektriker? Ich traue mich nicht fragen. Zwei Menschen kommen und schleifen an den Holzfenstern, die alle im Rahmen hängen bleiben, herum. Der Tischler kommt tatsächlich, ist sehr nett und tatsächlich kompetent.

Am Ende des Tages kommt die Chefin und streicht alles mit der durchsichtigen Lasur. Ich bin überrumpelt. Schon fertig? Sie verschwinden, ohne zu bitten, dass man es sich doch mal ansehe. Ich sehe es mir trotzdem an. Die alte Lackschicht wurde nicht ohne Reste entfernt, es sieht etwas seltsam aus, aber man zieht sich zumindest keine Schiefer mehr ein. Ich hätte es schöner machen können. Aber mich zahlt ja niemand dafür. Unsere dritte Nachbarin kommt es sich anschauen und zieht die Augenbrauen zusammen.

Sie freut sich schon.