#63 Österreich im Ausland

Am Wochenende war Comic-Salon in Erlangen. Die vier Tage, die er dauert, waren mir für einen ersten Besuch dort doch ein wenig zu heftig, so habe ich mir im benachbarten Nürnberg ein Hotel gesucht: Zwei Tage Comic-Salon und zwei Tage Sightseeing in Nürnberg, das geht doch. Schon im Zug bin ich begeistert – von den Dialekten. Ein Mann tritt seinen Koffer liebevoll mehr durch den Gang, als dass er ihn schiebt und meint kopfschüttelnd zu seiner Gattin: „Schatz, bei mir rolllt dat nüscht.“ Ja, ‚rolllt‘ mit drei ‚l‘. Mindestens. Wunderbar.

Im Hotel an der Rezeption wird immer „Guten Tag“ gesagt, nie „Grüß Gott“, wie ich das so mache, ohne es recht ernst zu meinen (ich habe nicht vor, irgendjemanden vorzeitig zu seinem Schöpfer schicken, nur damit ihn der kurz grüßen kann) und danach frage ich mich, ob ich nicht auch lieber „Guten Tag“ sagen sollte. Aber ich vergesse jedes Mal. Am nächsten Tag beim Frühstück sind die meisten – wie ich – entweder alleine oder wortkarg. Ein Ehepaar sieht in die Zeitung, aber einander nicht ins Gesicht. Schade. Wo ich doch so gerne mithören würde. Der Inhalt ist mir egal, hauptsache Hessisch, Schwäbisch, Bayrisch, Platt. Und da, am dritten Tag in der Früh reden endlich zwei miteinander. Sie sind offensichtlich – wie die Hälfte der Gäste in dem kleinen Hotel – nicht zum Comic-Salon sondern wegen „Rock im Park“ hier und blicken mit sehr kleinen Augen aufs Buffet. Die Stimmen klingen nach rostigem Alteisen, aber ich kann sie gut verstehen. Tja. Es sind Salzburger.

Am Comic-Salon lerne ich ein paar nette Leute kennen und werde von diesen ab dem Zeitpunkt anderen nur mehr als „die Wienerin“ vorgestellt. Endlich habe man eine kennengelernt! Ich versuche zu betonen, dass ich ja eigentlich aus Oberösterreich komme, aber das wird als zu kompliziert und wenig griffig abgewunken. Einer meint zu Wien: „Ja, da war ich schon mal. Sind da immer alle so unfreundlich?“ Ich nicke abwägend und erzähle, dass der österreichische Tourismusverband den österreichischen Charme der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe vorgeschlagen hat. Sie lachen. Und ich? Ich lächle charmant.