2001: A Space Odyssee

Die Auflösung zu letzter Woche: „2001: A Space Odyssee“. Ein Film, den ich erst nach der Lektüre des Buches verstanden habe. Leider ist das Buch schon so lange her, dass ich nicht mehr genau weiß, was ich da verstanden habe. Dafür habe ich jetzt seit langem wieder einmal Kubricks Film gesehen (hah! und ihn wieder nur halb gecheckt). Bei Recherchen dazu habe ich gelesen, dass beide Versionen – Film und Buch – in etwa zeitgleich entstanden sein dürften, da Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke sich beim Schreiben des Drehbuchs nicht immer einig waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Stoffen, die vom Buch zum Film oder umgekehrt, vom Film zum Buch wurden, gibt es hier also nicht wirklich ein „davor“ oder ein „Original“, eher ein Nebeneinander, was die Sache noch spannender macht.

Beim Filmschauen ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass HAL 9000, der mit KI ausgestattete Computer an Bord des Raumschiffs, nicht nur aus einer rot leuchtenden und blau spiegelnden Linse besteht (schöne Symbolik), sondern er in einen schwarzen Block eingebettet ist – der die gleichen Maße aufweist wie der schwarze Monolith. Vorausgesetzt, ich habe richtig gemessen. Ich und mein Geodreieck vor dem Fernseher, das muss wohl etwas schräg ausgesehen haben. Ist das Interesse (die Neugierde, möchte man fast sagen) von HAL am Monolith deswegen so groß, weil eine unausgesprochene Verbindung zwischen beiden besteht? In Folge seiner kleiner Befehlsabweichung (à la „eigentlich darf ich ja nichts sagen, aber …“) täuscht er sogar einen nicht vorhanden Fehler vor, um von dieser verbotenen Neugier abzulenken – was zu Misstrauen, Tod und schließlich zur Dekonstruktion der KI führt. Tja, wenn man sich jetzt nur wieder an das Buch erinnern könnte. Nicht, dass der Film nicht alleine bestehen könnte, wenn man mehr Ahnung von Musik hat als ich soll das sogar alles ziemlich schön Sinn ergeben, doch fällt es mir anders, d.h. mit etwas weniger akustischen und mehr grafischen Anhaltspunkten, leichter.

HALs Einbettung in das schwarze Rechteck ist mir zu spät aufgefallen, da hatte ich bereits mit dem Inking angefangen, sonst hätte ich das Ganze anders komponiert: Block 1 mit Urmensch gespiegelt und nach links gerückt, schräg rechts darüber HAL in einem zweiten schwarzen Block, dazwischen Dave Bowman, den letzten Überlebenden der Crew von Discovery One. Im tatsächlich realisierten Bild gibt es zwei schwarze Monolithen, um das Gleichgewicht im Bild zu halten, sonst würde es nach rechts kippen. Vielleicht arbeite ich es tatsächlich nochmal alles um, es ärgert mich ein bisschen…

Aber wenn, dann lese ich vorher noch das Buch.

Der Gschupfte Ferdl

Der Entstehungsprozess eines Bildes verläuft ja nicht unbedingt geradlinig. Am Anfang springt einen eine Idee an (vorzugsweise vor allem dann, wenn man gerade nichts zu schreiben mithat) oder sie lässt sich aus einer noch vagen Vorstellung heraus entwickeln. Am Beginn stand hier ein Wienerlied, 1952 von Gerhard Bronner getextet und komponiert. Für Bronner wiederum stand ein gewisser Ferdinand Valek am Anfang, ein Wiener Original mit 52 Vorstrafen. Für meine Illustration zu „Der gschupfte Ferdl“ (hochdeutsch „Der psychisch nicht ganz zurechnungsfähige Ferdinand“) haben mich vor allem die „grün und gellb gestreift[en]“ Socken (ja, das heißt „gellb“, mit Doppel-L) angesprungen, weil natürlich elegant und die Farben oh là là. Die Bleistiftskizzen lasse ich aus, aber es brauchte dieses Mal insgesamt drei Anläufe, um zu einem für mich zufriedenstellenden Ergebnis zu gelangen. Beim ersten Versuch hat – bis auf die Socken – überhaupt nichts funktioniert, eine etwas schlampige Arbeit. Man merkt aber bei der Kolorierung der Schuhe, dass mir das zu diesem Zeitpunkt durchaus schon bewusst war. Das Kolorieren hatte auch nur mehr den Zweck um für die nächste Zeichnung zu sehen, ob sich die Farben denn miteinander vertragen würden.

Versuch Nr. Zwo lief dann trotz Änderung der Komposition ebenfalls schief, weil ich zwischen Bleistiftzeichnung und Inking leider die Beine nicht auf ihre Geradlinigkeit hin überprüft habe. Den Ferdl dann aber mit gebrochenem linken Bein (also von ihm aus gesehen) durch die Perfektion tanzen zu lassen, konnte ich nicht über mich bringen.

Ergo folgte Versuch Nr. Drei, der sich dann als finaler herausgestellt hat. Na also. Es geht doch. Dass hier nur die Socken bunt sind, ist übrigens eine echte Entscheidung, es liegt nicht daran, dass es mich nicht mehr gefreut hätte.

Und hier Gerhard Bronner und „Der Gschupfte Ferdl“:

 

„Brillantine“. Schade, dass dieses Wort heute nicht mehr benutzt wird. Fast so schade wie das Verschwinden der „Haarfrisur“. 😀

Zwegn dem „Gellb“ wärs gewesen: Das Meidlinger L hat übrigens einen eigenen Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Meidlinger_L

Dante Alighieri: La Commedia

Ich glaube, es war letzten Oktober in San Gimignano in der Toskana, als in einer etwas abgelegenen Ecke – von welcher eine Treppe hinunter und ein schmaler Weg nach rechts in einen kleinen Park führte – ein Mann in Leinenhemd und altrosa Gewandung eine ebenfalls altrosa Linnenmütze aufsetzte. Er ähnelte Dante, wie er von Domenico di Michelino in der Kathedrale von Florenz, der Santa Maria del Fiore, in einem Fresko dargestellt ist:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/58/Dante_Domenico_di_Michelino_Duomo_Florence.jpg/1024px-Dante_Domenico_di_Michelino_Duomo_Florence.jpg

Der Mann, der im Profil eine scharfe Nase zeigte, positionierte sich und fing an, mit großen Gesten und gewaltiger Stimme auf Italienisch aus der „Commedia“ vorzutragen. Nachdem er geendet und wir applaudiert hatten, verständigten wir uns ein wenig mit Händen und Füßen (meine Italienischkenntnisse beschränken sich hauptsächlich aufs Essen). Er zeigte uns daraufhin eine sehr alte Ausgabe der „Commedia“ und wir durften mitlesen, als er den ersten Gesang der „Göttlichen Komödie“ vortrug. Hier ein kurzer Auszug auf Deutsch:

„Da plötzlich, fast noch am Beginn der Anhöhe,
eine Pantherkatze, sehr geschmeidig und flink,
die mit geflecktem Fell bedeckt war;
und ging mir nicht mehr vor dem Gesicht weg,
verstellte mir vielmehr derart den Weg,
dass ich mich unverwandt zur Umkehr wandte.
Es war die Zeit beim Anbruch des Morgens,
und die Sonne stieg auf in den Sternen,
die mit ihr waren, als die göttliche Liebe
diese schönen Dinge zum ersten Mal bewegte.
So gaben mir Tagesstunde und sanfte Jahreszeit
eigentlich Anlass, Gutes zu erhoffen
von diesem Wildtier mit dem gesprenkelten Fell.
Nicht so sehr indessen,
dass mir nicht der Anblick eines Löwen,
der sich mir auftat, Furcht einjagte.
Dieser schien auf mich zuzukommen
mit erhobenem Haupt und mit wütendem Hunger,
sodass die Luft vor ihm zu erbeben schien.
Und eine Wölfin, die in ihrer Magerkeit
mit allen Arten der Gier beladen schien
und schon vielen Leuten das Leben elend gemacht hatte,
die schuf mir solche Bedrückung mit der Angst,
die von ihrem Anblick ausging,
dass ich die Hoffnung auf die Höhe verlor.“ (Erster Gesang, 31-54)

„Die drei Bestien werden gewöhnlich gedeutet als Allegorien der Wollust, des Hochmuts und der Habsucht […]“, wobei neuere Deutungen einen Einfluss von Avicenna geltend machen und die drei Tiere mit drei verhängnisvollen Begleitern, „eine[m] Lügner[], der vorweggeht, eine[m] Zornigen zur Linken und eine[m] Habgierigen zur Rechten“, gleichsetzen. (Siehe Ausgabe S. 14, Fußnote 32)

So denn also auch hier zu dritt auftretend:

Ausgabe: Dante Alighieri: La Commedie / Die Göttliche Komödie. I. Inferno / Hölle. Italienisch / Deutsch. In Prosa übersetzt und kommentiert von Hartmut Köhler. Stuttgart 2010.

Quelle für das Bild des Fresko: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dante_Domenico_di_Michelino_Duomo_Florence.jpg

 

 

Crocodile Attack

This is a book I picked up in Brisbane, Australia. To be more precise, it kind of fell in front of me somewhere in this place:

A place stuffed with books – although not every shelf looked as bad as the piano-section:

„Crocodile Attack“ lives up to its promise: It starts with a biblical motto („Consider the chief of the beasts, the crocodile / Who devours cattle as if they were grass […]“ – The Book of Job, Old Testament) and continues with a foreword of Paul Hogan, famous for his leading part in „Crocodile Dundee“. The last two sentences of the foreword are: „If you knew little about the beast before, you’ll be an authority on him by the time you have read Crocodile Attack. I can also guarantee you one thing: once you’ve read it, you’ll think twice before you go swimming in croc country.“ Well, that sounds convincing!

The book tells a bunch of stories of human and croc encounters – lethal and lucky ones. The stories are well to read, a bit on the sensational side and therefore follow the lurid title of the book. But this is just one side of the book, because these parts mix in a weird, although not contradictory way with chapters like „Management of Crocodiles“ or „What of the Future?“, which elaborate on scientific discoveries (the book was first published 1989), how to improve the public knowledge on crocs and how to preserve their environment. A weird mixture that tries to trick people into learning stuff about animals they don’t think they would like/respect/be curious about. Excellent job 🙂

(Yeah, yeah, got a bit lazy with the lettering here, but it fits with the scribble-style of the rest. At least that’s the excuse I’ll be going with.)

H.M. Murdock

„Vor einigen Jahren wurden vier Männer einer militärischen Spezialeinheit
wegen eines Verbrechens verurteilt, das sie nicht begangen hatten.
Sie brachen aus dem Gefängnis aus und tauchten in Los Angeles unter.
Seitdem werden sie von der Militärpolizei gejagt, aber sie helfen anderen,
die in Not sind. Sie wollen nicht so ganz ernst genommen werden, aber
ihre Gegner müssen sie ernst nehmen. Also wenn Sie mal ein Problem haben
und nicht mehr weiter wissen: Suchen Sie doch das A-Team!“

Seit Jahren habe ich das jetzt wieder einmal gehört – den deutschen Intro-Text zum „A-Team“. Und zum ersten Mal habe ich ihn wahrscheinlich bewusst wahrgenommen. „Sie wollen nicht so ganz ernst genommen werden“? Und die Stimme ist großartig o_O („Das E-Team“!)

Jaja, die 80er und das „E-Team“. Kindheitserinnerungen. Was da für Massen an amerikanischen Mittelklassewagen von der Straße abgekommen und explodiert sind. Jeder zweite hatte seinen eigenen Hubschrauber. Und wer keinen Hubschrauber hatte, hatte ein Flugzeug. Oder zumindest ein Flanellhemd. Und hier mein damaliger Lieblingscharakter: Howling Mad Murdock. Nicht ganz getroffen, aber ich glaube zumindest die Familienähnlichkeit ist da. Auch ohne Socke.

#7 Reisepass

Freitag letzte Woche musste ich aufs Amt. Ich hatte mir online einen Termin ausgemacht – mein Reisepass beendet seine Laufbahn dieses Jahr. Wie die Reisepässe von 1,1 Millionen anderen Österreichern und Österreicherinnen auch – zumindest ist das die Zahl, die das BMI nennt. Manche Zeitung (und so manches Gratis-Blatt) drohte bereits mit elendslangen Wartezeiten bei der Passausstellung. Das stimmt aber nicht ganz, die Pässe werden alle innerhalb von fünf bis sieben Werktagen aus- und zugestellt. Die Beantragung selber geht also recht flott, meiner kam gestern bereits an. Nur auf den Termin selbst muss man länger warten (bei mir waren es glaube ich drei Wochen).
Als der große Tag nun endlich herangerückt war, ging ich mit allen möglichen und unmöglichen Unterlagen am Freitag zum 13 Uhr-Termin aufs Amt. Tja. Ich war zu früh. Bereits um 12:45 war ich da und stand vor dem mit rot-weißem Absperrband drapierten Tisch. Jaja, das Absperrband. Man hatte anscheinend einen Tisch für den Empfang ausgesucht, der zwar eine Fläche zum Schreiben für die davor stehenden Personen hat, aber keine optische Trennung. D.h. man sieht, was die dahinter sitzenden Herren und Damen schreiben oder welche persönlichen Figürchen und Fotos auf dem Tisch drapiert sind. Andererseits sehen die hinter dem Tisch Sitzenden den vor dem Tisch stehenden Personen ziemlich gut auf den – ich sage mal – Bauchnabel. Ergo wurde der Allrounder unter den Sichtschutzen ausgepackt: das Absperrband. Zum einen rollt sich da jetzt also das Rot-Weiß-Rot der östereichischen Fahne um den Amtstisch, um indiskrete Blicke in beide Richtungen zu unterbinden, andererseits fördert es gerade dadurch den Drang, nicht vielleicht doch einen Blick dahinter werfen zu können. Ich, eine Viertelstunde zu früh da, versuchte mich bereits an den Gedanken zu gewöhnen, diese Zeit nun mit besagtem Absperrband zu verbringen. Der Herr beim Empfang allerdings unterbrach mich. Und noch dazu freundlich. Er tätigte einen Anruf und meinte, ich könne mir gleich ein Warteticket draußen holen. Ich war etwas enttäuscht und nachdem ich „rechts“ gefunden hatte (sofort nach zwei Anläufen), spuckte ein kleiner Automat „Warteticket PS033“ aus, woraufhin ich sofort aufgerufen wurde.
Ich war irritiert. Und enttäuscht. So geht es mir bei Amtsbesuchen in letzter Zeit immer öfter. Nichts da mit MA 2412 gemäßen Zuständen. Alle freundlich. Die meisten hören einem sogar zu. Und nagen dabei an meinen lange aufgebauten Vorurteilen über das Amt im Allgemeinen, das österreichische Amt im Besonderen und meinen Vorstellung vom Amtsschimmel.
Ich fasse zusammen: Noch nicht Zeit für meinen Termin und trotzdem schon dran! Kurz habe ich überlegt, ob ich einfach aus Protest gegen diese Zustände draußen sitzenbleibe. Habe mich aber natürlich nicht getraut und bin zu Tisch 4, wo ein Herr S. mich empfing, ein junger Mann mit noch nicht ganz dicht gewachsenem Bart und einer RIESIGEN schwarzen Armbanduhr. Nachdem alles erledigt war (Stempel, Zeigefinger scannen, anderen Zeigefinger scannen, Stempel, Unterschrift, noch eine Unterschrift), schickte er mich mit einer Rechnung zur Kasse.
Ich ging quer durchs Gebäude, geleitet von mehreren professionell mit Tixo aufgehängten „KASSE“ (+ Pfeil)-Zetteln in Klarsichtfolie.
Die „KASSE“ ist ein kleiner Schalterraum. Und hier, endlich, war ich im „Amt“ angekommen. Ich versuchte ein locker-flockiges: „Ich darf Ihnen Geld geben.“ Hinter der Glasscheibe saßen drei Damen, zwei davon älter und von bullig-dicklicher Statur, und dazu eine jüngere, auf dem Weg zu bullig-dicklich. Es roch eindringlich nach McDonald’s. Auf meinen Kommentar hin gab es keine Reaktion, die jüngere, an deren Schalter ich stand, streckte nur die Hand nach der Rechnung aus. Ohne mich eines Blickes zu würdigen warf sie mir ein „75,50 €“ hin.
Ich gab ihr das Geld, sie druckte zwei Belege aus und stempelt sie (endlich, mehr Stempel!), schob sie zum Schalterfenster (Es wäre übertrieben zu behaupten, dass sie sie mir hingeschoben hätte). Ich sagte „Danke“, sie sagte: „Können wir jetzt mal die Fenster aufmachen?“ Ich sagte „Auf Wiedersehen“ Sie: „Wiedersehen.“

Es war dann doch noch ein schöner Abschluss 🙂

(Dieses Mal ein Scan, kein Foto – alles so schön weiß!)