Kugeln!

Über Scheibbser Kugeln habe ich ja schon geschrieben, unten gibt es jetzt dazu eine Abbildung 🙂 (Text vergessen? Man erinnere sich an das hier.) Die Pistazien-Süßigkeit, im Geschenkeshop der Schallaburg erstanden, war unbeschriftet. Ich dachte zuerst es sei eine Süßigkeit. Aus der durchsichtigen Plastikfolie gelöst hat der Geruch dann eher an Badekugeln erinnert. Trotzdem abgebissen. Schmeckt sehr süß und nach Rosenparfum und war offensichtlich essbar. Hat mich aber immer noch an Badekugeln erinnert. Egal. Ich habe Hunger gehabt.

#23 Kunstfabrik

Der Illustrator Felix Scheinberger schreibt: „Wasserfarbe klingt nach Schulzeit, nach Borstenpinsel und Pelikan-Kästen. Der bei uns oft verwendete französische Begriff Aquarell klingt hochwertiger, ist aber bei Gestaltern oft seltsam negativ belastet. Eine ganze Generation denkt dabei schnell an Hobbymalerei.“ Ich auch. Deswegen habe ich mich bis jetzt weit weg von Aquarell gehalten. Vorurteil zwei: Die Kunstfabrik roch für mich nach Hobbymalerei und Esoterik. Es ist ein Ort, an dem Kurse zum Zeichnen, Malen, Töpfern angeboten werden: Von „Armstulpen“ über „Bunt zeichnen“ bis zu „Befreit von allen Zwängen – Abstraktion“ findet man alles, immer schön geblockt am Wochenende. Ich habe trotzdem einen Kurs gebucht: „Reisetagebuch in Skizzen und Aquarell“, weil ich es unglaublich cool finde, was die Urban-Sketching-Community so im Internet verbreitet. Zum Beispiel sowas:

Nein, das ist nicht von mir. Ja, ich will das auch können.

Gut. Also ein Wochenend-Intensivkurs in Aquarell. Von halb 10 in der Früh bis 5 am Abend, drei Tage lang hintereinander. Was anstrengender war als ich zuerst dachte, und ich war jeden Tag (zudem mit einer Stunde hin- und retour) ziemlich fertig.

Erster Tag, Hinweg, ich will mir noch etwas zu Essen kaufen, ich wusste ja noch nicht wie das dort so alles funktioniert. Es stellt sich aber heraus, dass der Bahnhof Stadlau nur eine Apotheke hat und sonst im schönsten Industriegebiet liegt. Ich gehe Richtung Kunstfabrik. Ein Tankstellenschild taucht auf – na gut, zur Not sollte ich dort auch etwas bekommen. Nope. Selbstbedienungstankstelle. Hm. Ah, ein Hofer-Schild. Hoffentlich kein Lager? Nein, tatsächlich, man darf Geld ausgeben. Was ich dann aber gar nicht machen musste, weil in der Kunstfabrik wird gekocht (z.B. Kürbis-Rotkraut-Strudel und Marillenkuchen). Mit 8 € für die Hauptspeise ist das zwar teuer, dafür kann man die Köchin in der kleinen Küche beim Werkeln zuschauen und es wird alles frisch zubereitet.

Die Gruppe bestand aus dem Kursleiter, dem Architekten und sehr netten Herrn Lothar Jell-Paradeiser, sowie zwölf Teilnehmerinnen, von meinem Alter an aufwärts. Eine in Luxemburg lebende Französin ist extra für den Kurs angereist, wie auch eine Linzerin und eine Innsbruckerin, die fantastisch zeichnet. Alle waren per Du, sehr locker und freundlich, hilfsbereit und interessiert. Lothar hat ständig seine Runde gedreht, begutachtet, Tipps gegeben, kleine Geschichten erzählt, zwischendurch geraucht und in zehn Minuten schnell eine Skizze oder eine Farbstudie aufs Papier geworfen. Die meisten Teilnehmerinnen waren sehr selbstkritisch. Eine Dame hat gemeint, als eine andere ihr Bild betrachtet hat: „Darf ich?“ und hat das Bild genommen, um damit ein paar Schritte wegzugehen: „Man muss es weiter weg halten. Dann hat es mehr Wirkung. Hat mir Anni gerade gezeigt. Wenn ich das in den zweiten Stock hänge, sollte es weit genug weg sein, um richtig wirken zu können.“

Spannend war, dass es in der Kunstfabrik einen eigenen kleinen Boesner gibt (Boesner verkauft Kunstmaterialien, der Shop in Wien Simmering hat eine Verkaufsfläche von 3000 Quadratmetern). Was ich ziemlich gemein finde. Das ist in etwa so, als ob man Alkoholikern neben ihren Arbeitsplatz eine kleine Bar aufbaut. Aber ich habe mich zusammengerissen.

Da es in dem Kurs ja vor allem um vor-Ort-zeichnen ging, setzten wir auch nach draußen und hielten die Kunstfabrik von draußen fest (bevor es zu regnen anfing), fuhren an die Alte Donau (bis es zu regnen anfing) und machen uns am Sonntag vor dem Palmenhaus und im Volksgarten breit (an diesem Tag hat es nicht geregnet). Beim Freilandzeichnen lernt man den Körper effektiv auszunutzen: Auf den Oberschenkeln liegt das Papier, auf dem man zeichnet/malt, plus ein zweites zum Farbe testen. Mit der linken Hand halte ich den Aquarellkasten, darauf balanciert außerdem das Wasser und weitere Pinsel, sollte man wechseln wollen (Lothar Kommentar zu meinem Pinsel: „Was, so klein und schon ein Pinsel?“). In der rechten Hand ist wahlweise gerade der Tuschestift oder der aktuelle Pinsel, in der Hosentasche ein Stück Küchenrolle, wenn ich zu viel Wasser/Farbe aufgetragen habe. Sollte ich die Küchenrolle brauchen, halte ich den Pinsel in der Zwischenzeit mit dem Mund fest. Und nie – NIE – den Aquarellkasten schief halten, denn das schmutzige Wasser muss wirklich nicht in den darunterstehenden Rucksack laufen. (Meine große Angst. Ich hätte den Rucksack natürlich auch anders platzieren können, aber dazu hätte ich eine freie Hand gebraucht. Also ging das nicht.).

Fazit: Ich habe brav meine Vorurteile gegenüber Aquarell abgebaut, muss aber nicht unbedingt den „Befreit von allen Zwängen“-Kurs besuchen. Ich komme mit meinen Zwängen ziemlich gut aus. Außerdem habe ich durch die Bank charmante Menschen kennengelernt, die gerne und zum Teil wirklich hervorragend zeichnen. Aquarell ist schwierig, weil „was liegt, pickt“ und es ist kein Gebiet, das sich einem einfach so zu Füßen legt. Tjo. Manche Blicke über den Tellerrand wirken sich positiv auf die Perspektive aus.

Zitat: Felix Scheinberger: Wasserfarbe für Gestalter. Mainz 2012, S. 7.