#65 Kühlen Kopf behalten

Die Anzahl der Hitzetage wird in den nächsten Jahren weiter steigen, 2040 soll im Durchschnitt jeder vierte Tag in Wien ein Hitzetag werden. Pfuh. Meine Lieblingstemperaturen liegen mehr so zwischen 15 und 24 Grad, das könnte anstrengend werden. Bleibt nur auswandern – oder Strategien des Kühl-bleibens zu entwickeln.

Wurde das Büro dank Klimaanlage nicht ohnehin bereits in einen begehbaren Kühlschrank umgewandelt, gibt es während der Arbeit zumindest ein paar  Möglichkeiten, um in der Hitze nicht einzugehen:

  • Man hat z.B. einen Fächer dabei. Ist einem das zu peinlich, weil man nicht ungewollt zweideutige Botschaften mittels Fächersprache versenden möchte oder braucht man beide Hände zum Arbeiten, dann besorge man sich rechtzeitig die elektronische Variante: einen Ventilator. (Die umweltschonende Möglichkeit wäre jemanden einzustellen, der einem mit Bananenblättern frische Luft zufächelt. Fördert auch die Wirtschaft und senkt die Arbeitslosenrate.)
  • Andere Möglichkeit, sofern in der Arbeit möglich: Früh aufstehen, arbeiten, dann – ganz wie die Experten im Süden – eine lange Siesta einlegen und ab ca. halb 5 wieder an den Schreibtisch gehen. Dazwischen bewege man sich so wenig wie möglich. Sonst könnte man natürlich auch den Job wechseln und in einem griechischen Restaurant anfangen. Am besten gleich in Griechenland.
  • Das kenne ich zwar nur aus Lustigen Taschenbüchern, aber ich will es nicht unterschlagen: Donald hält seine Füße in einen Kübel mit Eiswasser. Ich bin skeptisch, denn wenn man die Füße wieder herausnimmt, fördert das doch die Durchblutung und die Füße werden sehr, sehr warm…? Aber wer weiß. Vielleicht darf man auch einfach nur die Kühlkette nicht unterbrechen.
  • Es gibt Mentholsticks, mit denen man sich über die Stirne und den Nacken fahren kann. Wenn man nicht zu empfindlich auf ätherische Öle reagiert, ist das hin und wieder ganz fein.
  • In China trinkt man (heißen) Chrysanthemen-Tee, der kühlt von innen. Wer das nicht glaubt oder falls keine Chrysanthemen vorhanden sind, der mache sich einfach einen Eistee: Am Vorabend (!) Schwarztee machen, über Nacht abkühlen lassen (Teebeutel nicht vergessen!) und am nächsten Tag mit Zitronensaft und Eiswürfeln bestücken. Wunderbar! Am besten gleich ein paar Liter machen. Dann vergisst man auch nicht, genug zu trinken.

Hat man frei, sind die Möglichkeiten etwas breiter gefächert:

  • Man fährt ins Waldviertel. Oder in die Berge. Oder geht schwimmen. Hauptsache weg von Wohnung und Asphalt und Beton.
  • Oder man räumt einfach einmal den Keller zusammen. Und wenn man schon dabei ist, kann man auch gleich eine Leseecke dort einrichten – in weiser Vorraussicht auf das Jahr 2040.
  • Man kann natürlich auch ins Museum gehen, aber da sollte man gut aufpassen, in welches. Die Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum in Wien z.B. hat in etwa angenehme 23 Grad. Wenn das nicht ein Grund für eine Jahreskarte ist!
  • In der Nacht zu lüften und während des Tages dafür alle Fenster und Jalousien zuzumachen versteht sich hoffentlich von alleine. Aber es gibt genügend Leute, die die Prinzipien der Thermodynamik ignorieren und tagsüber die Fenster aufmachen, damit es mal schön durchzieht. Weil Luftzug = kühl. NEIN?!
  • Und – das geht natürlich immer -: Eis. Beim Eis sind die Möglichkeiten nahezu endlos: Lieber einen Eisbecher und dabei dem Treiben an der Eistheke zusehen oder doch zum Mitnehmen? Auch auf die Gefahr hin, dass beim Gehen, Schauen und Schlecken nicht jedes Eisrinnsal, das unten strebt, sofort entdeckt wird… Oder doch lieber mal veganes Eis probieren? Frozen Joghurt wäre auch wieder mal fein. Oder ganz klassisch ein Magnum oder Cornetto vom Billa, in der Hoffnung, dass es noch nicht aus ist und man plötzlich mit einem Twini dasteht. Nichts gegen Twinis, aber wenn das gewünschte Eis aus ist, dann ist das schon ein Moment der Entäuschung. So wie wenn im Freibad der Mensch vor einem das letzte Calippo weggekauft hat, obwohl man sich schon so darauf gefreut hat und es das größte Eis war, das man sich noch leisten konnte. Es hat 10 Schillinge gekostet – und der Sprung zum Cornetto mit 14 Schillingen war weit und das Taschengeld knapp.