#58 Tierliebe

Beim Spazieren in der Nähe des Gartens läuft mir eine Amsel über den Weg. Erstaunlich nahe. Normalerweise sind sie immer furchtbar nervös, wenn sie sich durch die Blätterhaufen im Wald wühlen. Da sehe ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung in den Blättern. Oha, da sitzt ein junger Vogel, keinen halben Meter weg von der Straße, hinter ihm eine ordentlich steile Böschung. Er hat schon Federn, aber noch nicht alle und der Flaum steht ihm um den Kopf. Vielleicht eine junge Amsel? Ich merke mir die Stelle und gehe eine Runde. Beim Zurückkommen sitzt er immer noch da, fiept und sperrt den Schnabel auf, als ich mich zu ihm hinunterbeuge. Öm. Das war jetzt unerwartet. Ist das normal? Ich sehe mich um, kein Nest in Sicht.

Ich gehe nach Hause und google. Den Unterschied zwischen Nestlingen und Ästlingen kannte ich zumindest bereits theoretisch: Nestlinge brauchen Nestwärme und Eltern, Ästlinge sind schon etwas weiter in der Entwicklung, haben ihr Federkleid schon und versuchen Fliegen zu lernen, werden von den Eltern aber immer noch gefüttert. Nestlinge werden außerhalb des Nests von den Eltern nicht gefüttert und sie verlieren in der Nacht zu viel Wärme und sterben. Ich gehe zur Böschung zurück und schaue mir den Vogel an. Ist das jetzt ein Nestling oder ein Ästling? Er fiept wieder. Ahhh!

Zurück zum Gartenhaus, ich google und rufe eine Tierstation an. Die Dame am anderen Ende der Leitung kocht offensichtlich gerade und meint – leicht abgelenkt -, sie sitzte in Graz und gibt mir eine niederösterreichische Nummer. Ich rufe dort an – die Dame dort sagt, nein, sie sei bei Schwechat, das sei ja viel zu weit weg, ich solle mich doch an das hiesige Tierschutzheim wenden. Es ist halb sieben am Abend, das hiesige Tierschutzheim hat schon lange zu.

Zurück zum Kücken. Ich muss ein wenig suchen, der Vogel ist einen halben Meter weitergerobbt (?). Von der Amsel ist weit und breit nichts mehr zu sehen und nach einer genaueren Begutachtung finde ich nicht mehr, dass er wie eine Amsel aussieht. Vielleicht eine Drossel, die sich irgendwo an der Grenze zwischen Nestling und Ästling befindet.

Ich will wieder zurück zum Haus, da sehe ich das Nest. Etwa sechs Meter genau über der Straße. Jaa… Ihn da wieder hineinzusetzen, das wird wohl nix. Ich hole einen alten Blumentopf, ziehe mir die Gartenhandschuhe an und gehe zurück (was für ein Hin und Her heute!). Ich bugsiere den Vogel in den Blumentopf, was schwieriger ist als erwartet. Er fiept vorwurfsvoll, wehrt sich sehr agil und versucht die ganze Zeit, wieder aus dem Topf zu springen. Zu Hause bugsiere ich ihn in einen doppelt so hohen Blumentopf und habe immer noch Angst, dass er herausspringt. So jung ist der wohl doch nicht mehr, er hat sehr lange Beine, aber es dämmert schon. Er regt sich furchtbar auf, aber eine Nacht im Warmen wird ihm hoffentlich nicht schaden. Ich recherchiere weiter und sehe, dass Drosseln sehr früh das Nest verlassen, aber von den Eltern im Auge behalten werden. Tjo, dann habe ich wohl einen Fehler gemacht. Aber man kann „aus Versehen“ mitgenommene Vögel bis zu 24 Stunden wieder an den Fundort zurückbringen, die Eltern finden sie dann wieder. Ich entschuldige mich beim Vögelchen, gebe ihm etwas kleingehacktes hartes Ei und Wasser und lege ihm eine Zeitung auf den Blumentopf, damit es endlich Ruhe gibt.

Nach einer sehr unruhigen Nacht (jedesmal, wenn sich das Küken bewegt hat, bin ich aufgewacht und habe gehofft, dass es nicht gerade stirbt) bin ich um halb sieben draußen und bringe das „aus Versehen“ mitgenommene Küken zurück. Diesmal aber nicht an die Straße, sondern oben auf die Böschung, dahinter geht es in den Wald. Freudig wackelt es der Freiheit entgegen und fiept wieder ausgiebig. Ich hocke mich, übermüdet und leicht fröstelnd, in einiger Entfernung hin und es dauert keine halbe Stunde, da setzt sich eine Drossel in die Nähe des Kleinen, Würmer im Schnabel. Stacksig gehe ich nach Hause – schlafen!

Beim nächsten Mal überlege ich mir das besser vorher.

 

#57 Whiskey und Whisky

Ich habe zu Weihnachten eine Whisk(e)y-Verkostung geschenkt bekommen. Der kleine sprachliche Unterschied liegt im Gälischen: Das schottische Gälisch lässt das kleine „e“ im Whisky weg, während das irische Gälisch es drinnen hat. Und da viele Destillerien auf US-amerikanischen Boden irische Wurzeln haben, wird auch dort das kleine „e“ gehegt und gepflegt.

Die Verkostung findet im „Highlander“ statt, auf jedem Platz steht ein leeres Wasserglas, ein Glencairn-Glas und ein kleines schwarzes Heft samt Kugelschreiber, damit man Name, Alter, Fassart, Stärke, Farbe, Nase, Geschmack etc. eintragen kann. Ich will mir schon einen Platz suchen, da werde ich zurückgehalten. Jajaja. Ich suche den Gutschein heraus, mein Name wird abgehakt und Michael Pichler, der heute alles erklären wird, fragt, ob ich alleine hier sei. Ich bestätige und er erklärt, es gibt vier Tische mit je fünf Plätzen. Da sie aber etwas überbucht sind, gibt es noch einen Einzelplatz. Ich freue mich, dass ich den kriege, denn ich hatte mir schon überlegt, dass es – je nach Tischnachbarn – wohl ein anstrengender Abend werden könnte. Aber zu früh gefreut, fünf Minuten später werde ich wieder umgesetzt. Ein nettes Ehepaar und zwei junge Männer, wohl etwa in meinem Alter, komplettieren meinen Tisch. Ok. Besser als gegen die Wand zu schauen.

Ich harre gespannt der Dinge die da kommen, denn das Ganze soll zweieinhalb Stunden dauern. Zur Sicherheit habe ich mir ein Buch mitgenommen, ich weiß ja nicht, wie so etwas abläuft. Ich komme aber nicht dazu, es aufzuschlagen. Wir starten mit einer halben Stunde Theorie, in der u.a. die Sache mit dem „e“ geklärt wird. Weiters erfahren wir, dass ein Single Malt nur aus einer Destillerie kommen, aber nicht zwingend nur aus einem Jahrgang bestehen muss und es Bierhefen gibt, die bis zu 40 oder 50% Alkoholgehalt schaffen (aber nicht für Whisk(e)y verwendet werden). Danach kommt der praktische Teil. Michael schenkt uns je 2cl des „Writer’s Tears Pure Potstill“ ein – ein irischer Blend. Ein schöner Whiskey, der nach Vanille riecht. Und es ist der erste von sechs. Mir wird schon jetzt warm ums Herz und ab dem zweiten ist die Stimmung im Raum deutlich gelöst. Es sind – soweit ich beobachte – drei Vater-und-Sohn-Paare hier (ja, Alkohol verbindet), vier Pärchen, eine Gruppe von vier Männern sowie die beiden jungen Männer bei mir am Tisch. Und ich. Der zweite Gang ist ein Bourbon und Michael meint, das sei jetzt keiner, den man mit Cola verdünnen sollte. Ab diesem Zeitpunkt hat eine der Damen vom Tisch schräg gegenüber wohl jene Menge Alkohol erreicht, die ihre Stimme manchmal etwas in die oberen Register entgleisen lässt. In kicherndem Zustand lässt sie jetzt kenntnisreich Schlagworte wie „Cola-Rum“, „Cola-Rot“ und „Whiskey-Cola“ fallen und schaut verschwörerisch in ihre Tischrunde. Beim nächsten Whisky (Blend Scotch)  riecht besagte Dame am Glas und meint: „Riecht mehr wie ein deutscher.“ Oder meint sie „Deutscher“? Michael liest die Flaschenbeschreibung vor, unter anderem fällt dabei „grüner Apfel“. Die Dame ruft: „Grüner Apfel! Ja, das hat er gesagt!“, und deutet auf ihren Begleiter. „Aber schon beim ersten Whiskey!“

Michael füllt die Zeit zwischen den Fachsimpeleien mit Anekdoten auf. Etwa jene über den Mann, der sich bei einer Verkostung bei jedem Schluck nur geschüttelt habe. Auf die Frage, ob es ihm gut gehe, habe er gemeint: „Ich mag keinen Whiskey.“ – „Dann ist das hier wohl das falsche Seminar für Sie…“ – „Ich habe es mir nicht ausgesucht, ich habe es geschenkt bekommen.“ – „Aber Sie müssen den Whiskey dann ja nicht trinken.“ – „Aber es ist schon bezahlt.“

Ich sehe, lerne und trinke von den noch folgenden vier Whisk(e)ys jeweils nur etwa die Hälfte, das reicht mir dann doch, um mir ein Urteil zu bilden. Ich muss ja noch irgendwie nach Hause kommen. Außerdem werden die gereichten gelblichen und goldenen Flüssigkeiten – zumindest für meinen Geschmack – immer schärfer und der letzte ist so torfig, dass man das Gefühl hat, man würde nach einem Schluck davon anfangen, Rauch zu atmen. Das Glas, das wir mitnehmen dürfen, riecht zu Hause immer noch danach. Für Interessierte: Dieses letzte der verkosteten lebensstiftenden Wässerchen kommt aus der Destillerie Laphroig, ist 10 Jahre alt und ein Single Malt Scotch. Michael erklärt, die Fässer dieser Destillierie werden bei hohem Wellengang vom Meerwasser umspült, also nimmt der Whisky auch etwas salziges Aroma an. Witzig, um daran zu riechen, finde ich. Das noch zu trinken ist eindeutig übertrieben. Kommentar eines Teilnehmers dazu: „Ich schreib bei der Bewertung: Bist du deppat.“

#56 Handwerker

Wenn Thermen einmal nicht funktionieren, heißt das nicht, dass sie gleich kaputt sind. Wie bei vielen Maschinen und elektronischen Geräten (z.B. Computern) lässt sich ein guter Teil der Störungen durch das AEG-Prinzip lösen: Ausschalten, einschalten, geht wieder. („Have you tried to turn it off and on again?“) Bei abblätterndem Lack oder morschem Holz ist das leider nicht ganz so einfach.

Nach dem Umzug haben wir uns nicht mehr ganz so schönen Holzfenstern gegenübergesehen, von dem eines bereits ein morsches Stück hatte, da wegen eines abgebrochenen Schraubens durch die Blechverkleidung Wasser einsickern konnte. Nach vielem Hin und Her und einer unglaublich lahmen Hausverwaltung (wir haben den groben Verdacht, dass irgendwo in ihren Statuten steht, dass Mitdenken nicht nur nicht erlaubt sondern strengstens untersagt ist und bei Zuwidernhandeln irgendetwas ganz ganz Schreckliches passiert) hat man allen drei Parteien bei uns im Stock Handwerker geschickt, um die Fenster auszubessern.

Natürlich wurde das günstigste Angebot hergenommen. Ob etwas „günstig“ oder „billig“ ist, stellt sich ja meistens immer erst später heraus. Für die Nachbarin, bei der die Handwerker zuerst waren, hat sich das ganze als etwas aufwändiger erwiesen: Nachdem die Holzfenster mit der Hand (heißt ja Handwerker) abgeschliffen worden waren, wurde – anstelle einer durchsichtigen Lasur – eine lulugelbe Grundierung aufgetragen. Ohne wirklich zu fragen („Das wird ein bisschen heller, ist das eh ok?“). Den Pinsel hat dabei die Chefin persönlich geführt. Es hat ausgesehen, als hätte sie das das erste Mal gemacht: Man hat jeden Strich einzeln gesehen – besonders dort, wo sie Striche vergessen hat oder dem Pinsel plötzlich eine Ecke entgegengesprungen ist. Auf diese also nicht ganz so sauber augetragene lulugelbe Grundierung wurde dann die durchsichtige Lasur gestrichen, damit man auch alles schön sieht. Nach zwei Tagen waren sie fertig, die Nachbarin auch. Die Handwerker durften dann nochmal zwei Tage bleiben, um alles (Lasur und Grundierung) nochmal (mit der Hand) abzuschleifen und dann – diesmal ohne Grundierung – erneut eine Lasur aufzubringen.

Zu uns sind sie dann als nächstes gekommen. Wir haben alle Gedanken an Grundierungen sofort im Keim erstickt: Bitte nur Lasur! Ja ja. Und bitte das morsche Stück Holz austauschen. Ja, der Tischler kommt dann noch, sagt die Chefin. Ah. Ich bin verwirrt. Ich dachte ja, die seien alle Tischler – offensichtlich nicht. Da es ja auch – siehe oben – keine Maler sein konnten, was um Himmels Willen ist das für ein Betrieb? Elektriker? Ich traue mich nicht fragen. Zwei Menschen kommen und schleifen an den Holzfenstern, die alle im Rahmen hängen bleiben, herum. Der Tischler kommt tatsächlich, ist sehr nett und tatsächlich kompetent.

Am Ende des Tages kommt die Chefin und streicht alles mit der durchsichtigen Lasur. Ich bin überrumpelt. Schon fertig? Sie verschwinden, ohne zu bitten, dass man es sich doch mal ansehe. Ich sehe es mir trotzdem an. Die alte Lackschicht wurde nicht ohne Reste entfernt, es sieht etwas seltsam aus, aber man zieht sich zumindest keine Schiefer mehr ein. Ich hätte es schöner machen können. Aber mich zahlt ja niemand dafür. Unsere dritte Nachbarin kommt es sich anschauen und zieht die Augenbrauen zusammen.

Sie freut sich schon.

To be with an Aquarius

Auf der Vienna Comix hatte ich mit ein paar anderen Zeichnerinnen und Zeichnern einen Tisch im zweiten Stock und wir haben uns recht gut unterhalten. Am ersten Tag hat sich eines von sleepycato aufgeklebten Plakaten immer wieder der Schwerkraft gebeugt und  sich losgemacht. Am Abend haben wir dann eine Wette abgeschlossen: Wieviele ihrer Plakate werden über Nacht bis zum nächsten Tag nicht durchhalten? Nachdem sich ja immer das gleiche Plakat gelöst hat habe ich mich darauf verlassen und „eines“ getippt. Der bzw. die Gewinner würden von allen anderen kleine Zeichnungen bekommen.

Tja. Es sind zwei gefallen.

#55 IndieComixDay

Vergangenen Freitag war IndieComixDay. Seit 2012 gibt es ihn, und zum zweiten Mal durfte man dafür die Räume (d.h. den Eingangsbereich und den Veranstaltungsraum, wo auch das Cafe ist) des Wien Museums besuchen. Ich darf nicht nur besuchen, ich habe einen Tisch und laufe so bei schönstem Wetter mit dem Koffer los, in dem mein Stand eingepackt ist, vom Tischtuch über Karten und Comics. Diese zwei neuen hier haben es leider nicht bis zum Wien Museum geschafft, sie sind erst diese Woche angekommen:

Das ist zwar schade, aber im Wien Museum zeigt sich, dass ich ohnehin eine Auswahl hätte treffen müssen: Der Platz am Tisch ist kaum einen Meter breit und neben meinem provisorischen Postkartenständer (Bilderleisten von IKEA, zersägt und auf alte Schuhkartons gestellt) bleibt kaum Platz für die Comics. Es reift die Erkenntnis: Ich brauche größere Tische. Da sich das als schwierig erweist, erwäge ich Plan B: Der Postkartenständer muss überholt werden. Er sieht ja nicht nur etwas sperrig aus, er ist auch nicht wirklich toll zu transportieren. Moment. Habe ich mir das nicht schon mal im Herbst gedacht? Hm. Hat es wohl nicht auf die Neujahrsvorsatzliste geschafft.

Zackig aufgebaut, so viel Platz ist ja nicht da, um den man sich kümmern müsste, und dann kommen um vier Uhr auch schon die ersten Besucher. Also jetzt keine Ströme. Das Wetter draußen ist schön, hier drinnen tröpfelt Mensch an Mensch halt so vorbei. Das Publikum ist bunt gemischt: Ein paar Wien Museums-Besucher, die gerade zufällig da sind und neugierig hereinschauen, ein paar StudentInnen, hier Verwandte und Freunde des einen Zeichners, dort Bekannte einer Künstlerin. Fans und Freunde der Szene marschieren die Tischreihen mehrmals auf und ab und plaudern gerne. Und dann gibt es noch Sammler. Ein ganz eigenes Völkchen.

Bei besucherischer Ebbe wagt man es auch hin und wieder, den eigenen Tisch zu verlassen – um andere Leute zu belästigen. Markus Dressler etwa, der passend zur Anthologie des Comicstammtisches „Tisch 14“ sich eine goldene Jacke besorgt hat. Er trägt sie zwar nur minutenweise, aber dann kann man nicht mehr wegschauen. Thema der Anthologie war „Wiener Moderne“ und Markus hat einen Beitrag zu einem katzenfanatischen Klimt gezeichnet. Drei Tische weiter, neben dem „Nudlmonster“, sitzt Vina Yun, deren Eltern aus Korea stammen. Ich unterhalte mich mit ihr und sie erzählt über ihren Comic „Homestrories. Koreanische Diaspora in Wien“, in dem es über die große koreanische Community hier in Wien geht. Von der ich bis jetzt, zugegeben, nichts wusste. Ich nehme ihren Comic mit – zur Weiterbildung. Man kuckt, man schaut, und dazwischen gibt es kleine Interviews auf dem Podium, geführt von Anna Krupitza, die das Comic-Geschäft (nein, entschuldigung) den Comicbuchladen Bunbury’s in der Lindengasse 34 in Wien führt. Sie ist ein Unikat. Und sie hat Minions dabei. In echt.

Hab ich den Comic-Automaten schon erwähnt? Für jeweils eine halbe Stunde hat man ComiczeichnerInnen in einen bemalten (Kühlschrank?-)Karton eingesperrt und man konnte sich von ihnen zeichnen lassen. Tja, soviel zur „Wiener Moderne“: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit und die Comiczeichner zurück in die Packung.

Die Anthologie „Wiener Moderne“ wurde übrigens etwas knapp fertig. Um 16 Uhr hat der Comix Day angefangen. Um ca. 18:00 ist Eric Chen zur Anthologie interviewt worden. Um 20 Uhr ist die Anthologie dann geliefert worden. Und um 21 Uhr sind alle nach Hause gegangen.

#54 Osterbraten

Da das Osterwochenendwetter in der Gartengegend nicht so schlecht war wie angekündigt, haben Mitmensch und ich die meiste Zeit draußen und mit den Händen in der Erde (d.h. beim Jäten) verbracht. Für ein wenig Ansporn hat ein Gartencenterbesuch gesorgt, bei dem etwa eineinhalb Dutzend Pflanzen und Pflänzchen erstanden wurden, um neue Farbe einzubringen. Es sind, wohlgemerkt, gut ausgesuchte Pflanzen: Standort trocken, volle Sonne wünschenswert. Mal sehen wie sie sich schlagen, einige der bisherigen Versuche (von den Gärtner als „lieben volle Sonne“ bezeichnete Pflanzen) waren offensicht von unserer hiesigen vollen Sonne so schwer schockiert, dass sie im Jahr darauf nicht wieder gekommen sind. Aber zurück zum Thema: Da das Einsetzen wesentlich schöner ist als das Ausrupfen, sind die neuen Pflanzen ein guter Ansporn und so landen  Löwenzahn, Ruprechtskraut, Klee und Vogelmiere (die über Herbst und Winter etwa zwei Drittel aller Gemüsebeete eingedeckt hat) scheibtruhenweise im Grünschnitt.

Am Ostersonntag legen wir am Vormittag eine Pause ein und gehen spazieren. Vier echte Osterhasen laufen uns über den Weg, warten aber nicht auf uns, sondern fetzen über Felder und durch den Wald davon, als sie Wind von uns bekommen. Am Nachmittag wird weiter in den Beeten herumgegraben und wir freuen uns auf das Abendessen: Bereits am Freitag haben wir einen Platz in einem sehr guten Gasthof in der Nähe reserviert. Normalerweise hat er nur unter der Woche auf, aber an Ostern, Muttertag oder Weihnachten wird auch an Feiertagen serviert. Und was da serviert wird – das wird ein Fest nach all der Arbeit!

Endlich ist es halb sieben, wir schneckeln uns zusammen, versuchen die Erde unter den Fingernägeln wegzuschruben und fahren los. Wir sind ein wenig zu früh dran und spekulieren, was wohl alles auf der immer ausgezeichneten Karte stehen wird. Die Parkplatzsuche ist kein Problem – alles frei. Mitmensch ist erstaunt. Ich bin ebenfalls erstaunt – ob der dunklen Fenster nämlich. Ah. Und die Türe geht nicht auf. Öm. Tja. Das Gasthaus hat offensichtlich zu. Aber wir haben doch ganz sicher für heute Abend reserviert?

Auf einer Nebentüre steht ein Schild, die Familie B. möge sich bitte bei der Rezeption des zugehörigen Hotels melden. Wir heißen zwar nicht so, aber ich gehe trotzdem zur Rezeption um nachzufragen, was da los ist. Dort werde ich bereits erwartet, ich komme kaum dazu, zu erzählen, da startet die Rezeptionistin schon die Entschuldigung: Es sei etwas schief gegangen, am Sonntag hätten sie nur zu Mittag offen gehabt, aber niemand hatte unsere Nummer und es tue ihnen so leid und ob sie uns zwei Getränkegutscheine geben könne. Und dann schenkt sie uns noch eine Flasche Weißwein. Im Kopf gehe ich die Kühlschrankinhalte durch und frage, ob sie denn am Ostermontag zu Mittag offen hätten. Ja natürlich, ein Tisch für zwei? Ich gehe mit den Gutscheinen und der Flasche Wein hinaus und erzähle. Mitmensch hat inzwischen deduziert, dass mit Familie B. wohl wir gemeint waren, nur die Schreibweise ist sehr phantasievoll geraten.

Tja. Was nun? Flasche Wein als Abendessenersatz? Wieder zu Hause ist nach zehn Minuten eine Nudel-Gemüse-Pfanne fertig und wir grinsen über die Geschichte. Und am nächsten Tag, zu Mittag, schlagen wir zu: Fritattensuppe. Spanferkel mit Waldviertler Knödel und Krautsalat. Und Palatschinken als Nachspeise. Die Hausherrin entschuldigt sich nochmals und wir zahlen weder Getränke noch Nachspeise. Das ist sehr nett – wir lassen extra Trinkgeld zurück und ich freue mich auf das nächste Mal. Das Essen dort ist einfach zu gut!