Jahreswechsel

Ich hoffe, euer Fest und die Verwandtschaftsbesuche waren schön und es gab (wie bei uns) reichliches und vor allem gutes Essen! Ich wünsche euch eine angenehme und ruhige Zeit, um die letzten Tage dieses Jahres auf der Couch mit den besten Büchern des Gabentisches und einer Tasse Tee verbingen zu können. Oder, weniger ruhig aber nicht weniger schön, auf der Piste, mit Schnee unter den Brettern und Wind im Gesicht!

Der Blog macht jetzt – bis auf das eine oder andere Bild, das sich eventuell nicht zurückhalten kann – zwei Wochen Auszeit, um 2018 dann wieder voll da zu sein 🙂 Danke euch fürs Lesen und Vorbeischauen und euch allen einen guten Rutsch!

Reingelegt

Nach einer sehr schönen Hochzeit von zwei lieben Menschen in London haben Lieblingsmensch und ich am Sonntag unsere Koffer gepackt, bei dem netten Airbnb ausgecheckt und sind zum Hotel „Le Meridien“ bei Piccadilly, wo ein Teil der Hochzeitsgesellschaft untergebracht war. Schnell Koffer unterstellen und nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Nähe holen wir sie wieder. Wir werfen uns in ein Taxi, um – müde und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe – den Weg zum Heathrow-Express, der uns innerhalb einer Viertelstunde zum Flughafen bringen soll, zu vereinfachen. Leider hat uns der Taxler nach Zielnennung beim Einsteigen gleich darüber in Kenntnis gesetzt, dass es irgendeine Gasexplosion bei der Paddington-Station gegeben haben soll, und man deswegen nur sehr schwer hinkommt und kaum Züge fahren. Nicht unbedingt das, was wir zu diesem Zeitpunkt hören wollten. Umdenken. Mensch entscheidet, dann nehmen wir halt die Tube (so heißt die U-Bahn in London). Der Taxler wirkt ein bisschen komisch und fährt uns ein wenig im Kreis zur Station Green Park und für eine Strecke, die wir auf direkterem Weg und in derselben Zeit zu Fuß hingelegt hätten, zahlen wir acht Pfund. Hallali. Naja. Pech, das mit dem Heathrow-Express.

Die Tube-Fahrt war angenehm, weil relativ wenig los war und am Flughafen haben wir noch viel Zeit. Lieblingsmensch recherchiert Gasexplosion, kann aber nichts finden, nur die Heathrow-Express-Züge dürften offensichtlich ein wenig verspätet sein. Seltsam. Wir genehmigen uns Tee und Kuchen und beim Zeichnen eines Mädchens, das an einem der benachbarten Tische saß (siehe unten), kommt mir dann die Erleuchtung (ja das hat ein wenig gedauert, schieben wir es auf die Medikamente): Wir sind reingelegt worden. Zumindest hat der Taxler es versucht. Da wir aus dem „Le Meridien“ kamen und uns der Türsteher dort das Taxi herbeigepfiffen hat, hat der Taxler wohl gedacht, wir hätten Geld. Und hat offensichtlich darauf gehofft, dass wir – wenn er uns erzählt, dass der Heathrow-Express nicht fährt – gleich im Taxi zum Flughafen fahren wollen. Dass wir dann bei der nächsten Tube-Station wieder aussteigen und er deswegen noch weniger Geld mit uns gemacht hat, als wenn er uns nach Paddington zum Heathrow-Express gebracht hätte, das nennt man dann wohl Karma.

 

Vienna ComicCon

Es war ein langes Wochenende: Am Freitagabend haben wir uns den Tisch in der Messehalle C angesehen und uns umgeschaut: Ich finde es immer nett, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können – vor allem hätte mich interessiert, wie sie das riesige Modell eines Star Wars-T-Fighters aufgestellt haben, aber dafür waren wir zu spät:

Also Kabelbinder raus und Äste an den Tischbeinen fixiert, schwarzen Stoff darüber und kurz mit den Tischnachbarn geredet, die aber ohnehin eher mit sich selbst beschäftigt waren. Ahja, ich sitze zwischen zwei Manga-Mädchen 🙂 Die Unterschiede zwischen meinem und den beiden Tischen links und rechts von mir konnte man nicht nur an den Ausstellungsstücken feststellen – dort quietschbunt und pastell, hier eher kräftig und monochrom -, auch das Publikum schien sich daran zu scheiden: Wer auf sie zugesteuert ist und die Tonlage plötzlich eine Oktave höher gelegt hat („Oooh my goood! You’re heeeere!“), hat meinen Tisch links liegen gelassen, wer zu mir kam, hielt eher Abstand von den Nachbarn und hat relativ normal weitergeredet. (Vielleicht lag es aber auch am Gemüse. Hätte ich Knoblauch mitnehmen sollen?)

Der Samstag war laut, voll und beschwingt und dauerte für uns in der Halle von ca. 9 Uhr früh bis kurz nach 19 Uhr. 10 Stunden am Tisch! Aber hinter der Barriere eines Tisches ist die Con wesentlich entspannter mitzuverfolgen als in der Rolle des sich bewegenden Con-Besuchers, auf den von allen Seiten mit Musik, Wort und Bild geschossen wird. So kann man entspannt Cosplayer-Kostüme raten, Bastelaufwand schätzen und sich überlegen, ob man dem einen oder der anderen von der Erfindung des Tangas berichten sollte. Wir entschieden uns dagegen, weil wir nicht wussten, wie gut die Weapon-Control am Eingang tatsächlich funktioniert. Sitzend kommt man außerdem weniger in Versuchung, Geld auszugeben (außer genau gegenüber befindet sich ein Stand, der neonfarbene Katzen-Shirts verkauft; da hilft dann halt alles nichts).

Mein schönstes Erlebnis (um den Volksschulaufsatzthemenbereich Genüge zu tun) war ein Teenager-Mädchen, das mit dieser „lasst mich alle in Ruhe, ihr seid alle uncool und ich weiß überhaupt nicht, warum ich das hier mitmache“-Miene im Gesicht am Tisch vorbeikam. Sie fing an, unsere kleinen Horrorskop-Kommentare zu lesen. Und als sie bei der Jungfrau angekommen war („bevorzugte Mordwaffe: egal was, aber es wird danach desinfiziert und weggeräumt“), hat sie gegrinst.

Yeah.

Nicht ganz so großartig: Es gab einen Menschen, der sich handverlesenen Tischen widmete, seine eigene Zeichenmappe herzeigte und halbstündige Vorträge darüber hielt, was ihn in seinem Oeuvre beeinflusst hat. Dieser Kelch ging am Samstag glücklicherweise an uns vorüber. Aber auch am Sonntag blieb es spannend – der Herr hatte ein Wochenend-Ticket. Doch: Glück gehabt.

Sonntag war die Stimmung nicht ganz so aufgekratzt, es war eben – Sonntag. Alle schienen ein bisschen müde, ein bisschen zurückhaltend. Lag aber vielleicht nur an mir und ich hätte länger schlafen sollen. Da war es nett, dass Familie und Freunde vorbeikamen und man Zeit hatte, sich ein wenig mit neuen Bekannten zu unterhalten, etwa den beiden Köpfen hinter Karrakula (kuckst du Blog hier oder Instragram hier), die unter anderem Postkarten mit wunderbaren Wort-Bildspielereien machen. Und die sich sicher furchtbar über dieses total professional geschossene Foto freuen werden 😉

Fantastisch fand ich auch den Humor von Anna-Maria Jung aus Graz, deren Bilder man u.a. hier auf Instagram sehen kann. Wenn ich groß bin, will ich auch so werden.

Ja und dann – dann war es 17 Uhr und die Vienna ComicCon war vorbei. Ich habe mich gleich für nächstes Jahr angemeldet. Denn es kann kein schlechter Ort sein, an dem Deadpool ein Einhorn umarmt! (Wie war das noch mal, die Sache mit den Einhörnern und den Jungfrauen…?)

Schön war’s! Und ein herzliches Danke meinen beiden großartigen HelferInnen 😉

Veggie Zombies – fertig!

Nach drei ziemlich intensiven Wochen sind die Veggie Zombies gestern Abend fertig geworden: Die letzte (weil erste) Seite kam zum Schluss. Jetzt muss ich alles „nur“ noch scannen, zusammenstellen, mit einem Mini-Impressum versehen und dann einen Copyshop finden, der alles so macht, wie ich will. Wish me luck.

 

#35 Der Wiener Wald

Der Wiener Wald gehört noch zu den Alpen. Das wusste ich nicht. Er ist der nordöstlichste Zipfel der den Alpen zugehörigen Region und schafft so eine für mich eher überraschende Verbindung zwischen dem Wiener Wald und Monaco. Wald ist fabelhaft und Laubwald – wie eben den Wiener Wald – ist ohnehin wahnsinnig schön. Wir gehen oft einfach etwas kreuz und quer durch, und letztes Mal sind wir dabei in einen Teil gekommen, in dem wir das gesehen haben:

Das kann einem nur im Wiener Wald begegnen, haben wir gemeint: depressive Bäume. Zu Hause habe ich ein wenig recherchiert, bin aber schnell weg von den depressiven Bäumen und hin zur beruhigenden, antidepressiven Wirkung von Bäumen auf die menschliche Psyche und den positiven Einfluss auf die Gesundheit gekommen.

In letzter Zeit gab und gibt es einige Studien dazu, die ich ganz interessant finde: Seit dem Jahr 2008, so habe ich gelernt, leben zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen in Städten als außerhalb von ihnen. Das ist per se nichts Schlechtes, da global gesehen die Gesundheitsversorgung innerhalb von Städten besser ist als jene auf dem Land, Städte höhere Bildungschancen bieten (vor allem für Frauen) und es mehr kulturelle Möglichkeiten gibt. Negativ für Stadtbewohner ist z.B. das höhere Risiko für psychische und  stressbedingte Krankheiten (u.a. ausgelöst durch Luftverschmutzung und Lärm). Da ist auch die höhere Chance auf Behandlung kein wirklich guter Ausgleich dafür.

Die Natur aber kann hier präventiv wirken: In Schottland wurde eine Studie zu Grünbereichen in Auftrag gegeben und je näher Menschen an Grünbereichen (d.h. sei es auch nur ein Park) leben, desto seltener leiden sie an stressbedingten Krankheiten. Diese Auswirkungen zeigen sich vor allem bei den ärmeren Bevölkerungsschichten deutlich. Dass das interessant und wichtig ist, hängt damit zusammen, dass Gesundheit mit dem Einkommen korreliert: Je wohlhabender jemand ist, desto länger lebt er oder sie. Nähe zur Natur aber kann die Gesundheit unabhängig vom Einkommen verbessern. Da muss ich an die älteren Herren im Augarten denken, die dort jeden Tag Boule spielen. Go for it! Es kommt mir aber auch die seltsame Baumgrenze zwischen 8. Bezirk und 16. Bezirk in den Sinn: Sobald man den Gürtel von der Innenstadt her kommend zum 16. überquert, ändert sich das Stadtbild gewaltig. Warum? Weil es mit einem Schlag keine Bäume mehr gibt. Die wenigen Parks nahe des Gürtels sind versteckt und mini oder zwischen zwei Fahrspuren eingeklemmt. Ich bin gespannt, was am Johann-Nepomuk-Berger-Platz passiert, der mit der Verlegung der Straßenbahnschienen ja auch umgestaltet werden soll. Mehr Baum? Mal sehen. Aber auch dann ist der Bereich für das, was ich einen echten Park nennen würde (ich möchte mindestens zehn Minuten herumgehen können, ohne ein Auto zu sehen), viel zu klein.

Zurück zu den positiven Wirkungen. Natur und vor allem Wald wirken postiv auf depressive Momente und das ständige repetative Wiederholen negativer Erfahrungen: Etwa 90 Minuten Bewegung in der Natur sollen den Teil des Gehirns deaktivieren, der sich mit negativen Gedanken beschäftigt, weil die Aufmerksamkeit nach außen gelenkt wird: Die Sinne werden wach, man nimmt die Umwelt auf einmal wieder wahr und wird so aus dem negativen Kreislauf gerissen. Die Kontrollgruppe der Studie, deren Teilnehmer 90 Minuten lang in der Stadt herumliefen, konnte keine positiven Wirkungen vermerken. Finnische Wissenschaftler geben als Minimum fünf Stunden im Monat (!) an, die man an der frischen Luft (Park, Wald) verbringen sollte, um präventiv gegen leichte Depressionen zu wirken. Aber auch schon weniger Zeit mit Baum und Blatt helfen, sich zu entspannen und erfrischt ans Werk gehen zu können.

Doch egal ob fünf Minuten im Park oder zwei Stunden Wandern durch den Wiener Wald, wenn man positiven Einfluss auf Gemüt und Denken spüren möchte und dem Frontallappen seines Gehirns die Möglichkeit zu Entspannung bieten will, dann muss man auf Smartphone und Kopfhörer verzichten. Denn die ständige Erreichbarkeit bzw. die fortwährende Beschallung heben den positiven Effekt der Natur offensichtlich ziemlich effektiv wieder auf. Und wenn man schon dabei ist, vielleicht sollte man dann auch die depressiven Teile des Wiener Waldes besser meiden. Richtung Monaco gibt es sicher noch das eine oder andere schöne Waldstück.

 

 

Buch hierzu mitsamt den Studien: Florence Williams: The Nature Fix. Why Nature Makes Us Happier, Healthier And More Creative. 2017.