#76 Gartenbaumesse Tulln

Die Gartenbaumesse Tulln wird groß angekündigt. Und da wir (siehe hier) gerade total motiviert am Garteln sind, wollten wir uns die eine oder andere tolle Idee dort holen. Beim Anblick der Preise (13 Euro! Pro Person!) kommt uns zugute, dass Mitmensch ein NÖN-Abo hat, das uns für „nur“ 8 Euro pro Person Zutritt verschafft. Wir fahren am Samstag Vormittag, gleich in der Früh, und hoffen darauf, dass alle anderen lange schlafen. Und wir haben Glück: Es regnet nicht nur, es schüttet. Super, dann wird ja wohl nicht so viel los sein. Um 9 sperren sie auf, um halb 10 sind wir dort – und schon müssen wir 10 Minuten vom Parkplatz bis zum Eingang gehen. Aber drinnen sind trotzdem noch angenehm wenig Menschen. Etwa 20 Meter nach dem Eingang bekomme ich etwa ein Kilo Garten-Zeitschriften in die Hand gedrückt. Mitmensch meint, ich bräuchte die jetzt nicht alle die ganze Zeit mitzutragen, die würden wir später sicher auch noch bekommen. Aber ich denke mir, ach, so schwer ist das ja nicht und packe alles in den Rucksack. Der auf einmal ganz schön nach unten zieht. Wir laufen durch eine Halle mit Pools und Jacuzzis und aufblasbaren Delphinen. In der nächsten Halle gibt es Gartendeko und Kartoffelsalbe. Was macht man mit Kartoffelsalbe?

In der Mitte der Halle, stehen Olivenbäume. Mit Stämmen so dick, dass wir uns zu zweit  Mühe geben müssten, sie zu umfassen. Sie sind knorrig, verwachsen, mit Einkerbungen, einer ist hohl und wächst trotzdem weiter. Wir fragen nach, wie alt sie sind: 1000 Jahre, sie stammen aus der Gardasee-Region. Beeindruckend. Aber ein bisschen zu alt für unseren Garten, wir haben nur junges Gemüse, das würde sich nicht vertragen.

In der nächsten Halle preist ein Niederländer seine Tulpenzwiebeln an, wie im Bilderbuch. Ich liebe diese Akzent! Wie ein Marktschreier wandert er durch die aufgeschütteten Zwiebeln: „Zehn Stück für 10 Euro, 25 Stück für 20 Euro!“ Wieder sehe ich die Kartoffelsalbe. Wieso gibt es da keine Schilder, wozu man die braucht? In einer Regenpause gehen wir ins Außengelände. Wir finden eine wilde Mischung: Es gibt einige wenige Stände, an denen man tatsächlich Pflanzen kaufen kann, es gibt Steinmetze (mit Show-Gräbern), mehrere Mähroboter-Anbieter, Gartendeko und noch mehr Kartoffelsalbe (aber wozu?!). Um einen Marktschreier hat sich eine Traube Menschen geschart, er verteilt Kostproben von neuen Gemüsesorten: „Sie sehen, das lässt sich schneiden wie Butter, probieren Sie!“ Zurück zu den Hallen. In der nächsten gibt es noch mehr Dekozeug, alles nicht besonders attraktiv ausgestellt. Wir sehen eine hübsche Leiter, an die man Pflanzentöpfe binden könnte. Da sehe ich, sie ist nicht genagelt oder geschraubt, sondern geklebt. Und verziehe das Gesicht. Die Verkäuferin taucht plötzlich neben mir auf und fragt nach. Unvorsichtigerweise erwähne ich meinen Einwand und sie sieht aus, als hätte ich gesagt, ihr Kind sei leider dumm. Sie pfaucht, dass die Leiter sehr schön sei und: „Zu dem Preis finden Sie das nirgends.“ Ich versichere ihr, dass ich sie auch schön fände, aber wir würden noch herumgehen und kämen später vielleicht nochmal und eine Leiter mitzutragen wäre doch ein wenig aufwändig. Das ist natürlich geflunkert, aber sie hat lange rote und spitze Fingernägel, und die will ich nicht im Gesicht haben. „Ich sag‘ Ihnen, wir haben nur die paar, die da sind. Wenn sie weg sind, sind sie weg. Wenn Sie eine wollen, kaufen Sie sie gleich und Sie können sie später abholen.“ Ich nicke und lächle. Sie nickt auch und geht. Wir beide wissen, dass ich keine kaufen werde. Aber das hat sie noch anbringen müssen, um ihr Sortiment zu verteidigen. Pfauch.

Vom Dekozeug wechseln wir zur Blumenshow. Aber hallo. Ich habe noch nie so, hm… wie soll ich sagen… interessante Pfauen gesehen. Also keine echten. Sondern gebastelte. Sie stehen auf Heckenpodesten und schweben über dem Wasser und sind aus glitzerndem Plüsch, mit Leopardenmuster überzogen, in Tüll gehüllt oder kariert. Die Flügel wurden durch Blumenarrangements ersetzt. Manchmal würde ich gerne die Arbeitsaufgaben für solche Dinge lesen: „Wir hätten gerne etwas Mutiges!“ Oder: „Machen Sie Konversationsstücke! Die Leute sollen darüber reden.“ Oder „Es soll schön bunt sein!“ Oder „Packen Sie alle Materialien hinein, die Sie im letzten Jahr nicht verkaufen konnten!“ Ich tippe ja auf eine Mischung… Bevor uns die Augen herausfallen, gehen wir wieder. Sind wir fertig? Ja. Es hat wieder zu regnen begonnen und ich hole noch schnell ein paar Sukkulenten von einem Stand im Freigelände. Also ’schnell‘ ist übertrieben. Leute mit Schirmen sind wahnsinnig unflexibel. Und stehen doppelt so breit im Weg wie normal. Aahhh!

Zu Hause topfe ich die Pflanzen um und dann schnappe ich mir mein schwer herumgetragenes Zeitschriftenkilo. Es sind ORF-Hefte (Nachlese und Sonderausgaben) zum Thema Garten von 2014 (!) bis Juli 2018. Ich blättere durch. Nichts, was ich nicht schon wüsste und unglaublich oberflächlich. Auf dem Heft aus 2014 klebt eine kleine Samentüte mit Sommerblumen. Ich säe sie ohne viel Hoffnung in ein leeres Balkonkisterl und da ich in den Zeitschriften nichts über die Kartoffelsalbe gefunden habe, wandern sie zum Altpapier.