#55 IndieComixDay

Vergangenen Freitag war IndieComixDay. Seit 2012 gibt es ihn, und zum zweiten Mal durfte man dafür die Räume (d.h. den Eingangsbereich und den Veranstaltungsraum, wo auch das Cafe ist) des Wien Museums besuchen. Ich darf nicht nur besuchen, ich habe einen Tisch und laufe so bei schönstem Wetter mit dem Koffer los, in dem mein Stand eingepackt ist, vom Tischtuch über Karten und Comics. Diese zwei neuen hier haben es leider nicht bis zum Wien Museum geschafft, sie sind erst diese Woche angekommen:

Das ist zwar schade, aber im Wien Museum zeigt sich, dass ich ohnehin eine Auswahl hätte treffen müssen: Der Platz am Tisch ist kaum einen Meter breit und neben meinem provisorischen Postkartenständer (Bilderleisten von IKEA, zersägt und auf alte Schuhkartons gestellt) bleibt kaum Platz für die Comics. Es reift die Erkenntnis: Ich brauche größere Tische. Da sich das als schwierig erweist, erwäge ich Plan B: Der Postkartenständer muss überholt werden. Er sieht ja nicht nur etwas sperrig aus, er ist auch nicht wirklich toll zu transportieren. Moment. Habe ich mir das nicht schon mal im Herbst gedacht? Hm. Hat es wohl nicht auf die Neujahrsvorsatzliste geschafft.

Zackig aufgebaut, so viel Platz ist ja nicht da, um den man sich kümmern müsste, und dann kommen um vier Uhr auch schon die ersten Besucher. Also jetzt keine Ströme. Das Wetter draußen ist schön, hier drinnen tröpfelt Mensch an Mensch halt so vorbei. Das Publikum ist bunt gemischt: Ein paar Wien Museums-Besucher, die gerade zufällig da sind und neugierig hereinschauen, ein paar StudentInnen, hier Verwandte und Freunde des einen Zeichners, dort Bekannte einer Künstlerin. Fans und Freunde der Szene marschieren die Tischreihen mehrmals auf und ab und plaudern gerne. Und dann gibt es noch Sammler. Ein ganz eigenes Völkchen.

Bei besucherischer Ebbe wagt man es auch hin und wieder, den eigenen Tisch zu verlassen – um andere Leute zu belästigen. Markus Dressler etwa, der passend zur Anthologie des Comicstammtisches „Tisch 14“ sich eine goldene Jacke besorgt hat. Er trägt sie zwar nur minutenweise, aber dann kann man nicht mehr wegschauen. Thema der Anthologie war „Wiener Moderne“ und Markus hat einen Beitrag zu einem katzenfanatischen Klimt gezeichnet. Drei Tische weiter, neben dem „Nudlmonster“, sitzt Vina Yun, deren Eltern aus Korea stammen. Ich unterhalte mich mit ihr und sie erzählt über ihren Comic „Homestrories. Koreanische Diaspora in Wien“, in dem es über die große koreanische Community hier in Wien geht. Von der ich bis jetzt, zugegeben, nichts wusste. Ich nehme ihren Comic mit – zur Weiterbildung. Man kuckt, man schaut, und dazwischen gibt es kleine Interviews auf dem Podium, geführt von Anna Krupitza, die das Comic-Geschäft (nein, entschuldigung) den Comicbuchladen Bunbury’s in der Lindengasse 34 in Wien führt. Sie ist ein Unikat. Und sie hat Minions dabei. In echt.

Hab ich den Comic-Automaten schon erwähnt? Für jeweils eine halbe Stunde hat man ComiczeichnerInnen in einen bemalten (Kühlschrank?-)Karton eingesperrt und man konnte sich von ihnen zeichnen lassen. Tja, soviel zur „Wiener Moderne“: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit und die Comiczeichner zurück in die Packung.

Die Anthologie „Wiener Moderne“ wurde übrigens etwas knapp fertig. Um 16 Uhr hat der Comix Day angefangen. Um ca. 18:00 ist Eric Chen zur Anthologie interviewt worden. Um 20 Uhr ist die Anthologie dann geliefert worden. Und um 21 Uhr sind alle nach Hause gegangen.

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