Intermezzo!

Jahaa die SD-Karte. Ich habe noch keine neue, darum gibt’s auch nichts Neues hier zum schauen :(. Man möchte meinen, es kann nicht so schwer sein, eine zu besorgen. Tja, wenn das nächste Geschäft etwa eine Stunde weit weg ist, dann überlegt man es sich zweimal, ob das nicht bis nächste Woche warten kann. Besonders wenn es draußen minus 15 Grad hat und man sich selber gerade mit hartnäckigem Husten herumschlägt. Wirklich hartnäckig! Vor Hausmitteln wie „Zwiebeln mit Zucker anschwitzen und den Sud als Hustensaft verwenden“ sträube ich mich aber doch noch. Da lieber Tee mit Honig oder Zitrone und Ingwer.

In der Zwischenzeit – also zwischen dem Husten – arbeite ich an einem kleinen, nur drei oder vier Seiten Comic für die Austrian Comic Con im April. Darüber wird jetzt aber noch nichts gesagt, diese Woche will ich die Vorzeichnungen mit Bleistift fertig machen und nächste Woche das Inking.

Außerdem möchte ich einen keltischen Segensspruch bearbeiten und visuell umsetzen, er heißt „Ad·muiniur secht n-ingena trethan“ („The prayer for long life“ – „Gebet für ein langes Leben“). Das passt auch gut zum Husten.

Damit es hier aber trotzdem etwas zum Schauen gibt und weil ich mir gedacht habe, jeder braucht mal eine kleine Aufmunterung, gibt es ein kleines (schon ziemlich altes) Netzfundstück. Kleine Pinguine machen eben immer alles besser!

#48 Die Kulisse

Die Kulisse ist eine der bekanntesten Wiener Kabarett-Bühnen und wurde 1980 von Fritz Aumayr gegründet. Sie liegt in der Rosensteingasse im 17. Bezirk und läuft nach dem Prinzip Gasthaus mit Bühne, aber wenn auf der Bühne geredet wird, wird im Saal bitteschön nicht mehr gekaut. Dafür sorgt die rigorose Kellnerriege, die (fast) immer den Überblick und auf jede blöde Bemerkung – je nach Tagesverfassung – eine launige Erwiederung oder einen eisigen Blick parat hat. Keine Zeit für Späßchen, wir arbeiten hier!, sagt dieser Blick. Zackig geht es zu, sowohl beim Bestellen als auch beim Servieren, denn bis zu Vorstellungsbeginn muss jeder Gast nicht nur versorgt, sondern auch jedes Teller wieder abserviert und alles kassiert sein. Bevor die Teller wieder weggetragen werden findet man auf ihnen gutbürgerliche Wirtshausküche, von Sacherwürsteln über Blunzengröstl bis zum Wiener Schnitzel, aufgepeppt mit einigen vegetarischen Leihgaben anderer Länder. Chili sine carne mit geräuchertem Tofu etwa. Aus welchem Land genau das geborgt ist, darüber habe ich mich jetzt aber nicht erkundigt.

Bevor man zum Essen in den Bühnensaal der Kulisse vorgelassen wird, muss man aber erstmal ein Ticket haben. Das wird einem meistens von einer netten jungen Frau verkauft, die auch gleich die Garderobe abnimmt, wenn man sie nicht haben will. Zwanzig Zentimeter neben der Frau, die die Tickets verkauft, steht der Mann, der sie abreißt. Man nimmt die Tickets also kurz in die Hand, gibt sie am gleichen Fleck stehend dem Herrn in die Hand weiter, der sie kurz anschaut, lächelt, abreißt und einen schönen Abend wünscht. Mit dieser Handlung kommt eine weitere junge Frau ins Spiel, die mit einem Clipboard an der Eingangstür zum Saal steht. Hier soll man nicht noch einmal das Ticket vorweisen, nein, man wird gefragt wieviele man ist (also physisch) und dann zeigt sie einem auf einem Saalausdruck die noch möglichen freien Sitzmöglichkeiten. „Dort drüben sind noch zwei Plätze frei“, sagt sie und deutet mit dem Kugelschreiber herum, „und dort auch noch. Oder lieber hier hinten?“ Man schaut und schaut und ist immer ein wenig überfordert und wählt dann das, was man meistens wählt, weil man immer so spät kommt, dass die besten Plätze auf jeden Fall schon weg sind. Sie lächelt freundlich und nickt, ixt die Plätze auf ihrem Saalplan aus und widmet sich den nächsten Menschen, die ein wenig unschlüssig die nächsten in der Türe zum grün-vertäfelten Saal stehen.

Man nimmt Platz, die Kaffeehausstühle sind schwarz lackiert und die Lehne schwingt sich im Bogen unter die Arme. Ich mag diese Sesseln nicht. Die Lehnenkante schneidet irgendwo zwischen Lenden- und Brustwirbelsäule in den Rücken und ist trotzdem zu hoch, als dass man (oder halt ich) die Arme mit entspannten Schultern darauf liegen lassen könnte. Aber sie sind klug gewählt. Durch die rundherum gehende Lehne ist der Platz, den man damit einnehmen kann, von vornherein beschränkt – um die Tische ökonomisch klug, d.h. engstmöglich zu besetzen. Normale 6er Tische werden hier mit acht Stühlen versehen, manchmal rutscht links oder rechts noch einer dazu. Wer hier ohne Ellbogenkämpfe vor dem Kabarett noch etwas essen möchte, möge früh genug erscheinen.

Um kurz nach acht Uhr ist der letzte Tisch fertig kassiert, es wird dunkel im Saal und alles wartet auf „Jack Nuri, de[n] Mann mit dem Migrationsvordergrund“. Nach einem kleinen und vielversprechenden Aufwärmakt des Kollegen John fängt der gebürtige Türke und nun Österreicher (er hat eine Autowerkstatt in Ottakring) an – entgegen den Erwartungen ist es aber kein Kabarett im klassischen Sinne, das einen irgendwie von A nach B bringt, sondern Standup-Comedy. Tja, schlecht recherchiert. Das heißt für diesen Abend: Eine Reihe erzählter Witze mit ganz viel „Bruder“ (Hörst du, Bruder! Ah, Bruder! Heh komm, Bruder!) und dazwischen etwas Interaktion mit dem Publikum der ersten Reihe, das Süßigkeiten geschenkt bekommt, wenn Jack Nuri aus der Unterhaltung mit Ihnen Lacher kassiert. Der Umgang zwischen in Wien lebenden Menschen mit „Migrationsvordergrund“ und dem Rest ist selten Thema, verstehst du, Bruder! Es gibt keine kritische Stimme oder scharfe Beobachtungen dazu, Bruder, es ist mehr ein Abend der persönlichen Anekdoten mit Pointe und ein durch-den-Kakao-ziehen seiner türkischstämmigen Umgebung hier in Wien. Naja, Bruder. Nächstes Mal, Bruder: Politisches Kabarett, Bruder!

 

Bild ist schon fertig, aber die SD-Karte kaputt… Ich hatte doch noch wo eine zweite…? Arrr!

Der Nachtrag:

 

Schwarzköpfle

Weil es so schön zum Warscheneck-Thema vom letzten Freitag passt: Man kann gerade eine Online-Petition gegen einen überdimensionierten Stausee am Schwarzköpfle in Vorarlberg unterzeichnen, der für die Skigebiets-Beschneiung errichtet werden soll. Statt das Moor zu schützen, will man dort ein riesiges Betonbecken bauen… Zwar hat sich der Amtsachverständige für Naturschutz und Landschaftsentwicklung gegen das Projekt ausgesprochen, eben weil es absolut rücksichtslos in die vorhandene Landschaft eingreift, aber dass die Bauherren sich danach richten, daran glaubt man offensichtlich nicht so wirklich. Eine Unterschrift gegen den Stausee in diesem Ausmaß schadet da auf keinen Fall!

Von heute an gerechnet kann man die Petition noch 14 Tage lang, also bis zum 4. März unterschreiben.

Den Link zur Petition gib’s hier und hier gibt es noch einen Beitrag der Naturfreunde darüber.

#47 Winterspaß

Winterspaß heißt für Menschen meistens Betätigung im Freien. Eisstockschießen. Eislaufen. Oder Skifahren. Ich war mit der Familie Skifahren, in einem kleinen, netten Skigebiet in Oberösterreich, auf der Höss. Die Hannes-Trinkl-Abfahrt war aufgrund irgendeines Nachwuchsrennens gesperrt, aber das hat uns nicht weiter gestört. Auf der Abfahrt war es den Vormittag über sowieso etwas neblig und wir sind oben, im Sonnenschein geblieben. Herrliches Wetter, knirschender Schnee, nicht zu viele Leute, ein wunderbarer Skitag. Ich habe Skifahren mit ca. drei Jahren gelernt, da macht so ein Tag richtig Spaß. Mein Mitmensch, zum dritten Mal in seinem ganzen Leben auf den Brettern, steht dem „Winterspaß“ eher skeptisch gegenüber. Aber tapfer kämpft er sich die Hänge hinunter (meistens denselben, weil der am wenigsten steilste), um die Bretter, die für manche die Welt bedeuten, ein wenig besser in den Griff zu bekommen. Er schlägt sich wacker. Und das Mittagessen hat er sich – und wir alle anderen auch – redlich verdient. Von mir aus kann es ruhig mehr Winterspaß-Tage geben. Solange der Winterspaß nicht das Naturschutzgebiet Warscheneck angreift, gleich in der Nähe der Höss gelegen. „Finger weg vom Warscheneck!“ rufen die Naturfreunde regelmäßig, und stemmen sich vehement gegen die Pläne, das Gebiet mit einer Skischaukel, die Höss und Wurzeralm verbinden soll, zu zerstören. Die Skischaukelpläne sind eine Frechheit sondergleichen, dreimal wurde bereits versucht, sie auf Biegen und Brechen und gegen jegliche Vernunft (der Schnee wird ja nicht mehr) durchzusetzen. Und das, obwohl das Naturschutzgebiet erst seit 2008 besteht! Der vierte Anlauf ist wohl nur eine Frage der Zeit. Das hört sich der Winterspaß eindeutig auf.

Wie ich überhaupt auf das Wort komme? Ich hole aus: Wir haben Vogelfutter gekauft, genauer: zwei Kilogramm Sonnenblumenkerne. Die Vögel im Garten fressen nämlich zu allererst immer die Sonnenblumenkerne und im Rest stochern sie lustlos herum, schmeißen es aus dem Vogelhaus und fressen es nur wenn wirklich WIRKLICH nichts anderes mehr da ist, d.h auch im zwei-Kilometer-Umkreis nicht. Also diesmal nur Sonnenblumenkerne. Verwöhnte kleine Gfraster. Und was steht auf der zwei-Kilo-Packung Sonnenblumenkerne? „Winterspass für freilebende Vögel“. Ich stelle mir „Winterspass für freilebende Vögel“ vor. Ich habe mal einen Raben beobachtet, wie er ein pulverschneebedecktes Dach mehrmals herunter rutschte, wie beim Schlittenfahren. Das kommt „Winterspaß für freilebende Vögel“ wohl ziemlich nahe. Über zwei Kilo Sonnenblumenkerne mögen sich die Piepmätze wohl freuen, aber Winterspaß…? Ich frage mich, was die durchschnittliche Marketingabteilung wohl für einen Drogenverbrauch pro Woche hat. Und ob die das auch absetzen können.
Vielleicht sollte ich meine Berufswahl nochmal überdenken.

 

Den aktuellen Stand zum Warscheneck stellt übrigens diese Seite bereit: https://www.warscheneck.at/

 

 

Nachträge

Es wird wieder gezeichnet! Juhu!

Einmal ein Löwe für Laxenburg, yeah:

 

Und dann eine der schrägsten Topfpflanzen, die mir über den Weg gelaufen ist: Eine Sansevieria Straight, d.h. ein Bogenhanf, der nur gerade nach oben wächst, einen halben Meter etwa. Jedes „Blatt“ (oder was soll das sein? Es sieht auf jeden Fall aus wie ein nackerter Kaktus) wächst einzeln aus der Erde. Den würde ich gerne mal in Natura sehen, das  Gelände stelle ich mir sehr merkwürdig vor… Für das Bild habe ich die obersten 20cm ausgewählt, nach unten hin geht das einfach so weiter, man möge es sich vorstellen:

#46 Zimmerpflanzen

Der Balkon geht mir ab, die Pflanzen schlafen alle oder wollen auch einfach nur so in Ruhe gelassen werden und ich kann nichts tun. Langweilig. Ein Bildband über einen Garten im Biospährenpart Wienerwald hilft auch nicht viel weiter, ich werde noch ungeduldiger. Ich mag den Winter, aber die Gartenpause fällt doch unangenehm auf. Ich stöbere in der Bücherei, stolpere über ein Buch mit Zimmerpflanzen. Zimmerpflanzen. Hah. Dagegen muss das Mauerblümchendasein ja die reinste Achterbahnfahrt sein. Aber es hat schöne Fotos und ich nehme das Buch mit. Man kann sich ja auch mal weiterbilden. Zimmerpflanzen gehören zu dem Teil der Pflanzenwelt, den ich bis jetzt eher übersehen habe, da er meines (zugegeben in diesem Bereich nicht vorhandenen) Wissens nach maximal dreieinhalb Pflanzenarten beinhaltet. Wovon mir drei nicht gefallen.

Aber: Ich sehe, lese und staune.

Und erkenne auf einmal in jedem dritten Fenster Wien eine mir nun bekannte Pflanze. Bogenhanf gehört offensichtlich zu den beliebtesten Gewächsen hierzulande, die man sich so auf die Fensterbank stellt. Und auch Grünlilien sieht man ohne Ende. Nicht ganz so schick in Szene gesetzt wie in dem Buch, aber immerhin grün.

Es liegt sicher auch an den Fotos, dass manche mit zuvor sehr suspekte Pflanzen auf einmal interessant, wenn nicht sogar fast „cool“ aussehen. Die Efeutute (allein der Name! Wie kann man nur?) habe ich bis jetzt nicht wirklich als ansprechende Pflanze wahrgenommen, aber auf ein paar der Fotos sieht sie zumindest nicht nach ganz nach der magersüchtigen Girlande aus, für die ich sie im Allgemeinen halte. Ich würde mir trotzdem keine zulegen, bitte nicht falsch verstehen. Da gibt es viel interessanteres Grünzeug. Tillandsien etwa. Die leben nur von Luft und brauchen dafür nicht mal Liebe. Nur hin und wieder etwas Bestäubung mit Wasser, besonders in der trockenen Heizperiode. Weiter kommt man pflanzenmäßig aber ohne Erde nicht, also besorge ich mir ein 5-Liter-Säckchen Erde zum Umpflanzen und dazu gleich noch neue Mitbewohner.

Einen Farn zum Beispiel. Farne brauchen mich nicht zu überzeugen, ich bin von Farn seit jeher überzeugt. Das war bis jetzt auf den Wald beschränkt, jetzt gibt es Schwertfarn für das Arbeitszimmer. Da hat man nicht nur schönes Grün vor Augen, sondern auch jemanden, der die Luft zwischen dem Lüften ein wenig frischer hält. Und wenn man ihn brav mit Wasser und etwas Sprühnebel versorgt bröselt er auch gar nicht so arg rum, ist also ähnlich pflegeleicht wie die Tillandsien. Was man vom zu Silvester erstandenen Glücksmoos nicht sagen kann. Auf den ersten Griff verliebt – so weich, so sattes Grün, ein herrliches Moos. Dass Moos aber in Innenräumen zur Zicke transformiert, das hat mir niemand gesagt. Eine Internetseite gibt Tips zur Pflege: Gleichmäßig feucht soll man es halten, dann überlebe es zumindest ein paar Wochen. Ein paar Wochen? Auf Krankheiten brauche man nicht eingehen, weil das Moos sowieso vorher stürbe. Auf Düngung ebenfalls nicht, weil eben so bald hin. Mein Ehrzeig ist geweckt. Das will ich sehen, ob man das nicht besser machen kann. Ich pflanze das Moos terrarienmäßig in einen Glasbehälter um, so soll Moos besser gedeihen. Ich sprühe jeden Tag, es darf in der höheren Luftfeuchtigkeit ohne direkte Sonne im Bad stehen, und wenn nach dem Duschen gelüftet wird, bekommt es einen Deckel, damit es sich nicht verkühlt. Weil Zug mag es auch nicht.

Die ersten Tage sind super, es wächst sogar ein wenig. Dann sieht es ein wenig kränkelnd aus, ich sprühe ein bisschen, rede ihm gut zu und tätschle ihm den Krauskopf. Und dann, so schnell kann man gar nicht schauen, beginnt der Verfall. Die äußeren Blätter (sagt man das bei Moos so?) werden lätschig und schmierig – es war ihm wohl ein bisschen zu feucht. Ich versuche gegenzusteuern und stelle das Sprühen ein. Jetzt ist es auf der einen Seite immer noch lätschig und fängt einen Gammelprozess an, während es auf der anderen Seite austrocknet. Die Sprühflasche und ich sind uns nicht einig, also erst mal nichts tun, abwarten. Nützt aber alles nichts. Nach nicht einmal zwei Wochen ist es vorbei und ich kann nur noch den Tod feststellen. Naja. Das nächste Silvester kommt bestimmt.

 

Da mein Rücken immer noch ein wenig was gegen die Zeichenhaltung hat heißt es auch heute wieder: Bild kommt noch!

Intermezzo

Ich hatte/habe einen Knacks im Rücken! Das macht die Sache mit dem Zeichnen gerade etwas unangenehm und deswegen ist der Montag-Comic ausgefallen. Und das Bild für Laxenburg bin ich auch noch schuldig. Tja.

Dafür gibt es als kleine Entschädigung hier eine Tulpe:

#45 Laxenburg

Laxenburg hat laut seiner Homepage etwa 2900 Einwohner. Die Besucherzahlen im Schlosspark Laxenburg gehen pro Jahr gegen eine Million. Das heißt, dass im Durchschnitt pro Tag fast so viele Leute den Park besuchen, wie in der Gemeinde wohnen. Im Sommer ist es gedrängter und an die Wochenenden will man gar nicht denken. Wenn man da nicht vom Tourismus lebt, zieht man wahrscheinlich weg, denn was zu viel ist, ist zu viel. In der kargen Jahreszeit aber ist alles ein wenig entspannter, obwohl der Parkplatz beim Haupteingang auch an diesem Sonntag im Jänner gut gefüllt ist. Der Wetterbericht verspricht in Wien Fönsturm, in Laxenburg weht nur ein mildes Lüftchen, die Hüte bleiben auf den Köpfen. 2,60 € kostet der Eintritt, wir zahlen – vorbildlich vorbereitet – die 5 € und 20 Cent genau.

Der Schlosspark hat eine Fläche von etwa 2,8 Quadratkilometern und nimmt damit mehr als ein Viertel der ganze Gemeindefläche ein. Wir beginnen den Weg nicht schnurgerade zur Kaiser Franz-Büste (wie alle anderen), sondern biegen scharf links ab, vorbei an einer kleinen Baustelle. Nicht besonders romantisch, aber menschenleer. Der Weg bleibt auch einsam und mutiert schließlich zum Trampelpfad. Die Schritte werden etwas langsamer und wir fragen uns, ob wir hier wirklich richtig sind. Ein einsamer Läufer kommt uns entgegen und ignoriert uns. Wir sind total richtig, stelle ich fest. Mitmensch schaut skeptisch. Aber wir gehen weiter. Und da, plötzlich, wir sind irgendwie an den äußersten Rand des Parks gelangt, leuchtet uns eine kleine gelbe Fläche entgegen. Es sind Dutzende kleine Blumen, Frühlingsboten, die in Österreich zwar nicht heimisch sind, die man aber im 18. Jahrhundert gerne in Landschaftsparks gesetzt hat – so einen wie Laxenburg eben. Total richtig! Wir freuen uns und ich fange an, laut darüber nachzudenken, wann man denn eigentlich die Tomaten setzen kann, offensichtlich hat der Frühling ja bereits Einzug gehalten. Mitmensch versucht zu bremsen und meint, wir seien ja noch mitten im Winter. Ich weise demonstrativ auf die breite Blumenfront (dass sie Winterlinge heißen, konnte zu diesem Zeitpunkt ja noch niemand ahnen) und setze die Mütze ab. Es ist ja schon fast heiß in der Sonne.

Wir gehen weiter, das Tomatenthema wird verschoben. Da, die Ruine eines Ziegelbaus mit einem seltsamen, sternförmigen Grundriss. Wir sind tatsächlich auf dem richtigen Weg, das ist das „Haus der Laune“, das nur wenige Jahre nach seiner Fertigstellung Ende des 18. Jh. zerstört und dann zu einem einfachen Lusthaus umgebaut wurde. Seitdem nagt die Zeit daran und noch immer schaben ihre Zähne über Mörtel und Ziegel. Man lässt sie. Ich stelle mir vor, dass das Haus der Laune voller Spiegel war, deren blinde Scherben unter Staub und Blättern begraben liegen, samt den Spiegelbildern. Eine andere Zeit.

In Laxenburg verschiebt sich die Zeit ohnehin, denn auch was da im 18. Jahrhundert erbaut und gestaltet wurde, war damals schon aus der Zeit gefallen: Rittergruft und Rittersäule sind wie auch der Turnierplatz Bestandteile des „Rittergaus“ des Parks. Eine romantische Idee, kitschig, einen Mythos beschwörend und eine vermeintlich einfache Zeit. Die Ritter wussten noch nichts von Napoleon, den Kriegen und der späteren Besatzung. Sie wussten auch noch nichts vom Bootsverleih, der am künstlich angelegten See angesiedelt ist und im Sommer mit ruderfreudigen Touristen lukrative Geschäfte macht. Jetzt aber ist Winterpause und in der Franzensburg auf der kleinen Insel hallen die eigenen Schritten wider. Es riecht nach feuchter Mauer, die Sonne steht noch nicht hoch genug, um in den Hof zu spähen. Wenige Minuten weiter gelangen wir an zur ebenfalls künstlich angelegten Grotte, die mit Bauzäunen versperrt ist. Ein Trampelpfad zwängt sich am Baugitter vorbei, wie – verwegen! – auch wir, und wir besehen uns das Innere der Grotte. Ein Graffiti prangt auf der steinernen Wand und es riecht feucht und kühl. Eine Kuppel aus Stein, ein Zugang zum Wasser. Im Sommer sicher hübsch und angenehm. Jetzt eher unspektuakulär. Wir zwängen uns durch den Bauzaun wieder nach draußen ins sogenannte Sophiental, in dem verstreut einige seltene Bäume wachsen. „Tal“ ist ein etwas großspuriger Begriff für die kleine Senke, aber das gehört sich hier so. Der „Wasserfall“ fällt auch in diese Kategorie, man darf da nicht so kleinlich sein.

Der Rückweg zum Eingang entpuppt sich länger als gedacht, vor allem, wenn sich der Hunger langsam breit macht und man viel Zeit hat, darüber nachzudenken, was man denn zu Hause kochen könnte. Die Schritte werden immer schneller, keine Zeit mehr für den alten, 500 Quadratmeter großen Eiskeller oder die Kapelle beim Filmarchiv. Beim nächsten Mal dann. Eine einzelne Banane reicht halt nicht sehr weit als Proviant. Der Wind frischt etwas auf, als wir zum Ausgang gelangen. Ein schräges Gelände. Laxenburg, wir kommen wieder.

 

Zeichnung folgt!