#43 Therme

Bis vor wenigen Jahren war ich noch nie in einer Therme. Wozu auch. Hauptsächlich herumliegen und dazwischen ein wenig plantschen entspricht nicht unbedingt meiner Vorstellung von einem interessanten Tag. Und „Entspannung“ gehört ohnehin zu den Worten, bei denen sich mir die Stirn in Falten legt und die Nase kräuselt. Das liegt in meiner Vorstellungswelt gleich um die Ecke von „Nichtstun“. In Nichtstun aber bin ich ganz, ganz schlecht. Etwas (egal was) tun zu wollen und es nicht zu dürfen (oder wenn krank: tun zu können), das ist grausam. In der Therme sind nun die Möglichkeiten des Tuns ziemlich eingeschränkt. Man tut zwar die ganz Zeit etwas (Abduschen, rein ins Wasser, warten, raus aus dem Wasser, nicht abduschen, mindestens eine halbe Stunde entspannen, dann erst abduschen, umziehen gehen, eine Kleinigkeit essen, vom Essen ausruhen, dann wieder umziehen, zu den Liegen gehen, etwas entspannen, dann wieder abduschen vor dem Wasser… und so weiter ad infinitum), aber man macht nicht wirklich etwas. Eine ziemliche Herausforderung.

Die ersten zwei, drei Male in der Therme hat es nicht lange gedauert und die Rastlosigkeit hat sich mir mit Würgegriff an den Hals gehängt. Mittlerweile, der Mensch ist ja ausgezeichnet anpassungsfähig, habe ich drei Wege gefunden, mit Hilfe derer ich den Wunsch des Mitmenschen mitmachen kann, ohne dabei die Wände hinaufzugehen und der Thermenlandschaft den Bösen Blick zuzuwerfen:

1. Ein halbes Dutzend Bücher. Man will ja Auswahl haben. Die Therme ist wahrscheinlich der einzige Ort, an dem ich pro Tag ein bis zwei Bücher schaffe, weil das Internet sich so schlecht mit so viel Wasser verträgt. Vielleicht sollte man das Internet zu Hause öfter mal einfach abschalten…

2. Stift und Zeichenblock und eine gute Portion Voyorismus. Menschen in Badehosen können und wollen oft auch gar nichts verstecken und meistens bewegen sie sich langsam genug, um zumindest eine rudimentäre Skizze zu erlauben. Unglaublich, diese Fülle an Formen, Farben und Haltungen! Das ist nicht böse gemeint, Mensch schaut halt wie Mensch aus. Zum Glück, sonst wäre es sehr schnell sehr langweilig. Zum Zeichnen ist das super. Dass man dabei hin und wieder auch Sachen sieht, auf die man hätte verzichten können, gehört dazu. Etwa wenn das um die Hüften geschwungene Handtuch hinten nicht ganz zusammengeht.

3. Sport. In der Therme gibt es ein Sportbecken, das meistens ziemlich leer ist, weil es draußen liegt und kälter als alle anderen Becken ist – ideal also für ein paar Längen, die das Eintauchen in die 36 Grad warme Sole danach zu einem wesentlich befriedigerem Erlebnis machen, als  wie wenn man es vom ohnehin recht warmen Liegebereich aus betritt, denn der vom kalten Wasser etwas ausgekühlte empfindet das warme Wasser dann als tatsächlich warm und angenehm.

Thermen sind super.

2 Gedanken zu „#43 Therme

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