#38 Der gemeine Katarrh

Der gemeine Katarrh (altgr. καταρρεῖν) ist ein hinterhältig einziehender Untermieter in eine mehrere Höhlen umfassende Wohnanlage. Oft merkt man nicht, dass er da ist, bevor er es sich bequem gemacht hat, und dann kann es Tagen, wenn nicht Wochen dauern, bis man ihn wieder los wird. Die Anlaufstelle für pietätlose Ortsbesetzer, triefnäsige Heimhocker und ekelhafte, knotzende Einnister (kurz: A.P.O.T.H.E.K.E.) bietet in solchen Fällen Beratung an und hat, da die Opfer Legion sind, um die ganze Sache einen lebhaften und einträglichen Handel aufgebaut. Ich nutze das dort lagernde Sortiment um mich auszurüsten und mich mit dem Nötigsten einzudecken, Beratung aber lehne ich ab. Ich habe meine eigenen Quellen, die mir Schlachtpläne liefern um mit dem ungebetenen Gast fertig zu werden. Eines der vertrauenswürdigsten Handbücher dazu stammt u.a. aus der Feder von Pater Kilian Saum OSB („Ober-Schnupfen-Beauftragter“). Hier wird vor allem jene Strategie gefahren, die es dem Untermieter möglichst ungemütlich machen soll: Olofaktorische Bomben, etwa Mentha piperita (Pfefferminze) oder Thymus (Thymian), sollen ihm den Aufenthalt verleiden, ebenso wie überraschende Dampfbäder. Wer möchte schon ohne Vorwarnung in seinem Wohnzimmer einen unangekündigten Saunaaufguss erleben? Schönstes Mittel aber ist es, dem gemeinen Katarrh das Leben zur Hölle zu machen, sprich die Temperatur zu erhöhen, liebt er es doch eher kühler. Kühl und trocken – das ist sein bevorzugte Habitat. Ergo muss Hitze und Feuchtigkeit durch die Höhlen gejagt werden – dabei ist aber immer darauf zu achten, dass alle Türen, sprich Übergänge von Höhlenraum zu Höhlenraum, offen und nicht verbarrikadiert sind. Sonst reibt er sich hinter den Barrikaden die Hände, macht es sich erst recht bequem und trommelt an den Höhlenwänden wie ein Böser, um zu zeigen, wer hier Herr im Haus ist. Sind die Höhlen aber frei und zugänglich, dann setzen ihm heiße Bäder, Dampfinhalationen und Nasensprays dermaßen zu, dass er – wie auf Kohlen sitzend – aufspringt, den Hut nimmt und mit einem letzten wutentbrannten Ausruf auf den Lippen (er habe jetzt die Nase voll oder ähnliches), aus den Höhlen hinausjagt, als ob der Teufel selbst hinter ihm her wäre.

Der dem Alkoholgenuss folgende Kater ist übrigens mit dem gemeinen Katarrh entfernt verwandt, scheint zu Beginn zwar deutlich heftiger und wirft alle Möbel um, ist aber wesentlich nervöser und hat weniger Sitzfleisch als derselbe und lässt sich dementsprechend schnell wieder hinausbuggsieren.

Ich wünsche allen Betroffenen – des einen oder anderen Untermieters – eine rasche Genesung.