#40 Lichtverschmutzungsmessstellen

Es hat mich überrascht – positiv -, als ich durch einen Artikel erfahren habe, dass Oberösterreich ein Lichtmessnetz hat. Noch nicht lange, aber sie gedenken es offensichtlich einzusetzen. Ich bin begeistert. UND! Man möchte die Nationalpark Kalkalpen-Region zu einem Dark-Sky-Park machen.

Aber langsam und von vorne. Vor ein paar Jahren war ich bei einer Nachtführung im Schönbrunner Tiergarten dabei, man teilte sich mit jeweils einem anderen Menschen einen Restlichtverstärker (von Swarovski – da fragt man sich dann, was man über Schmuckhersteller sonst so alles nicht weiß) und das Ganze startete nach Sonnenuntergang. Es war so dunkel, wie es in Wien halt dunkel sein kann, was aber nicht wirklich dunkel ist, und mehr Tag zu sein scheint als Nacht. Die Wolken strahlten diesen seltsamen orangen Großstadtglow ab und man sah alles und jeden sehr gut, die Restlichtverstärker waren vor allem für blätterreiche Gehege, Innenräume und genaueres Sehen gedacht. Da sagt eine junge Frau neben mir: „Boah ist das dunkel hier!“ „Ja, voll!“, sagt ihre Freundin. Ich war einigermaßen perplex. Das kann doch nicht sein, dass DAS als dunkel empfunden wird. Wurde es aber offensichtlich.

Kurz darauf stieß ich auf das Buch „Die Nacht. Reise in eine verschwindende Welt“ (Original Englisch „The End of Night“) von Paul Bogard. Ein wunderbares und erschreckendes Buch über Lichtverschmutzung (d.h. zu viel nächtliche Beleuchtung), das seine Kapitel auf der Bortle-Skala aufbaut, von Klasse 9 (Hell wie in einer Innenstadt) bis Klasse 1 (extrem dunkel, wie etwa im Wüsteninneren). Bogard geht darin auf die unterschiedlichen Facetten der erhellten Nacht ein, spricht über das Leben von Nachtfaltern und Fledermausschwärmen genauso wie über die menschliche Angst vor Dunkelheit und darüber, dass mondhelle Nächte für das menschliche Auge eigentlich ausreichend Licht bereitstellen: In Mond- und sternenhellen Nächten braucht man keine weiteren Lampen und sie machen es dem Auge leichter, sich an dunklere und hellere Ecken anzupassen, als zwischen gleißenden Lampen und dem scheinbaren Schwarz daneben umschalten zu müssen. Am Land, ohne zusätzliche Beleuchtung, merkt man schnell, dass der Vollmond stark genug ist, um Schatten zu werfen und das Licht reicht tatsächlich aus, um Lesen zu können – was ich aber nicht empfehle, das ist schon anstrengend. Aber versuchen sollte man es mal, es ist faszinierend. Und man merkt, wie wenig Licht reicht, um gut sehen zu können. Das Auge kann das – aber man muss ihm auch die Möglichkeit dazu geben, sonst vergisst es irgendwann mal, wie ausgezeichnet es für Dunkelheit ausgerüstet ist.

Nun ist natürlich nicht jede Nacht sternenklar und Beleuchtung ist durchaus sinnvoll. Wenn es sinnvolle Beleuchtung ist, die das Licht dorthin lenkt, wo es hin soll: Auf die Straßen und Gehwege und nicht zur Seite oder nach oben, um den Flugzeugen zuzuzwinkern. Auch auf Gebäudebeleuchtungen in der Innenstadt muss man nicht verzichten, und wenn man es richtig macht, dann erreicht man den Paris-Effekt: Alles sieht in der Innenstadt wunderbar beleuchtet aus, streut aber kaum nach oben weg. In Wien funktioniert das noch nicht so, hier wurde zu Beginn des Jahres festgestellt, dass etwa ein Drittel der Lichtverschmutzung von Straßenbeleuchtungen herrührt, der Rest geht auf das Konto von Werbetafeln, Fassenden- und Geschäftsbeleuchtungen (man siehe hier). Es sind kaum Sterne sichtbar, dafür leuchtet eine orange Glocke über der Stadt. Hierzulande muss man sich keine Genehmigung für Beleuchtungen holen, und auch wenn ich sonst gegen Genehmigungen für alles und jeden bin, es würde wohl schneller zu Ergebnissen führen, als jedem zu erklären, warum er oder sie in eine sinnvolle und umweltfreundliche Lichtarchitektur investieren möge.

Spannenderweise gibt es seit 2014 in Großmugl, nur 35km Luftlinie weit weg von der Hauptstadt, einen Sternenweg, denn der Ort bietet, so auf der Homepage, „durch eine landschaftliche Besonderheit ausgezeichnete Bedingungen zur Beobachtung des Nachtimmels“. Großmugl bewirbt sich außerdem um einen Unesco-Welterbestatus (die Unesco hat das Recht auf Dunkelheit in ihre Arbeit mitaufgenommen, einen 241 Seiten fassenden Konferenzband dazu gibt es hier) als Dark-Sky-Park (wie die Kalkalpenregion) – zur Zeit gibt es davon etwa 50 weltweit. Ich denke, da muss ich mal hin 🙂

Zurück nach Oberösterreich. 23 Lichtmessstationen wurden eingerichtet, um die Helligkeit in der Nacht zu messen und die beiden Gemeinden Kirchschlag bei Linz sowie Steinbach am Attersee sollen hinsichtlich ihrer Beleuchtung Mustergemeinden werden: Bewusste Beleuchtung, Bewegungsmelder, nach unten gerichtete Lichtkegel sowie warm-weißes Licht sind die Ziele (sagt der Standard hier), die u.a. nicht nur das Insektensterben verringern, sondern auch der menschlichen Gesundheit zuträglich sein sollen. Der Mensch ist nicht gemacht für die hellen Nächte, neben Schlafproblemen und verkürzten Regenerationsphasen soll es auch das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten sowie Krebs erhöhen. Also: Schlafzimmer abdunkeln, wenn die Straßenbeleuchtung draußen zum Fenster hereinscheint.

Ich wünsche eine angenehme Nachtruhe.

 

P.S.: Auf der Homepage des Landes OÖ findet man einen kleinen Leitfaden zum besseren Umgang mit Licht (siehe hier).

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