Reingelegt

Nach einer sehr schönen Hochzeit von zwei lieben Menschen in London haben Lieblingsmensch und ich am Sonntag unsere Koffer gepackt, bei dem netten Airbnb ausgecheckt und sind zum Hotel „Le Meridien“ bei Piccadilly, wo ein Teil der Hochzeitsgesellschaft untergebracht war. Schnell Koffer unterstellen und nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Nähe holen wir sie wieder. Wir werfen uns in ein Taxi, um – müde und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe – den Weg zum Heathrow-Express, der uns innerhalb einer Viertelstunde zum Flughafen bringen soll, zu vereinfachen. Leider hat uns der Taxler nach Zielnennung beim Einsteigen gleich darüber in Kenntnis gesetzt, dass es irgendeine Gasexplosion bei der Paddington-Station gegeben haben soll, und man deswegen nur sehr schwer hinkommt und kaum Züge fahren. Nicht unbedingt das, was wir zu diesem Zeitpunkt hören wollten. Umdenken. Mensch entscheidet, dann nehmen wir halt die Tube (so heißt die U-Bahn in London). Der Taxler wirkt ein bisschen komisch und fährt uns ein wenig im Kreis zur Station Green Park und für eine Strecke, die wir auf direkterem Weg und in derselben Zeit zu Fuß hingelegt hätten, zahlen wir acht Pfund. Hallali. Naja. Pech, das mit dem Heathrow-Express.

Die Tube-Fahrt war angenehm, weil relativ wenig los war und am Flughafen haben wir noch viel Zeit. Lieblingsmensch recherchiert Gasexplosion, kann aber nichts finden, nur die Heathrow-Express-Züge dürften offensichtlich ein wenig verspätet sein. Seltsam. Wir genehmigen uns Tee und Kuchen und beim Zeichnen eines Mädchens, das an einem der benachbarten Tische saß (siehe unten), kommt mir dann die Erleuchtung (ja das hat ein wenig gedauert, schieben wir es auf die Medikamente): Wir sind reingelegt worden. Zumindest hat der Taxler es versucht. Da wir aus dem „Le Meridien“ kamen und uns der Türsteher dort das Taxi herbeigepfiffen hat, hat der Taxler wohl gedacht, wir hätten Geld. Und hat offensichtlich darauf gehofft, dass wir – wenn er uns erzählt, dass der Heathrow-Express nicht fährt – gleich im Taxi zum Flughafen fahren wollen. Dass wir dann bei der nächsten Tube-Station wieder aussteigen und er deswegen noch weniger Geld mit uns gemacht hat, als wenn er uns nach Paddington zum Heathrow-Express gebracht hätte, das nennt man dann wohl Karma.

 

#37 Mein Kalender, dein Kalender

Es gibt zwei Fraktionen. Ich gehöre zu der aussterbenden Minderheit. Denn ich habe einen Kalender aus Papier. In Buchform und A6-Format (bei meiner Schriftgröße kann ich in einem der 9×4,3 Zentimeter messenden Felder, die jeder Wochentag darin hat, ganze Romane unterbringen). Ich mag meinen Kalender, 2017 ist außen orange. 2018 wird gelb werden. Ich habe ihn bereits bestellt, weil meine bevorzugte Variante (A6 mit besagten 9×4,3 Zentimeter-Feldern) irgendwie nicht so der Renner zu sein scheint in den Geschäften und es sie nirgendwo lagernd gibt.

Die meisten anderen Menschen, die ich kenne, verwenden ihr Smartphone als Terminkalender. Wenn ich einen Termin ausmache, ziehe ich Kugelschreiber und Kalender aus dem Rucksack und werde von Leuten, die mich nicht gut kennen, ein bisschen belächelt. Manche sagen „cool“. So weit sind wir also schon. Hardwarekalender sind „cool“. Doch niemand, der „cool“ sagt, würde seinen Smartphone-Kalender gegen Papier tauschen. Meistens schauen die Leute ein wenig entrüstet, wenn man ihnen das vorschlägt. Denn das Smartphone ist ja so praktisch. Man kann nicht nur die eigenen Termine eintragen, nein! Man kann auch in die Kalender von anderen Leuten (d.h. vor allem die der Partnerin oder des Partners) schreiben! Als ich das das erste Mal gehört habe, sind mir fast die Augen rausgefallen. Ja genau, das fehlt noch! Irgendjemand (also man kennt die Person ja schon meistens etwas besser, aber trotzdem), der mir – ohne mich fragen zu müssen – meine Woche zukleistert! Die Menschen sind offensichtlich auf Streit aus. Wenn man mir das vorschlagen würde, wäre das Gespräch wohl recht kurz: „Legen wir unsere Kalender zusammen!“ – „Super Idee, ich wollte sowieso mit dir Schluss machen!“

Und bei welchen Gelegenheiten legt man überhaupt seine Kalender zusammen? Muss man da die drei-Monats-Grenze überschritten haben? Macht man das am Jahrestag?
„Du, Schatz, ich muss dich was fragen…“ – (Gehaucht:) „Jaa?“ – „Wollen wir, also du und ich…“ (Gehaucht:) – „Jahaa?“ – „Wollen wir… unsere Kalender synchronisieren?“ (Oder wie immer man das nennt.) Und dann sagt er: „Oh, Olivia, ich dachte du fragst nie!“ und sie fallen sich in die Arme.

Ich habe bereits mehrere unangenehme Situationen, die aus Kalender-Sharing entstanden sind, miterlebt. Da wurde ohne Nachfragen der einzige freie Abend des Monats verplant. Da wurden Termine mit Menschen ausgemacht, die nur die eintragende Hälfte des Paares wirklich mochte. Das ist nicht schön. Das ist sogar ziemlich übergriffig. Aber ist ja nicht mein Mensch. Und Zeit ist für mich offensichtlich ein heikleres Thema als für andere. Kommt mir zumindest so vor. Sonst würden doch viel mehr Menschen wieder auf Papier (eventuell sogar A6-Format, mit 9×4,3 Zentimeter-Feldern für die Wochentage?) umsteigen, um gemeinsamen Kalenderdates ohne den anderen dabei zu brüskieren den Saft abzudrehen. Vielleicht ist genau das aber auch der Grund, weshalb bei Thalia, Kuppitsch und Co. seit Jahren ab Oktober immer mehr Kalender in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Größen aufliegen.

Außer Format A6 mit besagten 9×4,3 Zentimeter-Feldern.

 

Vienna ComicCon

Es war ein langes Wochenende: Am Freitagabend haben wir uns den Tisch in der Messehalle C angesehen und uns umgeschaut: Ich finde es immer nett, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können – vor allem hätte mich interessiert, wie sie das riesige Modell eines Star Wars-T-Fighters aufgestellt haben, aber dafür waren wir zu spät:

Also Kabelbinder raus und Äste an den Tischbeinen fixiert, schwarzen Stoff darüber und kurz mit den Tischnachbarn geredet, die aber ohnehin eher mit sich selbst beschäftigt waren. Ahja, ich sitze zwischen zwei Manga-Mädchen 🙂 Die Unterschiede zwischen meinem und den beiden Tischen links und rechts von mir konnte man nicht nur an den Ausstellungsstücken feststellen – dort quietschbunt und pastell, hier eher kräftig und monochrom -, auch das Publikum schien sich daran zu scheiden: Wer auf sie zugesteuert ist und die Tonlage plötzlich eine Oktave höher gelegt hat („Oooh my goood! You’re heeeere!“), hat meinen Tisch links liegen gelassen, wer zu mir kam, hielt eher Abstand von den Nachbarn und hat relativ normal weitergeredet. (Vielleicht lag es aber auch am Gemüse. Hätte ich Knoblauch mitnehmen sollen?)

Der Samstag war laut, voll und beschwingt und dauerte für uns in der Halle von ca. 9 Uhr früh bis kurz nach 19 Uhr. 10 Stunden am Tisch! Aber hinter der Barriere eines Tisches ist die Con wesentlich entspannter mitzuverfolgen als in der Rolle des sich bewegenden Con-Besuchers, auf den von allen Seiten mit Musik, Wort und Bild geschossen wird. So kann man entspannt Cosplayer-Kostüme raten, Bastelaufwand schätzen und sich überlegen, ob man dem einen oder der anderen von der Erfindung des Tangas berichten sollte. Wir entschieden uns dagegen, weil wir nicht wussten, wie gut die Weapon-Control am Eingang tatsächlich funktioniert. Sitzend kommt man außerdem weniger in Versuchung, Geld auszugeben (außer genau gegenüber befindet sich ein Stand, der neonfarbene Katzen-Shirts verkauft; da hilft dann halt alles nichts).

Mein schönstes Erlebnis (um den Volksschulaufsatzthemenbereich Genüge zu tun) war ein Teenager-Mädchen, das mit dieser „lasst mich alle in Ruhe, ihr seid alle uncool und ich weiß überhaupt nicht, warum ich das hier mitmache“-Miene im Gesicht am Tisch vorbeikam. Sie fing an, unsere kleinen Horrorskop-Kommentare zu lesen. Und als sie bei der Jungfrau angekommen war („bevorzugte Mordwaffe: egal was, aber es wird danach desinfiziert und weggeräumt“), hat sie gegrinst.

Yeah.

Nicht ganz so großartig: Es gab einen Menschen, der sich handverlesenen Tischen widmete, seine eigene Zeichenmappe herzeigte und halbstündige Vorträge darüber hielt, was ihn in seinem Oeuvre beeinflusst hat. Dieser Kelch ging am Samstag glücklicherweise an uns vorüber. Aber auch am Sonntag blieb es spannend – der Herr hatte ein Wochenend-Ticket. Doch: Glück gehabt.

Sonntag war die Stimmung nicht ganz so aufgekratzt, es war eben – Sonntag. Alle schienen ein bisschen müde, ein bisschen zurückhaltend. Lag aber vielleicht nur an mir und ich hätte länger schlafen sollen. Da war es nett, dass Familie und Freunde vorbeikamen und man Zeit hatte, sich ein wenig mit neuen Bekannten zu unterhalten, etwa den beiden Köpfen hinter Karrakula (kuckst du Blog hier oder Instragram hier), die unter anderem Postkarten mit wunderbaren Wort-Bildspielereien machen. Und die sich sicher furchtbar über dieses total professional geschossene Foto freuen werden 😉

Fantastisch fand ich auch den Humor von Anna-Maria Jung aus Graz, deren Bilder man u.a. hier auf Instagram sehen kann. Wenn ich groß bin, will ich auch so werden.

Ja und dann – dann war es 17 Uhr und die Vienna ComicCon war vorbei. Ich habe mich gleich für nächstes Jahr angemeldet. Denn es kann kein schlechter Ort sein, an dem Deadpool ein Einhorn umarmt! (Wie war das noch mal, die Sache mit den Einhörnern und den Jungfrauen…?)

Schön war’s! Und ein herzliches Danke meinen beiden großartigen HelferInnen 😉

#36 Krähen

Vögel füttern ist recht nett – nicht nur für die Vögel, sondern auch für die Beobachter. In Wien hält sich die Zahl der unterschiedlichen Vogelarten in dem eher städtisch angelegten Gebiet mit wenig Grün, in dem ich wohne, eher in Grenzen, aber wir haben sogar schon mal Spechte gesehen. Im Sommer segeln die Schwalben durch den Hof und jetzt, im Spätherbst, stochert eine Kohlmeisentruppe regelmäßig alle Ritzen der Umgebung nach Essbarem ab. Und dann gibt es noch die Raben. Beziehungsweise, nach einem Blick ins Vogelbestimmungsbuch, die Nebelkrähen. Man nennt sie auch Aaskrähen, aber man will es sich ja mit den Vögeln nicht verderben. Nebelkrähen sind Reviertiere, das Pärchen in unserer Umgebung verteidigt das auch vehement mit lautem Krächzen und weiß wahrscheilich alles, was hier abläuft. Das meiste davon – wie diverse Klimaanlagenstreitigkeiten oder hinter-vorgehaltener-Hand-über-die-neuen-Nachbarn-Tuscheln – interessiert sie wohl eher weniger. Was sie interessiert, ist Essen.

Im Sommer haben wir unvorsichtigerweise Marillenkuchen auf den Balkon gestellt. Für uns. Zum Frühstück. Und sind dann Tee machen gegangen. Zurück am Balkon war vom Marillenkuchen nicht mehr viel da, die Nebelkrähe hatte noch ein Beweisstück in Form einer Marille im Schnabel und wandte sich zur Flucht. Dreist.

Jetzt, in einer Zeit, in der nicht mehr so viele Marillenkuchen am Balkon herumstehen, finde ich kann man zur eigenen Unterhaltung und zur besseren Ernährung der Nebelkrähen beitragen, wenn man sie ein wenig füttert. Man kann und soll ja nicht nur von zu Boden gegangenen Pommes leben.

Aber darf man Krähen überhaupt füttern? Ich hatte den Spruch „Wer Tauben füttert, füttert Ratten“ im Kopf. Man darf – zumindest laut wien.gv.at:

„Das Füttern von Tauben und Krähen darf nur in jenen Mengen erfolgen, als die am Ort befindlichen Vögel das Futter gänzlich aufnehmen können. Ein Überschuss an Vogelfutter lockt Ratten an und ist deshalb unbedingt zu unterlassen.“

Offensichtlich ist auch das Taubenfüttern nicht grundsätzlich verboten, wie ich dachte, aber Tauben will ich trotzdem keine anlocken. Die sind mir zu dumm. Die Krähen hingegen fahren bei Schnee auf dem Dach Schlitten und spielen in der Dachrinne Schneepflug. Manchmal werfen sie Steine in die Regenrinne, weil es so schön klappert, wenn er runterfällt. Großartig!

Der Versuch hat mit Walnüssen gestartet, die sehr erfreut von den Krähen aufgenommen wurden. Sie haben in Rekordtempo die Nüsse zu den gegenüber liegenden Balkonen transportiert und dort in diversen Blumenkästen versteckt. Gut. Keine Walnüsse mehr. Wegen der guten Nachbarschaft. Und so.

Zweiter Versuch: Trauben. Ein totaler Reinfall. Das Weibchen hat die Traube ein wenig herumgerollt und sich dann getrollt. Das Männchen ist herumgestelzt und hat die Trauben demonstrativ ignoriert. Die Entrüstung darüber, keine Nüsse vorzufinden, war offensichtlich.

Dritter Versuch: Erdnüsse. Die Nebelkrähen, die rasch begriffen haben, dass es offensichtlich hier am Balkon regelmäßig Frühstück gibt und mittlerweile schon darauf warten bzw. wenn nichts kommt, empört zu rufen beginnen, waren von den Erdnüssen noch viel begeisterter als den Walnüssen. Eine mit dem Schnabel nehmen, zu einem nahen Dach fliegen, aufhacken (hui, da merkt man erst, wie scharf dieser Schnabel sein muss), fressen und wieder retour. Mittlerweile sind sie etwas entspannter geworden: Sie fangen jetzt an, die Nüsse am Balkon vor dem Transport mit dem Schnabel zu wiegen, um zu sehen, wo mehr drinnen ist. Verwöhntes Pack.

Wie ich überhaupt auf die Krähen komme? Es gibt ein neues Buch, das ich mir ansehen möchte und das vom bmwfw für den Wissenschaftspreis des Jahres 2018 nominiert wurde (mehr dazu findet man hier): Jennifer Ackermann: Die Genies der Lüfte. Die erstaunlichen Talente der Vögel. (2017) Wahrscheinlich gibt es noch ein paar mehr Dinge, als dass Krähen Erdnüsse mögen, die man über Vögel wissen können darf.

 

Veggie Zombies – fertig!

Nach drei ziemlich intensiven Wochen sind die Veggie Zombies gestern Abend fertig geworden: Die letzte (weil erste) Seite kam zum Schluss. Jetzt muss ich alles „nur“ noch scannen, zusammenstellen, mit einem Mini-Impressum versehen und dann einen Copyshop finden, der alles so macht, wie ich will. Wish me luck.

 

#35 Der Wiener Wald

Der Wiener Wald gehört noch zu den Alpen. Das wusste ich nicht. Er ist der nordöstlichste Zipfel der den Alpen zugehörigen Region und schafft so eine für mich eher überraschende Verbindung zwischen dem Wiener Wald und Monaco. Wald ist fabelhaft und Laubwald – wie eben den Wiener Wald – ist ohnehin wahnsinnig schön. Wir gehen oft einfach etwas kreuz und quer durch, und letztes Mal sind wir dabei in einen Teil gekommen, in dem wir das gesehen haben:

Das kann einem nur im Wiener Wald begegnen, haben wir gemeint: depressive Bäume. Zu Hause habe ich ein wenig recherchiert, bin aber schnell weg von den depressiven Bäumen und hin zur beruhigenden, antidepressiven Wirkung von Bäumen auf die menschliche Psyche und den positiven Einfluss auf die Gesundheit gekommen.

In letzter Zeit gab und gibt es einige Studien dazu, die ich ganz interessant finde: Seit dem Jahr 2008, so habe ich gelernt, leben zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen in Städten als außerhalb von ihnen. Das ist per se nichts Schlechtes, da global gesehen die Gesundheitsversorgung innerhalb von Städten besser ist als jene auf dem Land, Städte höhere Bildungschancen bieten (vor allem für Frauen) und es mehr kulturelle Möglichkeiten gibt. Negativ für Stadtbewohner ist z.B. das höhere Risiko für psychische und  stressbedingte Krankheiten (u.a. ausgelöst durch Luftverschmutzung und Lärm). Da ist auch die höhere Chance auf Behandlung kein wirklich guter Ausgleich dafür.

Die Natur aber kann hier präventiv wirken: In Schottland wurde eine Studie zu Grünbereichen in Auftrag gegeben und je näher Menschen an Grünbereichen (d.h. sei es auch nur ein Park) leben, desto seltener leiden sie an stressbedingten Krankheiten. Diese Auswirkungen zeigen sich vor allem bei den ärmeren Bevölkerungsschichten deutlich. Dass das interessant und wichtig ist, hängt damit zusammen, dass Gesundheit mit dem Einkommen korreliert: Je wohlhabender jemand ist, desto länger lebt er oder sie. Nähe zur Natur aber kann die Gesundheit unabhängig vom Einkommen verbessern. Da muss ich an die älteren Herren im Augarten denken, die dort jeden Tag Boule spielen. Go for it! Es kommt mir aber auch die seltsame Baumgrenze zwischen 8. Bezirk und 16. Bezirk in den Sinn: Sobald man den Gürtel von der Innenstadt her kommend zum 16. überquert, ändert sich das Stadtbild gewaltig. Warum? Weil es mit einem Schlag keine Bäume mehr gibt. Die wenigen Parks nahe des Gürtels sind versteckt und mini oder zwischen zwei Fahrspuren eingeklemmt. Ich bin gespannt, was am Johann-Nepomuk-Berger-Platz passiert, der mit der Verlegung der Straßenbahnschienen ja auch umgestaltet werden soll. Mehr Baum? Mal sehen. Aber auch dann ist der Bereich für das, was ich einen echten Park nennen würde (ich möchte mindestens zehn Minuten herumgehen können, ohne ein Auto zu sehen), viel zu klein.

Zurück zu den positiven Wirkungen. Natur und vor allem Wald wirken postiv auf depressive Momente und das ständige repetative Wiederholen negativer Erfahrungen: Etwa 90 Minuten Bewegung in der Natur sollen den Teil des Gehirns deaktivieren, der sich mit negativen Gedanken beschäftigt, weil die Aufmerksamkeit nach außen gelenkt wird: Die Sinne werden wach, man nimmt die Umwelt auf einmal wieder wahr und wird so aus dem negativen Kreislauf gerissen. Die Kontrollgruppe der Studie, deren Teilnehmer 90 Minuten lang in der Stadt herumliefen, konnte keine positiven Wirkungen vermerken. Finnische Wissenschaftler geben als Minimum fünf Stunden im Monat (!) an, die man an der frischen Luft (Park, Wald) verbringen sollte, um präventiv gegen leichte Depressionen zu wirken. Aber auch schon weniger Zeit mit Baum und Blatt helfen, sich zu entspannen und erfrischt ans Werk gehen zu können.

Doch egal ob fünf Minuten im Park oder zwei Stunden Wandern durch den Wiener Wald, wenn man positiven Einfluss auf Gemüt und Denken spüren möchte und dem Frontallappen seines Gehirns die Möglichkeit zu Entspannung bieten will, dann muss man auf Smartphone und Kopfhörer verzichten. Denn die ständige Erreichbarkeit bzw. die fortwährende Beschallung heben den positiven Effekt der Natur offensichtlich ziemlich effektiv wieder auf. Und wenn man schon dabei ist, vielleicht sollte man dann auch die depressiven Teile des Wiener Waldes besser meiden. Richtung Monaco gibt es sicher noch das eine oder andere schöne Waldstück.

 

 

Buch hierzu mitsamt den Studien: Florence Williams: The Nature Fix. Why Nature Makes Us Happier, Healthier And More Creative. 2017.

Postkarten

Die Postkarten für die ComicCon sind fertig – eigentlich wollte ich bis zur Con mehr als nur die Horrorskope fertig haben, aber da ist sich dann doch nicht mehr ausgegangen. Ich bin sehr zurfrieden mit den Farben, anstatt der 300gr/m^2 wird es bei den nächsten aber definitiv noch einmal stärkeres Papier werden.