#31 Tiergarten Schönbrunn

An alle Pippi Langstrumpf-Fans: Es tut mir leid. Und ich frage mich, wie die das mit Herrn Nilsson am Set gemacht haben.

Aber ich greife vor. Ich durfte diese Woche Begleitung sein bei einem Besuch im Tiergarten Schönbrunn. Und zwar bei einer Affen-Führung und zum Abschluss konnten wir zu zweit die Kattas füttern.

Ich habe viel gelernt. Affen essen in freier Wildbahn zum Beispiel keine Bananen, bzw. kommen sie nicht wirklich dazu, weil Bananen Kulturpflanzen sind und Affen wenig bis kaum Zugriff darauf haben. Der Konnex Affe + Banane wird erst vor etwa hundert Jahren in westlichen Tiergärten gemacht. Man hatte ein exotisches Tier, d.h. einen Affen, und ein exotisches Tier musste ja dann, so die Logik, auch exotisches Futter fressen. An exotischem Obst kannte man Bananen. Punkt. Also fütterte man das exotische Tier mit exotischem Obst: Affe = Banane. Der Pfleger, der uns herumführt, erklärt, dass Affen in Tiergärten heute kaum je eine Banane zu Gesicht bekommen, außer sie benötigen gerade hochkalorisches Futter. Ansonsten füttere man oft Gemüse und nicht zu süßes Obst, weil die Früchte, von dem sich die meisten Affen in freier Wildbahn ernähren, nicht so süß seien wie unser Kulturobst.

Wir stehen vor den Bärenstummelaffen, von denen es noch 37 Tiere in Zoos gibt und deren Zucht so immer schwieriger wird, da die Tiere mehr oder weniger weitschichtig alle miteinander verwandt sind. Wir sprechen über die Blätter, die dei Bärenstummelaffen fressen und der Tierpfleger mustert uns abschätzend und fragt ob wir Vegetarier seien. Ich verneine, er sieht mich eher skeptisch an und meint dann, die Bärenstummelaffen, die sich nur von Blättern ernähren, hätten einen Magen mit vier Kammern, was ihnen dabei helfe, die cellulosehaltige Nahrung aufzuspalten und zu verdauen. Menschliche Mägen seien mit ihrem salzsäurehaltigen Magensaft auf Allesfressernahrung ausgerichtet. Wir diskutieren etwas und kommen zu dem Schluss, dass wir uns ohnehin einig sind: Hin und wieder mal gutes Fleisch ist ok, aber nicht jeden Tag. (Auf einer Frage bleibe ich sitzen: Sehe ich wie ein Vegetarier aus? Und wenn ja: Wie sehen Vegetarier aus?)

Wie gesagt, Essen bleibt Thema, in der Affenküche im alten Affenhaus sehen wir was so alles verfüttert wird: Es gibt es neben Gemüse und Obst auch Reis (für die Ballaststoffe), harte und zerdrückte, aber nicht geschälte Eiern („da können sie herumkletzeln und sind beschäftigt“) sowie Mehlwürmer in den Größen eher klein und eher groß (hui) sowie Grillen. Die Grillen mögen die Affen aber nicht so gerne, weil sie schnell und schwer zu fangen, und noch dazu weit nicht so fett sind wie die eher behäbigen Mehlwürmer.

Wir kommen zu dem Gebäude, in dem auch die Kattas untergebracht sind, gehen über den Seuchenteppich, die hier überall sind, sobald man einen Fuß hinter die Kulissen setzt, und desinfizieren uns die Hände. Wir ziehen uns um und nach einer kleinen Verhaltenslehre (angegähnt zu werden zB ist nicht gut, das hat nichts mit Langeweile zu tun sondern ist eine Drohgebärde) nimmt der Pfleger eine Schale mit kleingeschnittenen Äpfeln und Futterpellets, und wir betreten das Gehege. Der erste Affe landet auf den Schultern und ab dann ist man eigentlich nur mehr damit beschäftigt die Hände offen zu halten und wird von Kattas wie einem lebenden Pelzkragen umgeben. Graues, sehr weiches Fell vor der eigenen Nase, hin und wieder eine neugierige fremde, spitze schwarze Nase im Blickfeld und lautes Schmatzen – was will man mehr 🙂 Während der Pfleger netterweise immer wieder unsere Hände befüllt, erzählt er über die Systematik der Affen und davon, dass die Kattas im Matriarchat leben. Auf uns sitzen nur Weibchen – die rangniedrigeren Weibchen, Männchen und Jungtiere halten sich am Boden oder auf den Plattformen und Astgabeln auf und fressen was runterfällt oder eine Hand ihnen vorbeibringt. Das momentan ranghöchste Weibchen ist nicht ganz so relaxt wie das letzte, meint der Pfleger, was die Gruppe insgesamt etwas nervöser macht. Die letzten Apfelsafttropfen auf der Hand werden säuberlich abgeschleckt und nachdem auch die Kleinsten pappsatt mit Pellets sind, bedanken und verabschieden wir uns. Ein feiner Besuch.

Zurück zu den Totenkopfäffchen und Herrn Nilsson. Totenkopfaffen urinieren auf ihre Hände und reiben sich damit das Fell ein. Der Tierpfleger meinte, das seien die einzigen Affen hier, die er es nicht sooo gerne auf seiner Schulter sitzen habe. Und außerdem seien es Gruppentiere, die nicht alleine gehalten werden sollten. Und ein Mädchen und ein Pferd seien kein Ersatz für andere Totenkopfaffen. Neben der Vegetarier-Frage bleibt heute die Frage zurück, wie man denn Herrn Nilsson für die Serie am Set vorbereitet hat. Wurde er jedes Mal vorher geduscht? Oder setzte man darauf, dass man das nach fünf Minuten sowieso nicht mehr roch? Mahlzeit.

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