Veggie Zombies

Ich bin gerade mitten im Zeichnen der Veggie Zombies, da müssen Io und Phil (abgesehen vom Inktober) gerade zurückstecken.

Das Skript habe ich schon vor ein paar Wochen geschrieben, nachdem ich es etwas liegen gelassen habe, ist die Paneleinteilung dazugekommen, d.h. in welchem Panel passiert was und wieviel Text muss rein. (Es ist immer zu viel Text… Das muss ich noch ein wenig in den Griff bekommen ^^) Danach zeichne ich die Panels auf dünnem Papier und skizziere das Bild bzw. markiere, wo die Sprechblasen hingehören. Dann übertrage ich die Panels auf Bristolkarton und – per Leuchttisch – auch die einzelnen Szenen. Im Moment inke ich zuerst alles, was in den Caption-Boxes und in den Sprechblasen steht, dann kommen die Sprechblasen selbst an die Reihe. Danach werden die Figuren geinkt (d.h. mit Tinte gezeichnet) und am Schluss erst der Hintergrund, mit einem dünneren Stift. Am Ende lege ich die schwarze Flächen an, wenn es welche gibt.

Hier ist die erste und zweite Seite während des Arbeitsprozesses:

Und hier fertige Seite 1:

#33 Der Hausbaum

Ein Hausbaum gehört am Land eigentlich dazu. Also zum Haus. Früher fungierte er als natürlicher Blitzableiter und sorgte für Schutz vor sonstigen allzu argen Übergriffen der Elemente, wodurch ihm über die Zeit magische Eigenschaften zugeschrieben wurden. Einen Hausbaum fällt man auch nicht einfach so, das bringe Unglück, heißt es. Vom Fällen sind wir aber ohnehin weit entfernt, wir würden jetzt erst mal gerne einen pflanzen. Und das macht auch durchaus Sinn, denn Bäume machen meiner Meinung nach keinen „Dreck“, wie manche Leute das sehen, sondern kühlen und befeuchten ihre Umgebungsluft, geben den besten und vor allem schönsten Schatten (da kann jeder Sonnenschirm einpacken), sind Windfänger und wenn es mal ganz ganz schlecht läuft, dann kann man sie immer noch verheizen.
Aber wie gesagt, vom Fällen sind wir noch weit entfernt. Wir haben jetzt schon einige Übung im Bäumepflanzen und finden: es kann ruhig noch einer her. Vor allem da das nach Süden ausgerichtete Gartenhäuschen, an dem der Baum stehen soll, im Sommer ziemlich von der Sonne malträtiert wird. Ein echter Hausbaum (oder halt Häuschenbaum) also, aber ein nicht allzu großer, der trotzdem das Kleinklima rund um die Hütte etwas verbessern soll.

Beim Baumkauf gibt es ein paar Regeln zu beachten: Die Borke soll keine Risse oder sonstigen Schäden aufweisen, der Stamm schön gerade wachsen (wenn man nicht gerade eine Vorliebe für krumm gewachsene Zwergformen hegt) und so weiter. Die wichtigste Regel aber ist diese: Der Baum wächst noch. Ja. Ohne Scherz, manche Leute denken da wirklich nicht darüber nach, wie groß der am Ende wird. Wenn da steht: Kann bis zu 5 Meter hoch werden, dann ist das ernst gemeint. Aber Bäume sehen halt so klein aus am Anfang. Man glaubt ihnen ja nicht, dass sie größer werden. Aber sie tun es. Beispiel Nussbaum. Ein Nussbaum beim Haus wäre ja schon nett, weil Nüsse und so. Der ist am Anfang so groß wie du. Hübsch, schlank. Und ausgewachsen ist er erst so richtig schön. Aber es stellt sich heraus, dass es keine kleinen Walnussbäume gibt, man sollte pro Baum schon mit so an die 100 bis 150 Quadratmeter Fläche rechnen, die er im ausgewachsenen Zustand über und unter der Erde braucht. Das ist ein bisschen viel. (Außerdem braucht er gute zehn Jahre, bis er überhaupt das erste Mal Nüsse trägt!) An dieser Stelle könnte ich über meinen Opa schreiben: Als meine Schwester und ich klein waren, hat er einen Nussbaum im Garten gepflanzt, der ein paar Jahre später wieder gefällt werden musste, weil er – ahja – zu groß wurde. Aber mein Opa ist von der resistenten Sorte: Vorletztes Jahr hat er wieder einen gepflanzt. In einer Ecke. Spannend.

Na gut, wir nehmen keinen Nussbaum, aber auch bei nur ca. 16 Quadratmetern Fläche sind die Möglichkeit vielfältig. Ein Ausschlussverfahren hilft etwas weiter: Magnolien sind schön, aber sie geben nur sehr lichten Schatten, Weißdorn und Co sind zu niedrig, reine Zierbäume wie Zierkirschen will ich keine. Säulenzüchtungen sehen irgendwie nicht nach echten Bäumen aus. Wir entscheiden uns für einen in der Gegend beliebten Baum: Im Ort steht z.B. die Bank, bei der sich die älteren Anreiner treffen, um zu tratschen und das eine oder andere Gläschen zu trinken, unter einem Kugelahorn. Der wächst zwar langsam, aber entwickelt eine schöne Krone mit dichtem Blätterdach und uns geht es ja häuptsächlich um den Schatten. In einer nahen Baumschule werden wir fündig: Der Stamm ist schön gerade und die Äste sind dicht verzweigt und setzen hoch genug an, um darunter durchlaufen zu können ohne sich eine Auge dabei auszustechen. Die Leute sind sehr nett, sie stellen uns den Baum sogar zu. Vom Gartentor weg müssen wir ihn selber tragen. Man glaubt gar nicht, was so ein dünnes, aber doch schon zwei Meter langes Bäumchen samt etwa fußballgroßem Wurzelballen wiegen kann. Wir holen zum Transport die Scheibtruhe. Nachdem wir uns einig sind, wo es denn hin soll, ist das Loch überraschend schnell ausgehoben, da hatten wir schon ganz andere Grabeerfahrungen (manchmal hat man wirklich das Gefühl, über einem alten Steinbruch zu buddeln). Eine Stunde später sitzt der Kugelahorn fest an seinem neuen Platz. Hallo, Hausbaum.

#32 Breitenseer Lichtspiele

Früher war Breitensee mal ein Weinbauort. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her, damals lag es noch in „Unterösterreich“ – womit wahrscheinlich vielleicht früher mal Niederösterreich gemeint war (oder nur ein Teil davon?). Wer da Genaueres weiß, bitte melden, denn ich habe meinen Sachkundeunterricht in Oberösterreich genossen und weiß nur über Salz und diverse Vierteln Bescheid.

Vormals Unterösterreich, heute Penzing, dem 14. Gemeindebezirk von Wien – wenn das kein Aufstieg ist. Beitensee hatte übrigens bis 2005 einen eigenen kleinen Prater mit Fahrgeschäften. Seit 2007 ist statt dem Prater dort ein Parkplatz. Wie nett.

Jetzt hat Breitensee noch (Betonung auf „noch“) die Breitenseer Lichtspiele, „das älteste dauernd bespielte Kino der Welt“. Dieses Kino will ich seit Jahren besuchen – und spätestens dann, wenn wieder einmal die Nachricht kommt, dass das Kino eventuell zusperren werde müsse, nehme ich es mir ganz fest vor. Vor dem Sommer war es wieder soweit (das klingt jetzt zynisch, aber das Kino ist regelmäßig in Geldnöten): Man wisse nicht, wie lange man den Betrieb noch aufrecht erhalten könne, bis Oktober kann er noch finanziert werden, was dann passiert, stehe in den Sternen. Ich war motiviert und habe mir sofort das Programm angeschaut. Leider haben die Breitenseer Lichtspiele genau da ihre Sommerpause begonnen.

Na gut. Um es nicht wieder zu vergessen, habe ich es mir diesmal sogar in den Kalender eingetragen und seit September gibt es wieder Kino im Lichtspielhaus. Ich gehe in eine frühe Vorstellung an einem Montag. 16:30. Es spielt „Der Hofrat Geiger“. „Der Hofrat Geiger“ wurde zu einer Zeit gedreht, als Amtsgänge noch so aussahen wie der von Asterix auf der Suche nach dem Passierschein A38 und die SPÖ bei den ersten Nationalratswahlen 1945 mit 44,60% zweite hinter der ÖVP mit 49,80% wurde. Die Geburtsstunde der großen Koalition. (Nein, das ist wirklich kein Grund, sentimental zu werden.) Von Politik aber merkt man ohnehin wenig im „Hofrat Geiger“, auch wenn klar gemacht wird, dass der Herr Hofrat mit Machtergreifung der Nazis sein Amt niederlegte und im Jahr 1947 wieder eingesetzt wird.

Soweit sind wir aber noch nicht. Zunächst einmal stehe ich nämlich alleine vor dem Kino und wundere mich, ob es denn tatsächlich noch offen hat, denn die Türen sind verschlossen, obwohl es schon Viertel nach Vier ist. Dann huscht ein Mann mit Pferdeschwanz heraus, verschwindet kurz um die Ecke und sperrt, wieder zurück, das Kino auf. Ich warte zwei Anstandsminuten lang und folge. Ich kaufe ein Ticket (9 €) und er meint, er drehe mir schon mal das Licht im Saal auf. Ich schaue mich kurz im Eingangs- und Kassenbereich um: Die Holztäfelung ist blaugrün gestrichen, auch die alte Kassa-Box, die offensichtlich nicht mehr verwendet wird. Es hängen Filmplakate an den Wänden, viele Flyer liegen auf. Man kann Erdnüsse, Mannerschnitten, Milka-Tafeln und einzelne Schokobananen kaufen, denen die Zeit einen leicht weißlichen Überzug verpasst hat. Ich gehe in den Vorführungssaal, der sehr lang ist, 20 Reihen mit jeweils ca. 9 Plätzen – es gibt sogar eine kleine Loge ganz hinten. So viel Platz, nur für mich. Aber vielleicht kommt ja noch jemand. Der Boden ist aus schwarzem Linoleum, glaube ich, und die Klappsesseln sind aus Holz. Ganz vorne steht ein Klavier – manchmal werden hier Stummfilme mit Live-Musik begleitet. Die Breitenseer Lichtspiele geben sich Mühe, etwas zu bieten, was man sonst selten oder nie erlebt, um Publikum anzuziehen. So gibt es hier etwa „Strickfilme“, Filme, bei denen das Licht nicht ganz gelöscht, sondern nur gedämpft wird, damit man Stricknadeln und Wolle sehen kann. Heute bleibt die Besucherzahl wohl eher gering, der Film fängt gleich an und ich bin noch immer alleine. Da trippelt es neben mir. Ein pelziges Etwas huscht vorbei: eine Maus! Ich folge ihr durch die Reihen, sie verschwindet in den Lüftungsschlitzen hinter der Heizung. Von dort sieht man zwar nichts, aber vielleicht strickt sie ja daneben, da sind die Bilder eh nicht so wichtig.

Als ich hinausgehe, passt mich die Besitzerin der Breitenseer Lichtspiele, Anita Nitsch-Fitz, ab: „Hat’s Ihnen g’fallen?“, und dann erzählt sie noch, dass an zwei Tagen im November nicht nur Stummfilm-Pianist Gerhard Gruber, sondern auch Stummfilm-Erzähler Ralph Turnheim kommen, um gemeinsam drei Filme von Laurel und Hardy mit Musik und wienerischen Reimen zu untermalen. Einen kleinen Vorgeschmack, wie Herr Turnheim das so macht, kann man sich hier bei einer Tarzan-Vertonung ansehen:

Gespielt wird „Big Business“ (1929), „Liberty“ (1929) und „Leave em Laughing“ (1928), am 24. und 25. November um 18:30 in den Breitenseer Lichtspielen.

 

#31 Tiergarten Schönbrunn

An alle Pippi Langstrumpf-Fans: Es tut mir leid. Und ich frage mich, wie die das mit Herrn Nilsson am Set gemacht haben.

Aber ich greife vor. Ich durfte diese Woche Begleitung sein bei einem Besuch im Tiergarten Schönbrunn. Und zwar bei einer Affen-Führung und zum Abschluss konnten wir zu zweit die Kattas füttern.

Ich habe viel gelernt. Affen essen in freier Wildbahn zum Beispiel keine Bananen, bzw. kommen sie nicht wirklich dazu, weil Bananen Kulturpflanzen sind und Affen wenig bis kaum Zugriff darauf haben. Der Konnex Affe + Banane wird erst vor etwa hundert Jahren in westlichen Tiergärten gemacht. Man hatte ein exotisches Tier, d.h. einen Affen, und ein exotisches Tier musste ja dann, so die Logik, auch exotisches Futter fressen. An exotischem Obst kannte man Bananen. Punkt. Also fütterte man das exotische Tier mit exotischem Obst: Affe = Banane. Der Pfleger, der uns herumführt, erklärt, dass Affen in Tiergärten heute kaum je eine Banane zu Gesicht bekommen, außer sie benötigen gerade hochkalorisches Futter. Ansonsten füttere man oft Gemüse und nicht zu süßes Obst, weil die Früchte, von dem sich die meisten Affen in freier Wildbahn ernähren, nicht so süß seien wie unser Kulturobst.

Wir stehen vor den Bärenstummelaffen, von denen es noch 37 Tiere in Zoos gibt und deren Zucht so immer schwieriger wird, da die Tiere mehr oder weniger weitschichtig alle miteinander verwandt sind. Wir sprechen über die Blätter, die dei Bärenstummelaffen fressen und der Tierpfleger mustert uns abschätzend und fragt ob wir Vegetarier seien. Ich verneine, er sieht mich eher skeptisch an und meint dann, die Bärenstummelaffen, die sich nur von Blättern ernähren, hätten einen Magen mit vier Kammern, was ihnen dabei helfe, die cellulosehaltige Nahrung aufzuspalten und zu verdauen. Menschliche Mägen seien mit ihrem salzsäurehaltigen Magensaft auf Allesfressernahrung ausgerichtet. Wir diskutieren etwas und kommen zu dem Schluss, dass wir uns ohnehin einig sind: Hin und wieder mal gutes Fleisch ist ok, aber nicht jeden Tag. (Auf einer Frage bleibe ich sitzen: Sehe ich wie ein Vegetarier aus? Und wenn ja: Wie sehen Vegetarier aus?)

Wie gesagt, Essen bleibt Thema, in der Affenküche im alten Affenhaus sehen wir was so alles verfüttert wird: Es gibt es neben Gemüse und Obst auch Reis (für die Ballaststoffe), harte und zerdrückte, aber nicht geschälte Eiern („da können sie herumkletzeln und sind beschäftigt“) sowie Mehlwürmer in den Größen eher klein und eher groß (hui) sowie Grillen. Die Grillen mögen die Affen aber nicht so gerne, weil sie schnell und schwer zu fangen, und noch dazu weit nicht so fett sind wie die eher behäbigen Mehlwürmer.

Wir kommen zu dem Gebäude, in dem auch die Kattas untergebracht sind, gehen über den Seuchenteppich, die hier überall sind, sobald man einen Fuß hinter die Kulissen setzt, und desinfizieren uns die Hände. Wir ziehen uns um und nach einer kleinen Verhaltenslehre (angegähnt zu werden zB ist nicht gut, das hat nichts mit Langeweile zu tun sondern ist eine Drohgebärde) nimmt der Pfleger eine Schale mit kleingeschnittenen Äpfeln und Futterpellets, und wir betreten das Gehege. Der erste Affe landet auf den Schultern und ab dann ist man eigentlich nur mehr damit beschäftigt die Hände offen zu halten und wird von Kattas wie einem lebenden Pelzkragen umgeben. Graues, sehr weiches Fell vor der eigenen Nase, hin und wieder eine neugierige fremde, spitze schwarze Nase im Blickfeld und lautes Schmatzen – was will man mehr 🙂 Während der Pfleger netterweise immer wieder unsere Hände befüllt, erzählt er über die Systematik der Affen und davon, dass die Kattas im Matriarchat leben. Auf uns sitzen nur Weibchen – die rangniedrigeren Weibchen, Männchen und Jungtiere halten sich am Boden oder auf den Plattformen und Astgabeln auf und fressen was runterfällt oder eine Hand ihnen vorbeibringt. Das momentan ranghöchste Weibchen ist nicht ganz so relaxt wie das letzte, meint der Pfleger, was die Gruppe insgesamt etwas nervöser macht. Die letzten Apfelsafttropfen auf der Hand werden säuberlich abgeschleckt und nachdem auch die Kleinsten pappsatt mit Pellets sind, bedanken und verabschieden wir uns. Ein feiner Besuch.

Zurück zu den Totenkopfäffchen und Herrn Nilsson. Totenkopfaffen urinieren auf ihre Hände und reiben sich damit das Fell ein. Der Tierpfleger meinte, das seien die einzigen Affen hier, die er es nicht sooo gerne auf seiner Schulter sitzen habe. Und außerdem seien es Gruppentiere, die nicht alleine gehalten werden sollten. Und ein Mädchen und ein Pferd seien kein Ersatz für andere Totenkopfaffen. Neben der Vegetarier-Frage bleibt heute die Frage zurück, wie man denn Herrn Nilsson für die Serie am Set vorbereitet hat. Wurde er jedes Mal vorher geduscht? Oder setzte man darauf, dass man das nach fünf Minuten sowieso nicht mehr roch? Mahlzeit.