Die Straße der Pfirsiche

F. Scott Fitzgerald hat die Geschichte einer Autofahrt in den Süden 1924 unter dem Namen „The Cruise of the Rolling Junk“ veröffentlicht. ‚Rolling Junk‘ ist der Name des Autos, mit dem Scott und Zelda in der Geschichte eine Fahrt zu Zeldas Eltern unternehmen – eine spontane Besuchsfahrt, die sie aufgrund Zeldas Sehnsucht nach den dort wachsenden Pfirsichen starten. Die Geschichte ist erst 2015 ins Deutsche übersetzt worden, und ich habe sie damals als Urlaubslektüre mitgenommen. Und als Urlaubslektüre ist der tagelang dauernde Roadtrip quer durch die Staaten auch sehr passend – wie auch der angehängte Essay von Zelda, in dem sie über das Reisen schreibt.

Hier ein Versuch mit einem Midtone-Papier:

#19 In der Trafik

Das Wort „Trafik“ stammt vom italienischen traffico ab, man ‚handelt‘ also mit Waren. Genauer gesagt, man handelt mit Waren unterschiedlicher, aber nicht beliebiger Art. Zum Grundeinkommen jeder Trafik gehört der rauchende Mensch, denn Zigaretten, Zigarillos und Zigarren können in Österreich nur in der Trafik zum eigentlich normalen Preis erworben werden, überall sonst kommt ein mindest 10%iger Aufschlag hinzu. Außer es gibt in der Gegend keine Trafik, dann können auch andere Läden oder Lokale eine Genehmigung bekommen, Tabakwaren zum günstigeren Preis zu verkaufen. Spannend. Als Nichtraucherin wusste ich das alles nicht. Ich bin auch sehr selten in der Trafik, muss man sagen. Für mich ist es ein kurioser Ort mit immer sehr eigener Atmosphäre, die irgendwo zwischen Bedürfnisbefriedigung (Zigaretten und Magazine), der Hoffnung auf das große Geld und Schlagzeilen aus der ganzen Welt angesiedelt ist. Hinzu kommt die meist nach altem Rauch riechende Luft. Oft wird man das Gefühl nicht los, es würde in den Räumen der Trafik seit Jahrhunderten gequalmt – selbst wenn niemand da ist, der raucht. Dazu gesellt sich die vage Vermutung, dass es – egal welche Trafik man betritt – immer dieselben Damen und Herren sind, die einen mit wahlweise quäckender oder schnarrender Stimme bedienen. Die Herren tragen Halbglatzen, die Damen Schneckerlfrisuren, rot lackierte lange Fingernägel und zu knallige Lippenstifte.

Als Kind wurde ich manchmal in die Trafik geschickt, um die Zeitung zu holen oder einen Lottoschein aufzugeben. Die Trafik in der Nähe vom Bahnhof meiner Heimatstadt war relativ groß, hatte eine riesige Zeitschriftenauswahl und roch nach besagtem jahrhundertealtem Zigarettenrauch. Der Trafikant war Invalide und povelte (=rauchte) ununterbrochen und bei ihm standen meist zwei oder drei andere, ebenfalls rauchende ältere Herren. Ich fand das alles immer furchtbar unangenehm. Einmal war ein Kunde vor mir, der mit einem Brieflos 50.000 Schilling gewonnen hat, hallali, da ging es rund, es wurde auf Schultern und Schenkel geklopft. Und ich habe auf die Brieflose geschielt und mir ausgerechnet, wieviel Geld ich denn mithatte, um auch ein so tolles Los zu ziehen. Leider nicht genug. Wenn ich dann doch mal Geld hatte, habe ich es manchmal für Panini-Sticker ausgegeben – auch wenn ich nie ein dazu passendes Album hatte.

Neben Stickern, Lottoscheinen, Brieflosen, Zigaretten und Zeitschriften gibt es in jeder gut sortierten Trafik aber natürlich auch noch Trivialromane. Ich wollte vor ein paar Wochen einen besorgen (aus rein wissenschaftlichen Gründen) und musste vier Trafiken abklappern, um endlich eine „Julia“ zu finden. Dafür habe ich gleich „Julia Extra“ bekommen, vier Romane in einem Band:

Und als ob das nicht peinlich genug gewesen wäre, ruft die Verkäuferin durch den ganzen Laden hörbar: „Jaja, einmal ‚Julia‘, das wärn dann seks Eiro zwanz’g.“

Man kann das Ding aufschlagen, wo man will, man kommt zu grandiosen Szenen mit wahllos darübergeschütteten Adjektiven. Beispiel:

„Pinz ‚Luc‘, der von einer wunderschönen Mittelmeerinsel stammte, nahm es mit seinem olivfarbenen Teint, seinen leuchtend blauen Augen und dem dichten schwarzen Haar an Attraktivität mit jedem Hollywoodstar auf, doch er ließ Amber völlig kalt. Das war an sich nichts Ungewöhnliches, denn schließlich hatte sie mit den wechselnden Partnern ihrer Mutter einen gut aussehenden Fiesling nach dem anderen kennengelernt.“

Ich glaube das Wort „Fiesling“ habe ich das letzte Mal bei der Knickerbocker-Bande gelesen.

 

Guardians of the Galaxy 2

Letzte Woche war ich mit einer Freundin „Guardians of the Galaxy 2“ im Kino anschauen. Wer ihn noch nicht gesehen hat lese hier nicht weiter. SPOILER! Der Film war wie sein Vorgänger sehr, sehr bunt und hatte (ebenfalls wie der erste Teil) einen sehr lockeren Umgang mit „töten wir mal schnell ein paar Leute“. Was nicht erst auf Dauer sehr langweilig und ziellos ist – es gibt genügend Geschichten die man erzählen kann, ohne gleich die ganze Crew umzulegen. (Und ganz ehrlich: Wenn so viele Figuren umgebracht werden, bekommt man irgendwann das Gefühl, die Storywriter waren ein bisschen faul und haben den einfachen Weg gewählt. Was nicht heißt, dass niemand sterben darf – aber zehn Minuten Gemetzel ist ein bisschen viel.) Teil 2 hat aber zumindest großteils auf die verbalen Hänger von Teil 1 verzichtet und war wieder sehr unterhaltsam. Ich glaube fast jedes (jedes?) Soundtrackstück kam von einem Gerät, das im Film verwendet wurde – Kopfhörer, Lautsprecher, Autoradio, kleine Anlage – eine wirklich schöne Idee. Das Hauptthema war „Familie“ – von der Zeugung (Ego fliegt in einem Ei durch die Gegend und scheint alles zu begatten was nicht bei drei auf den Bäumen ist – inklusive dem jeweiligen Planeten) über das „Familienleben“ der Guardians bis zur Überwindung der übermächtigen und vereinnahmenden Vaterfigur Ego, dargestellt von Kurt Russell. Es war ein bisschen creepy, ihn zu Beginn als jungen Mann zu sehen. Ich habe ein bisschen recherchiert und offensichtlich war sehr wenig CGI (=Computer Generated Imagery) im Spiel, dafür ein sehr begabter Make-Up-Artist sowie ein „stand-in“, den Schauspieler Aaron Schwartz. Alle Szenen, in denen Russell jung erscheint, wurden von einem stark geschminkten Russell, aber auch von Schwartz gespielt – und anschließend wurden beide im Computer zu einer fusioniert, was die Sache lebendiger wirken lässt. Wahnsinn.

Nur kurz zum Ursprung der „Guardians“: Die Marvel-Comicserie, auf der die Filme lose basieren, hatte ihre Geburtsstunde 1969 und die „Guardians“ hatten damals noch ganz andere Mitglieder, u.a. waren so klingende Namen wie „Major Victory“ oder „Martinex T’Naga“ dabei. Auch Yondu Udonta (ein Name der immer ein bisschen nach Zahnpasta klingt) gehörte damals zur Gruppe – während der blauhäutige Alien mit dem abhnehmbaren roten Irokesen in den Filmen Mitglied der Weltraumpiraten „Ravagers“ und Peter Quills Ziehvater ist und eine entscheidende Rolle in Teil 2 spielt.
Hier ein Bild der alten Guardians, der Iro und die Schulterpartien von Yondu wurden für die Neuauflage leider drastisch eingestutzt:

Von Gruppenbild zu Gruppenbild – hier meine Version:

Und weil der Film so schön bunt ist: