#12 Krems an der Donau

Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt, der noch zu Krems an der Donau zählt, liegen über 350 Höhenmeter. Geländeunterschiede merkt man auch recht rasch, wenn man durch die Altstadt läuft: Je höher gelegen, desto verwinkelter werden die Gassen und Sträßelchen, und es gibt nicht nur hübsche Durchgänge, sondern man kann treppauf, treppab schnellere Wege finden, als man sich zuerst gedacht hat. Zudem machen sie neugierig, legen sie sich doch oft in die Kurve und verhindern so den Über- und Durchblick. Man sieht also oben nicht wo man unten herauskommen wird oder wie lange diese Treppe denn überhaupt ist. Und was man alles wieder hinauflaufen wird müssen, wenn einem unten ein widerrechtlich (das Wort wollte ich immer schon mal verwenden) parkendes Auto den Ausgang versperrt.

Krems hat aber noch mehr zu bieten als nur Treppen. Beim Gang durch die Fußgängerzone entdeckt man bahnbrechende Geschäftsideen:

Lange schon war es überfällig diese Marktlücke zu füllen! Interessant dürfte es auch im Textilhaus Krumbholz zugehen:

Ich bin nicht nur vom Faltenwurf fasziniert, den diese Stickereien verursachen, ich bin hingerissen von „Computer sticken“. Und ich stelle mir so schöne Szenen darunter vor, dass ich mich weigere, mir das vorzustellen, was es wahrscheinlich heißen soll.

Neben Läden besitzt Krems auch noch Statuen. Etwa das ‚Mandl ohne Kopf‘ oder einen wilden Mann über der Mohren-Apotheke. Ecke Landstraße steht ein Brunnen in dessen Mitte ein Statuenpaar steht: eine lachende Frau, vor ihr ein knieender Mann. Darunter entziffere ich „Simandl“, kann mir aber nicht wirklich einen Reim darauf machen, wer oder was das gewesen sein soll. Keine Schilder in Sicht, also hilft mir zu Hause die Website der Stadt Krems weiter. Diese erklärt, dass es sich hierbei um den berühmten „Simandlbrunnen“ handle:

„Ein von der Kleidung und den Attributen gut gekleideter, wohlhabender Mann kniet in dieser Skulpturengruppe vor einer Frau, die ihn von oben herab ermahnt. Er bittet offensichtlich um Vergebung, oder – nach einer anderen Version – um Herausgabe des Haustorschlüssels.“

Eine Statue für die Herausgabe des Haustorschlüssels. Nicht schlecht. „Simandl“ bedeutet, so die Seite weiter, „im bayerisch – österreichischen Sprachgebrauch […] Pantoffelheld“. (So verwendet auch Nestroy den Begriff, siehe unten.) Jemand hat dem Pantoffelhelden hier übrigens eine braune Schirmmütze aufgesetzt, die ihm die Sicht auf die ‚mahnende‘ Frau erlässt. Ich meine eher, sie macht sich über ihn lustig, aber ich bin ja auch keine Kunsthistorikerin.

 

Die Seite zum Simandlbrunnen: http://www.krems.gv.at/Kultur/Geschichte_Stadtrundgang/Stadtrundgang_Krems/Simandlbrunnen

Johann Nepomuk Nestroy: Judith und Holofernes:
„Wie Viele giebt’s jetzt unter unsern Herrn,
Die a Gans mit viel Gold als a Göttin verehr’n;
Das Schicksal thut ihnen d’verdiente Straf’ geb’n,
In Simandl-Ketten führn s’ a elendig’s Leb’n;
[…]“

 

Lawrence of Arabia

„Lawrence of Arabia“ wurde unter der Regie von David Lean gedreht und kam 1962 in die Kinos, er war für 10 Orscars nominiert, 7 davon hat er tatsächlich gewonnen, u.a. für besten Film und besten Regisseur. Es ist ein bildgewaltiges Werk, das sich über fast vier Stunden erstreckt. Ich sage bewusst nicht, dass es sich über fast vier Stunden „zieht“, denn das tut es nicht. Es ist ein ruhiger Film, kein langweiliger Film. Was für Einstellungen, was für Landschaften! Der Film wurde zum großen Teil in Jordanien gedreht und es ist ein Film von Männern über Männer. Den sogenannten Bechdel-Test kann der Film aus gutem Grunde nicht bestehen: Es spielt überhaupt keine Frau mit. (Ich zähle die paar Frauen in Zelten nicht mit, die man mal für ein paar Sekunden von hinten sieht.) Für alle, die den Bechdel-Test nicht kennen: Ein Film besteht den Bechdel-Test dann, wenn sich darin mindestens zwei Frauen miteinander (!) unterhalten und das Gespräch sich dabei nicht um Männer dreht. Das ist jetzt auch keine Kritik, sondern mehr eine Feststellung, etwas, was mir nach ungefähr zwei Stunden plötzlich aufgefallen ist: Ah, keine Frauen da.

In „Lawrence of Arabia“ geht es um Krieg, Macht, Einfluss, um Loyalität und Gewissensfragen – und um die Liebe eines Mannes zu einem Land, das nicht das seine ist. Aber es geht auch und vor allem um sein Ego, das im Laufe der Zeit interessante Dimensionen annimmt. Ist zu Beginn an T.E. Lawrence (gespielt von Peter O’Toole) noch der Sympathieträger, so fängt man ab ca. der Hälfte des Films an, etwas unruhig am Platz herumzurutschen, wenn er erscheint. Der zu Beginn als brutal erscheinende Sherif Ali (gespielt von Omar Sharif) hingegen wird immer mehr zur Figur, an der man sich festhalten kann. Interessant dabei ist, dass Sherif Ali über den ganzen Film hinweg seine schwarze Kleidung nicht ablegt – und Lawrence trotz der Auslotung seiner psychischen Abgründe stets in beige bzw. weiß gekleidet ist.

Beim Zeichnen ist mir noch etwas aufgefallen: Der Film ist – wie viele Monumentalfilme seiner Zeit – im Seitenverhältnis 2.20:1 gedreht worden. Versucht man das Ganze dann auf einmal in ein 4:3-Format oder – Gott bewahre – in 1:1 zu übertragen, merkt man sehr schnell, wie sehr das Format die „epische Breite“ beeinflusst. Deshalb auch hier, noch etwas extremer als 2.20:1:

 

MA 2412

1998 bis 2002 flimmerten in vier Staffeln 34 Folgen über „das Amt für Weihnachtsdekoration am Rande der Stadt“ über die Bildschirme österreichischer Haushalte. Da ich in den letzten Wochen mehrmals Gespräche darüber führte (es muss am Alter liegen; oder am Wein; oder so), blieb mir die Serie irgendwie hängen. Ich hatte ihre Entstehungszeit übrigens auf Anfang der 90er Jahre geschätzt, aber so alt sind Roland Düringer, Alfred Dorfer und Monika Weinzettel doch auch wieder nicht…

Das Rennen hat dann aber weder Herr Breitfuß, Herr Weber noch Frau Knackal gemacht, sondern Herr Klaus, gespielt von Karl Ferdinand Kratzl. Ein sympathischer Weihnachtsmann mit fantastisch abstehendem Bart. Er wohnt übrigens im Kopierkammerl, für alle, die sich nicht mehr erinnern:

#11 Gartenzwerge

Die Schrebergärten auf der Schmelz sind eine Welt für sich – wie wohl jeder Kleingartenverein. Seit dem 1. Mai darf man sie nach der Wintersperre jetzt wieder durchstreifen und die Gärten ansehen, zumindest von 9 bis 19 Uhr. Dann muss wohl jemand mit einem großen Schlüsselbund rundherum gehen und alle Türen zusperren. Ich glaube, das werde ich mal abpassen, das will ich sehen.

Der Kleingartenverein auf der Schmelz heißt „Zukunft“, wurde 1920 gegründet und behauptet über sich selbst, mit 659 Gärten „die größte Kleingarten-Anlage innerhalb verbauten Gebiets“ in Mitteleuropa zu sein. Glauben wir ihnen das mal. Auf der Homepage liest man auch, dass „[d]er KGV Zukunft ab sofort wieder Aufnahmesperre für außerordentliche Mitglieder“ hat. In Rot! Weiteres steht da leider nicht, zum Beispiel was ein außerordentliches Mitglied denn in einem Kleingartenverein macht. Den Gesteig fegen und sich um den Löwenzahn außerhalb der Kleingärten kümmern? Oder ist das ein anderer Begriff für „Warteliste für Kleingartenhaus samt Grundstück, aber es muss erst jemand sterben“? Ich suche ein wenig auf der Website herum. Ah, tatsächlich: Den Informationen zum „Gartenerwerb“ entnehme ich, dass man sich für die Gartenvergabeliste anmelden kann und es kein Weitergaberecht gibt. Alleinige Ausnahme: Man kann innerhalb der Familie in direkter Linie weiterreichen (das alles erinnert ein wenig an die Kabanen am Gänsehäufel) und wenn man innerhalb der Familie weitergibt, dann muss man nicht zwingend außerordentliches Mitglied sein. Was uns wohl den Umkehrschluss erlaubt, dass man, möchte man im KGV ‚Zukunft‘ zukünftig eine Parzelle besitzen wollen, wohl nicht um die außerordentliche Mitgliedschaft und das Löwenzahnstechen herum kommt.

Die Regularien des Kleingartenvereins sind praktischerweise auch dort nachzulesen, da steht etwa dass „Wildwuchs und wild aufgehende Pflanzenarten (z.B. Löwenzahn) […] zu entfernen [sind].“ (S. 5) Ich mag Löwenzahn, das wäre wohl nix für mich. Außerdem muss jede Parzelle mindestens zwei Obstbäume haben, die aber nicht größer als fünf Meter werden dürfen. Genauer gesagt darf hier nichts über fünf Meter groß werden, auch die Häuser nicht. Zurück zu den Obstbäumen. Diese dürfen die Nachbargärten nicht mit „massiver Schattenbildung“ belästigen. Die Hecken zu den Nachbarparzellen sind mit einer Höhe von 1,5m begrenzt, außer man einigt sich zwischennachbarlich, dann darf man sie auch (nein, nicht weglassen, sondern:) bis zu 2m hoch wachsen lassen. Das finde ich nett. Wenn man seine Nachbarn nicht mag, kann man sich wenigstens in einer Sache mit ihnen einig sein und gießt gemeinsam fleißig die Hecke. Bei der Außeneinfriedung (also Grenze Kleingartenanlage und „die Welt da draußen“) darf die Hecke bis zum Stacheldraht hoch wachsen. Ja, die haben da Stacheldraht. Wegen den Nachbarskindern und den Kirschen. Oder so.

Was es außer Regeln auf der Schmelz natürlich noch gibt, sind Gartenzwerge. Sehr viele Gartenzwerge. Über die ich letztens beim Lesen der „Reportagen“ (ein tolles Schweizer Magazin mit – was wohl – Reportagen aus aller Welt) viel gelernt habe:

1. Die besten handgemachten Gartenzwerge sind aus Gips und stammen aus Gräfenroda in Deutschland.

2. Reinhard Griebel, der eben jene besten Gartenzwerge macht, sucht einen Nachfolger, denn er wird langsam alt. (Für Interssierte habe ich unten den Kontakt hinzugefügt – zum Gartenzwergkauf und für die Bewerbung.)

3. Es gab schon drei Zwergenkongresse, bei denen sich Gartenzwergfreunde aus ganz Deutschland treffen und über Zwerge, wer sie wann und wo erfunden hat, und ihre Herstellung reden. Ein nettes Hobby.

Das hier ist nach der Skizze der zweite Schritt für das Werk „Zwerg bei Nacht im KGV ‚Zukunft'“. Weitere Bearbeitungsschritte folgen im Laufe der nächsten Tage.

Link zum KGV ‚Zukunft‘: http://www.kgv-zukunft.at/

Link zu den Reportagen: http://reportagen.com/magazin

Zwergenmanufaktur Griebel: http://www.zwergen-griebel.de/

Zwergenkongress: http://www.zwergen-kongress.de/

2001: A Space Odyssee

Die Auflösung zu letzter Woche: „2001: A Space Odyssee“. Ein Film, den ich erst nach der Lektüre des Buches verstanden habe. Leider ist das Buch schon so lange her, dass ich nicht mehr genau weiß, was ich da verstanden habe. Dafür habe ich jetzt seit langem wieder einmal Kubricks Film gesehen (hah! und ihn wieder nur halb gecheckt). Bei Recherchen dazu habe ich gelesen, dass beide Versionen – Film und Buch – in etwa zeitgleich entstanden sein dürften, da Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke sich beim Schreiben des Drehbuchs nicht immer einig waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Stoffen, die vom Buch zum Film oder umgekehrt, vom Film zum Buch wurden, gibt es hier also nicht wirklich ein „davor“ oder ein „Original“, eher ein Nebeneinander, was die Sache noch spannender macht.

Beim Filmschauen ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass HAL 9000, der mit KI ausgestattete Computer an Bord des Raumschiffs, nicht nur aus einer rot leuchtenden und blau spiegelnden Linse besteht (schöne Symbolik), sondern er in einen schwarzen Block eingebettet ist – der die gleichen Maße aufweist wie der schwarze Monolith. Vorausgesetzt, ich habe richtig gemessen. Ich und mein Geodreieck vor dem Fernseher, das muss wohl etwas schräg ausgesehen haben. Ist das Interesse (die Neugierde, möchte man fast sagen) von HAL am Monolith deswegen so groß, weil eine unausgesprochene Verbindung zwischen beiden besteht? In Folge seiner kleiner Befehlsabweichung (à la „eigentlich darf ich ja nichts sagen, aber …“) täuscht er sogar einen nicht vorhanden Fehler vor, um von dieser verbotenen Neugier abzulenken – was zu Misstrauen, Tod und schließlich zur Dekonstruktion der KI führt. Tja, wenn man sich jetzt nur wieder an das Buch erinnern könnte. Nicht, dass der Film nicht alleine bestehen könnte, wenn man mehr Ahnung von Musik hat als ich soll das sogar alles ziemlich schön Sinn ergeben, doch fällt es mir anders, d.h. mit etwas weniger akustischen und mehr grafischen Anhaltspunkten, leichter.

HALs Einbettung in das schwarze Rechteck ist mir zu spät aufgefallen, da hatte ich bereits mit dem Inking angefangen, sonst hätte ich das Ganze anders komponiert: Block 1 mit Urmensch gespiegelt und nach links gerückt, schräg rechts darüber HAL in einem zweiten schwarzen Block, dazwischen Dave Bowman, den letzten Überlebenden der Crew von Discovery One. Im tatsächlich realisierten Bild gibt es zwei schwarze Monolithen, um das Gleichgewicht im Bild zu halten, sonst würde es nach rechts kippen. Vielleicht arbeite ich es tatsächlich nochmal alles um, es ärgert mich ein bisschen…

Aber wenn, dann lese ich vorher noch das Buch.

Der Gschupfte Ferdl Teil II

Der „Gschupfte Ferdl“ – nochmal, aber ganz anders: Gerhard Bronner war eine Zeit lang beim NDR tätig und in dieser Zeit entstand „Der blasse Gustav“ (1953). „Der blasse Gustav“ ist eine Übersetzung des „Gschupften Ferdl“ ins Hochdeutsche. Dort gibt es erneut Brillantine, doch keine grün und gellb gestreifte Socken mehr. Stattdessen einen hellblauen Pullover, geklaut im KaDeWe. Eintracht!

Hier der „blasse Gustav“ in Wort und Musik:

Georg Kreisler hat 1958 übrigens zur Melodie von Bronner auch eine englische Version verfasst, den „Dirty Ferdy“: „Dirty Ferdy was a cowboy most notorious / you could smell him in the distance of a mile / …“ Dazu ist mir dann aber kein Bild eingefallen, dass ich zeichnen wollte 😉