In Dublin’s fair city…

Ja nein die Sache mit dem Internet im Hotel hat nicht mehr wirklich funktioniert, um ein Bild hochzuladen waren mehr als 15 Minuten und zu viele Nerven meinerseits notwendig, dann lieber später und dafür entspannter. (Noch dazu hatten die nicht mal ein sicheres Netzwerk?!) Naja. Das Hotel war ohnehin eine Klasse für sich. Nach zwei Nächten sind wir in ein anderes Zimmer gezogen, weil ich das Gefühl hatte, vom Bass aus dem Bett getragen zu werden. Drei Nächte später gab es dafür für das ganze Hotel zweimal Feueralarm (0:00: „Sorry guys, false alarm, somebody was smoking in the toilet“; 1:05: „Yeah, another false alarm, we are so sorry.“).

Nett war, dass man Wasser bekam, man konnte die Flasche in der Früh rausstellen und bekam sie aufgefüllt (mit Chlor-Wasser) wieder:

Manche haben nicht nur die Wasserflasche rausgestellt, ich konnte aber nicht eruieren, ob die andere Flasche auch wieder aufgefüllt wurde (und mit was):

Der Grund für die Reise war aber nicht das Testen von Innenstadthotels, sondern meine Schwester wollte für ihre Sprachreise eine zweite Begleitung haben, der Teilungsschlüssel hätte sie als einzige Aufsichtsperson mit 13 sehr netten (und lustigen und manchmal etwas verpeilten) Mädels und Burschen in die Welt geschickt.

An dieser Stelle ein Geständnis: Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich jemals eine Hop-On Hop-Off-Tour machen würde. Und bin mir dabei auch unglaublich touristisch vorgekommen (was aber – da ich ja Touristin war – eigentlich ok ist). Noch weniger hätte ich mir gedacht, dass ich es sogar für (1. – man halte sich fest – unterhaltsam und 2.) ganz praktisch halten würde, weil es die einzelnen Wegstrecken stark verkürzt hat und ich mich dafür nicht mit dem unglaublich unübersichtlichen Bussystem auseinandersetzen musste. Von den Wiener Linien wird man schon sehr verwöhnt (die ÖBB geht gerade einen anderen Weg, vor allem was die Ticketbuchung angeht, aber das ist ein anderes Kapitel. Gerade vorhin wollte ich online ein Hin-und-zurück-Ticket kaufen. Ich bin gescheitert. Ich habe jetzt zwei Einzelfahrscheine.)

Zurück zu Irland. Ein paar Impressionen – in zufälliger Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Mein erstes Foto in Dublin:

Ein Abendessen im „Rustic“, meine Schwester und ich fielen mehr oder weniger dort rein, weil es gleich in der Nähe des Hotels war. Essen auf Lavasteinen, nicht ganz günstig, aber für einen Abend schon ok. Und das Essen war auch wirklich sehr gut, kein Tisch war mehr als drei Minuten frei und das Publikum war… interessant. Momentaufnahmen: Schräg links von mir nimmt ein Mann Platz, dessen Kopf von innen rot zu leuchten scheint. Er hat auch nicht viele Haare, die das Glühen hätten dämpfen können. Ihm gegenüber sitzt – besser von der Seite meiner Schwester aus zu beobachten als von der meinen – eine Frau, die auf den ersten Blick im Gesicht sehr gelb aussieht. Aber nein, sie ist nicht krank, nur geschminkt. Golden. Erinnert sich jemand an das Musikvideo zu „Zombie“ von den Cranberries? Es fehlt nicht viel dazu. (Meine Schwester: „Sie schaut aus als ob sie im Zweitjob eine von den lebenden Statue wäre.“) Sie ist viel zu eng angezogen und dazu schiebt sie sich alle drei Minuten ihren BH samt Brüsten nach oben. Kein Wunder, dass ihr Gegenüber so leuchtet. Ein weiteres Pärchen kommt zur Türe rein – er hat einen 80er Jahre Schnauzer, einen Vokuhila (!!!) und eine Trainingsjacke aus Ballonseide an. (Und ja, die Haar- und Schnauzerfarbe ist hellbraun.) Zwei Tische weiter sitzen zwei Männer, die ihre Steaks auf Lavasteinen bekommen. Beide machen aus ihren wirklich wirklich schönen Steaks Faschiertes und lassen es auf den Steinen totbraten. Da zuzusehen hat wirklich wehgetan.

Weh – aber ganz anders weh – tut es auch die vielen Obdachlosen zu sehen, viele davon jung, und wenn man sich von ein paar Euro trennt, weiß man genau, dass es nicht viel ist und für nicht viel reichen wird. Und man dreht sich um und drei Schritte weiter hat man vergessen, wie er oder sie ausgesehen hat – wenn man sich überhaupt getraut hat, richtig hinzusehen.

St. Patrick’s Cathedral: Angeblich hat St. Patrick an dem Ort, an dem heute die Kathedrale steht, Mitte des 5. Jahrhunderts Taufen durchgeführt. St. Patrick soll auch derjenige gewesen sein, der die Schlangen aus Irland vertrieben hat (die es dort nie gab):

Kritzelkratzel aus St. Patrick’s:

Trinity College – „Book of Kells“. Sehr voll. Lauter Leute. Überall. Und teuer! 9€ in der Hauptsaison (Nebensaison 3€) für Herumgedränge um die (dafür aber wirklich beeindruckenden) Handschriften. Oben, in der schönen Bibliothek, ist es viel ruhiger, gedämpfter, die meisten lassen den Blick nur einmal schweifen und verkrümeln sich in den Shop. Dabei sieht man hier neben anderen Exponaten auch die älteste erhaltene Harfe des Landes sowie die Totenmaske von Jonathan Swift, dem ehemaligen Dekan der St. Patrick’s Cathedral und Autor von „Gulliver’s Travels“ (1726).

Powerscourt Gardens – vor kurzem von National Geographic zum drittschönsten Garten der Welt gewählt. Da wäre ich sofort geblieben. Für immer.
Frau, etwa Mitte 50 und mit Kamera zu ihrer Mutter: „Smile!“ – Ältere Dame mit einem wirklich netten Lächeln: „Am I smiling? I don’t do smiling.“

Pub mit Live Music und Irish Dance. Nachdem sich das Pub nach Ende der Tanzvorstellung zu leeren beginnt, spielen die beiden Musiker was ihnen gefällt, u.a. „Wonderwall“. Unser Tisch singt am lautesten mit, die Musiker meinen, wir sollen uns weiter nach vorne setzen. Dem kommen wir nach. „Where’re you from?“ – „Austria!“ – „Austria! What do you do?“ – „We are students!“ – „Why are you here?“ – „We came here to study English!“ – (Daraufhin hat sich der eine Musiker erstmal verschluck.) „You came to Ireland – to study English? Are you sure that’s the best place for that?“
Ich weiß nicht mehr genau warum, – ein Nieser vielleicht? – aber eine Schülerin ruft „Bless you“ auf die Bühne. – „Oh, you’re religious?“ – „I didn’t say ‚God bless you‘. I said ‚bless you.'“

Im Naturhistorischen Museum laufen einem die Tiere wenigstens nicht ständig weg (dafür kleine Kinder vor die Füße – ich hab noch nie jemanden gesehen, der sich so lange und lautstark über einen toten und ausgestopften Dachs gefreut hat („A BADGER! A BADGER!!“)):

Das hier ist übrigens ein Kniegelenk von einem Irish Deer, auf Augenhöhe gezeichnet. Was für ein Riesenviech:

Bäume im Phoenix Park, in St. Stephen’s Green und der Ausblick auf den hinteren See in Glendalough (wunderschöne Gegend):

Vor dem Titanic-Museum in Belfast (bzw. dahinter) wurden mit Stahl die Umrisse des Schiffs verewigt:

Im Titanic-Museum (das Schiff wurde dort gebaut, die Werft liegt genau vor dem Museum) wird von der ökonomischen Situation der Weber über die Schiffskonstruktion, die Einrichtung, die Passagiere, den Untergang, die Notrufe und Pressenachrichten bis zu Verfilmungen und den letzten Tauchgängen zum Schiff alles gezeigt – ein sehr gut aufbereitetes Museum, finde ich. Nur die Shops am Ende solcher Touren sind immer ein wenig schräg. Das Museum ist ja eigentlich um den Untergang herumgebaut, eine Katastrophe – und im Shop kann man dann auf geschätzten 70 Quadratmetern Duftkerzen und T-Shirts dazu kaufen. Dafür hält man sich mit ca. 3 Metern bei den Bücherregalen pietätvoll zurück.

Kein Besuch auf den Inseln ohne Tea-Time! Der folgende Büffelkopf ist übrigens aus Papier und hängt im Powerscourt-Townhouse.

Guinness. Das Museum ist – was vorherzusehen war – ein einziger großer Marketingauftritt, der „Innenhof“ hat die Form eines riesigen Guinnessglases. Aber trotzdem interessant und es wird erklärt, wie man ein gutes Guinness zapft (und das darf man dann auch selber ausprobieren). Nur so viel dazu: Immer auf die Harfe am Glas achten! Und – bitte – Guinness ist nicht schwarz. Es ist „dark ruby red“. Ahja. Bei der Verkostung wird 10 Minuten lang gerochen, über Zungen gesprochen und gegurgelt. Ich frage die „Vorkosterin“ nach der Anleitung, wie oft sie das jeden Tag macht. „Oh, I do one every 10 minutes. And at least 20 times a day.“ Daraufhin gibt sie mir einen Tip für eine schöne Rooftopbar im Temple-District. Habe ich schon von der Pfeifenden Auster erzählt? Naja, man muss ja nicht alles kennen.

So long, Dublin! Feicfidh mé ar ball thú!

 

PS.: Natürlich Zitronenseife in Sweny’s gekauft!