#11 Gartenzwerge

Die Schrebergärten auf der Schmelz sind eine Welt für sich – wie wohl jeder Kleingartenverein. Seit dem 1. Mai darf man sie nach der Wintersperre jetzt wieder durchstreifen und die Gärten ansehen, zumindest von 9 bis 19 Uhr. Dann muss wohl jemand mit einem großen Schlüsselbund rundherum gehen und alle Türen zusperren. Ich glaube, das werde ich mal abpassen, das will ich sehen.

Der Kleingartenverein auf der Schmelz heißt „Zukunft“, wurde 1920 gegründet und behauptet über sich selbst, mit 659 Gärten „die größte Kleingarten-Anlage innerhalb verbauten Gebiets“ in Mitteleuropa zu sein. Glauben wir ihnen das mal. Auf der Homepage liest man auch, dass „[d]er KGV Zukunft ab sofort wieder Aufnahmesperre für außerordentliche Mitglieder“ hat. In Rot! Weiteres steht da leider nicht, zum Beispiel was ein außerordentliches Mitglied denn in einem Kleingartenverein macht. Den Gesteig fegen und sich um den Löwenzahn außerhalb der Kleingärten kümmern? Oder ist das ein anderer Begriff für „Warteliste für Kleingartenhaus samt Grundstück, aber es muss erst jemand sterben“? Ich suche ein wenig auf der Website herum. Ah, tatsächlich: Den Informationen zum „Gartenerwerb“ entnehme ich, dass man sich für die Gartenvergabeliste anmelden kann und es kein Weitergaberecht gibt. Alleinige Ausnahme: Man kann innerhalb der Familie in direkter Linie weiterreichen (das alles erinnert ein wenig an die Kabanen am Gänsehäufel) und wenn man innerhalb der Familie weitergibt, dann muss man nicht zwingend außerordentliches Mitglied sein. Was uns wohl den Umkehrschluss erlaubt, dass man, möchte man im KGV ‚Zukunft‘ zukünftig eine Parzelle besitzen wollen, wohl nicht um die außerordentliche Mitgliedschaft und das Löwenzahnstechen herum kommt.

Die Regularien des Kleingartenvereins sind praktischerweise auch dort nachzulesen, da steht etwa dass „Wildwuchs und wild aufgehende Pflanzenarten (z.B. Löwenzahn) […] zu entfernen [sind].“ (S. 5) Ich mag Löwenzahn, das wäre wohl nix für mich. Außerdem muss jede Parzelle mindestens zwei Obstbäume haben, die aber nicht größer als fünf Meter werden dürfen. Genauer gesagt darf hier nichts über fünf Meter groß werden, auch die Häuser nicht. Zurück zu den Obstbäumen. Diese dürfen die Nachbargärten nicht mit „massiver Schattenbildung“ belästigen. Die Hecken zu den Nachbarparzellen sind mit einer Höhe von 1,5m begrenzt, außer man einigt sich zwischennachbarlich, dann darf man sie auch (nein, nicht weglassen, sondern:) bis zu 2m hoch wachsen lassen. Das finde ich nett. Wenn man seine Nachbarn nicht mag, kann man sich wenigstens in einer Sache mit ihnen einig sein und gießt gemeinsam fleißig die Hecke. Bei der Außeneinfriedung (also Grenze Kleingartenanlage und „die Welt da draußen“) darf die Hecke bis zum Stacheldraht hoch wachsen. Ja, die haben da Stacheldraht. Wegen den Nachbarskindern und den Kirschen. Oder so.

Was es außer Regeln auf der Schmelz natürlich noch gibt, sind Gartenzwerge. Sehr viele Gartenzwerge. Über die ich letztens beim Lesen der „Reportagen“ (ein tolles Schweizer Magazin mit – was wohl – Reportagen aus aller Welt) viel gelernt habe:

1. Die besten handgemachten Gartenzwerge sind aus Gips und stammen aus Gräfenroda in Deutschland.

2. Reinhard Griebel, der eben jene besten Gartenzwerge macht, sucht einen Nachfolger, denn er wird langsam alt. (Für Interssierte habe ich unten den Kontakt hinzugefügt – zum Gartenzwergkauf und für die Bewerbung.)

3. Es gab schon drei Zwergenkongresse, bei denen sich Gartenzwergfreunde aus ganz Deutschland treffen und über Zwerge, wer sie wann und wo erfunden hat, und ihre Herstellung reden. Ein nettes Hobby.

Das hier ist nach der Skizze der zweite Schritt für das Werk „Zwerg bei Nacht im KGV ‚Zukunft'“. Weitere Bearbeitungsschritte folgen im Laufe der nächsten Tage.

Link zum KGV ‚Zukunft‘: http://www.kgv-zukunft.at/

Link zu den Reportagen: http://reportagen.com/magazin

Zwergenmanufaktur Griebel: http://www.zwergen-griebel.de/

Zwergenkongress: http://www.zwergen-kongress.de/