#6 Punschkrapferl

Süß! Krümel ist ausgewachsen. Krümel ist der Hund in der Kaffeebar Quentin und müsste jetzt ca. zwei Jahre alt sein. Er ist groß genug, damit man im Stehen bequem Gläser auf ihm abstellen könnte (wenn er denn still hielte, was er aber nicht tut), und wenn man sich im Quentin in die Sofas wirft, kann es vorkommen, dass man zu ihm aufsehen muss. Aber meistens liegt Krümel ohnehin im Eingang herum und die Sketchgruppe, die sich hier jeden Donnerstag trifft, konzentriert sich auf anderes. Gestern zum Beispiel kam das angekündigte Model ein wenig zu spät und einer der Zeichner hat sich – als Überbrückung – wagemutig seines T-Shirts entledigt, einen Fahrradhelm aufgesetzt, sich den neben der kleinen Bühne stehenden Feuerlöscher gekrallt und eine 5-Minuten-Pose als Bauarbeiter (?) gegeben. Das hat ein bisschen wie in einem sehr schlechten Porno gewirkt, war aber sehr süß (und tapfer!) 🙂 Er wurde bald erlöst, die angekündigte Bauchtänzerin kam. In lachsfarbenem Outfit. Und dann habe ich Hunger bekommen. Auf Punschkrapfen.

Es lag vielleicht am seit Silvester verringerten Zuckerkonsum, es lag vielleicht daran, dass ich an dem Tag ohnehin noch nicht viel gegessen habe, ich bin auf jeden Fall auf Punschkrapferl-Suche gegangen. Aber das ist um 9 Uhr am Abend ein bisschen schwierig, ich musste mich bis zum nächsten Tag gedulden. Dabei kam mir die Idee das Punschkrapferl nicht nur zum Verzehr zu besorgen, sondern es auch gleich Studienzwecken zu widmen. Dementsprechen habe ich also eines vom Mann und eines von der Aida geholt. Optisch ansprechender das unten zu sehende Aida-Punschkrapferl. Das vom Mann habe ich in der Zwischenzeit gegessen.

Schön finde ich die Zusammenfassung bei Wikipedia: „Punschkrapferln dienen mitunter als Resteverwertung von altbacken gewordenen Biskuitteigprodukten, wobei der Inländerrum einen allfälligen Altgeschmack wirkungsvoll überdeckt.“

In der Tat.

Und hier, in Farbe und bunt (sehr sehr bunt):

Die bekannte Analogie zwischen österreichischer Seele und Punschkrapferl (außen rot, innen braun – und wie Thomas Bernhard hinzufügt: immer ein wenig betrunken) setze ich hier mal auf einen blauen Teller. Man soll ja mit der Zeit gehen. Wie das in der Folge dann genau auszulegen wäre oder ob das nicht ein etwas schiefes Bild gibt, darüber muss ich noch nachdenken. Der Punschkrapfen an sich ist ja ein abgeschlossenes System, da wird es schwierig. Vielleicht suche ich mir in Zukunft beim plötzlichen Drang nach Zucker aber auch einfach ein politisch unverfänglicheres Konditorstück.

 

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