#4 Haus des Meeres

Das letzte Mal war ich ich weiß nicht mehr wann im Haus des Meeres. Ist auch kein Wunder, dachte ich mir am Schalter, die Ticketpreise machen dem Tiergarten Schönbrunn Konkurrenz. Aber die elf Stockwerke des ehemaligen Flakturms sind – wenn auch jeweils klein in der Fläche – wirklich voll mit kleinen Wundern. Eine Riesenschildkröte, Haie, Krokodile, Schlangen, Spinnen, Seesterne, Anemonen, Fische, Fische und noch mehr Fische. Und nicht zuletzt ist es voller Bemerkungen von Dreijährigen („Wie geil! Hast du den Lift gesehen? Wie geil!“ – „Boah schau, der Lift!“ (???)) und halblauter Konversationen von Erwachsenen.

Zwei Kindergärtnerinnen, die inmitten ihrer Truppe ihm Cafe im 4. Stock essen: „Ich gehe jetzt auch zu einem Energetiker, und mit dem rede ich auch über meine früheren Leben.“ – „Ja, der Schwager vom Christian ist auch so einer, der nimmt einem auch so die schlechte Energie. Aber ich geh jetzt so zu einer, die versetzt dich in die REM-Phase, das heißt Rapid Eye Movment, das ist wenn du so schläfst, und die löscht dann deine schlechten Erinnerungen. Aber das geht nur einmal.“ Ich wollte schon fragen, wieso das nur einmal geht, wurde aber von einem ca. vier Jahre altem Mädchen abgehalten: „Meine Semmel ist weg!“ (Schaut groß in die Runde, keine Reaktion.) Vorwurfsvoll: „Aber ich hab doch eine Semmel gehabt?!“ (Schaut wieder in die Runde, alle anderen Kinder essen ungerührt weiter.) Mädchen schaut nochmal um sich herum. „Aha!“ Mädchen findet die Semmel, hält sie stolz in die Höhe und isst sie. Sie hatte daraufgesessen.

In einem anderen Stock klebt ein Mädchen förmlich an der Scheibe der Anacondas: „Ich finde, die Schlange ist schön!“ – Kindergärtnerin, mit zwei Meter Sicherheitsabstand (mehr geht nicht): „… Jaaa….“

Das netteste Erlebnis aber war, als zwei Mitarbeiter des Haus des Meeres vor einem kleinen Aquarium standen und mehrere Minuten lang ein Tier suchten. „Is er da hinten?“ – „Na, ich glaub das ist ein Teil von dem Stein da.“ „Ah jo. Aber dass er sich dort versteckt, da hinten?“ „Kann schon sein, aber jetzt sieht ma ihn nicht.“ „Hm. Da müssen wir nachher nochmal schauen.“ Sie standen dann noch ein wenig und haben geschaut und geschaut und sind dann irgendwann gegangen. Ich natürlich sofort hin – aber da ich nicht wusste, nach was ich denn suchen soll, entpuppte sich das Finden als schwierig und ich bin dann zum Gemeinen Perlboot abgetaucht, einem der schönsten Meeresbewohner, wie ich finde:

Der wissenschaftliche Gattungsname lautet übrigens Nautilus („Schiffsboot“) und Jules Verne nannte Käpt’n Nemos U-Boot nach diesen Kopffüßlern.

Die Farben sind ein wenig kitschig geworden, aber das spiegelnde Blau der Scheiben erwies sich als schwierig: